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Cold Snap: Perfection

Nu Metal mal etwas anders
Wertung: 7/10
Genre: Nu Metal, Alternative Metal
Spielzeit: 49:56
Release: 29.10.2010
Label: MK II/MIG-Music

Wenn eine Band auf ihrem Infozettel lediglich als „Metal“, ohne nähere Genrebezeichnung, betitelt wird, hat man es meist entweder mit einer supertruen Hardrock- bzw. Heavy Metal-Kapelle zu tun oder mit einem Haufen Nu Metaller mit zu weiten Hosen und zu großen Käppis. Zu letzterer Gruppe kann man, zumindest musikalisch, auch die Kroaten von Cold Snap dazu zählen, nicht zu verwechseln übrigens mit der gleichnamigen Hardcore-Truppe. Der Fünfer reiht sich aber glücklicherweise nicht in die unzähligen Versuche ein, Nu Metal wieder zu beleben, sondern bietet, wie viele Bands aus dem osteuropäischen Raum in den letzten Jahren, einen experimentellen Ansatz.

Ehrlich gesagt habe ich erstmal herzhaft gelacht, als ich die Stimme von Sänger Jan Kerekes zum ersten Mal gehört habe. Nicht, weil der Gute so schlecht singt, keineswegs – aber er klingt verstörend stark nach einer Mischung aus Dez Fafara, als er noch bei den Chaoten von Coal Chamber sang und KoRn-Mastermind Jonathan Davis. Überhaupt klingt „Perfection“, der Nachfolger zum 2008er Debüt „Empty Promises“, ein wenig, als hätten KoRn sich eines besseren besonnen und zurück zu ihren Wurzeln gefunden. Witzig, irgendwie. Aber auch interessant, denn Jan hat eine durchaus variable Stimme, die er gekonnt einzusetzen weiß: mal manisch, mal aggressiv, aber auch mal ruhig und besinnlich, wie in der wunderschönen Ballade „Bury The Hatchet“, die das Ende der Platte darstellt. Vorab wurde bereits die Single „Bongo Bong“ released, die – ganz richtig – eine Coverversion des Hits von Manu Chao darstellt und sich als solche gar nicht mal schlecht macht. Ein Metal-Partysong eben, vor allem im Refrain, wo man innerlich direkt mithüpft.

Nach einem zu vernachlässigenden Intro steigt „Genocide“ gleich ziemlich deftig ein, obwohl zu Anfang geflüstert wird. Ein wenig erinnert der Song mit seinem aggressiven Gesang in den Strophen und den südamerikanischen Percussionelementen, die vor allem im Refrain sehr dominant sind, an ältere Stücke von Ill Nino, die auf ihrem ersten Album „Revolution, Revolución“ eine ganz ähnliche Struktur verwursteten. Der Halb-Titeltrack „Snap“ zieht noch ein wenig stärker in die Nu Metal-Richtung und Jan mutet zumindest zeitweise sehr stark wie Ex-Adema-Sänger und seines Zeichens Halbbruder von Jonathan Davis, Mark Chavez, an. Was ist aus dem eigentlich geworden, weiß das jemand? Jedenfalls stampft der Track ganz schön nach vorne und dürfte vor allem live eine Menge Spaß machen.

Mit „Going Nowhere“ beweisen die Jungs ein Händchen für Experimente, indem sie ihren Sänger in seiner Muttersprache singen lassen. Ein wenig ungewohnt ist der Sprechgesang dann schon, aber vor allem finde ich es mutig, von den englischen Texten zumindest teilweise abzuweichen. Abgesehen von der etwas exotischen Sprache räumt der Song aber auch sonst ganz gut ab und gehört sicherlich mit zu den stärksten der Platte, was nicht zuletzt an dem leicht sphärischen Klargesang im Refrain liegt. Auch „Religion“ zeigt Jan von seiner stärksten Seite, völlig abgesehen davon, dass die Gitarren hier mit ordentlich Dampf daherkommen. Überhaupt gibt es am Instrumente-Sound der Scheibe nichts auszusetzen – alles ist am richtigen Platz, die Drums scheppern nicht und der Bass eiert nicht unrhythmisch vor sich hin. So muss das sein. Der Song erinnert mich merkwürdigerweise wieder an Ill Niño, womit zumindest zweifelsfrei bewiesen wäre, dass sich Cold Snap in die Nu Metal-Schublade einordnen lassen.

Einen wirklich großartigen Abschluss bildet das im Akustik-Gewand vorgetragene „Bury The Hatchet“, bei dem Jan sich ein wenig ruhiger präsentiert und mit klarer, leicht rauchiger Stimme den Text vorträgt. Wer hier keine Gänsehaut und ein seliges Lächeln vorzuzeigen hat, der besitzt ein Herz aus Stein und einen völlig zubetonierten Gehörgang. Ein wunderbares Stück und ein schöner Abschluss für eine Platte, die man so gar nicht von dieser Band erwartet hätte. Wohl bekannte, immer gern gehörte Nu Metal-Passagen wechseln sich ab mit kroatischem Gesang, kurzen Flamencoeinlagen und einer kraftvollen Stimme, die dem Spektakel die Krone aufsetzt. Wer auf Nu Metal etwas abseits von musikalischen Konventionen steht, dem sei „Perfection“ wärmstens ans Herz gelegt.

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