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Cold Rush: The Illness

Vielversprechender Newcomer
Wertung: 8/10
Genre: Gothic Metal / Industrial Metal
Spielzeit: 35:35
Release: 30.01.2009
Label: Point Music

Die Newcomer Cold Rush bezeichnen sich selbst als „Electro Metal Goth“ und verbinden diese Klänge nach eigenen Aussagen "auf einzigartige Weise" miteinander. Ganz so innovativ wie diese Beschreibung vermuten lässt, ist die junge Band definitiv nicht, interessant klingt das Soundgemisch aber trotzdem. Grob gesagt könnte man die Musik als eine Mischung aus den Sisters Of Mercy und Ministry mit gelegentlichen EBM-Einschüben beschreiben, wobei diese nicht allzu häufig auftauchen.

Die Songstrukturen auf „The Illness“ sind generell recht einfach gehalten, die Tracks folgen größtenteils dem Strophe-Refrain-Schema, was ihnen ein hohes Maß an Eingängigkeit beschert. Insbesondere bei den Riffs vermögen die Jungs zu überraschen, denn hier werden sowohl treibende als auch äußerst headbang-kompatible Gitarrenklänge geboten, die stets zwischen modernen und leichten Rock&Roll-Einflüssen pendeln.

Leider klingen die Gitarren insgesamt etwas zu blechern, hier wäre bei der Produktion noch deutlich mehr drin gewesen, auch wenn man den Klang vielleicht damit rechtfertigen könnte, dass er zu den kalten Elektro-Sounds passt. Die eingesetzten Syntheziser und Samples harmonieren jedenfalls optimal mit den Klampfen und lassen die Musik von Cold Rush noch melodiöser wirken. Ab und zu treten die elektronischen Klänge auch mal mehr in den Vordergrund und die restlichen Instrumente verstummen nahezu vollkommen, wodurch ein wenig Abwechslung geboten wird. Bei „Relation With A Lie“ wird stellenweise sogar reiner EBM geboten, nur dass dieser noch hin und wieder durch sägendes Riffing ergänzt wird, bevor der Song gegen Ende wieder in die typischen Gefilde, in denen sich die Band normalerweise bewegt, zurückkehrt. Eher wenig Positives gibt es hingegen bei den Drums zu vermelden, was jedoch nicht mit den technischen Fähigkeiten des Schalgzeugers zusammenhängt, die sich durchgängig auf einem soliden Niveau bewegen. Vielmehr wirken sie häufig sehr lasch und nehmen insbesondere den oft vertretenen aggressiven Stücken ein wenig die Wucht – hier besteht eindeutig Verbesserungsbedarf.

Als echter Glücksgriff entuppt sich der talentierte Sänger Sebastian Müller – eine solch abwechslungsreiche Gesangsleistung hörte man im Gothic Metal schon lange nicht mehr. Seine variable Stimme schwankt in den meisten Stücken zwischen extremen Vocals, bei denen er zwischen tiefen Growls und Hardcore-artigem Gebrüll wechselt und tiefem Klargesang, der hauptsächlich für den Gothic-Faktor der Platte verantwortlich ist. Beeindruckend dabei ist, wie es dem Frontmann gelingt, fließend zwischen diesen Stilen zu wechseln, so dass es teilweise gar nicht mehr möglich ist herauszuhören, ob nun gerade geschrien wird oder rauer Klargesang verwendet wird.

Textlich werden gesellschaftskritische Themen behandelt – das ist soweit nichts neues, doch immerhin sind die Texte sehr gelungen formuliert und halten die ein oder andere Metapher bereit, wie beispielsweise im gelungenen „Fields Of Glass“.

Den Anfang des Albums macht das deutschsprachige Intro „Der Beginn“, bevor „Daily Crime“ die eigentliche Marschrichtung der CD vorgibt: Stampfender Industrial Metal, der von den Stakkato-Vocals Sebastians begleitet wird und in einen Gothic-lastigen, melodiösen Refrain übergeht. Für Abwechslung sorgen heftige Doublebass-Stücke wie „The Moche“ oder „Karmageddon“ oder aber auch der Track „Warstomp“, der in den eher ruhigen Strophen mit emotionalem Gesang überrascht, um später in einem wütend gebrüllten Chorus zu münden. Besondere Erwähnung verdient sicherlich das bereits erwähnte Stück „Fields Of Glass“, mit dem der Band ein kleiner Hit gelungen ist. Nach den in düsterem Sprechgesang vorgetragenen Passagen wird das starke Grundriff im tollen Refrain erneut verwendet und bietet kombiniert mit dem rauen Gesang ordentlich Mitsing-Potential – eindeutig das Highlight der Platte.

Cold Rush hinterlassen mit ihrem Debüt einen äußerst positiven Eindruck, eignet sich die Platte doch sowohl für die Clubs als auch für den Gebrauch daheim. Etwas mehr Experimente wie bei dem Song „Relation With A Lie“ wären sicherlich eine gute Ergänzung, außerdem besteht bei der Produktion noch Raum für Verbesserung. Dank dem gelungenen Gesang und den starken Melodien kann hier aber jeder, der etwas mit eingängigem Gothic Metal mit vielen elektronischen Elementen anfangen kann, bedenkenlos zugreifen.

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