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Cold Cold Ground: This Side Of Depravity

Öde und untanzbar
Wertung: 4/10
Genre: Industrial Rock
Spielzeit: 37:04
Release: 28.04.2011
Label: Danse Macabre Records

Von den Finnen ist man als Metal- und Rockfan schon einiges gewöhnt. Dass es sich bei musikalischen Auswüchsen aus dem Land der tausend Seen meist um Melodic-Death-Metal- oder Symphonic-Metal-Bands handelt, hat gute Gründe: Das können die Finnen nämlich. Industrial Rock hingegen ist ein Stil, den man nicht ganz so häufig herüber schwappen sieht beziehungsweise hört, und riskiert man ein Ohr bei der Debütscheibe der Einwohner Helsinkis Cold Cold Ground weiß man auch in etwa, warum das so ist. Nicht, dass „This Side Of Depravity“ völlig für die Katz wäre, aber man geht durchaus richtig in der Annahme, dass wohl kaum jemand die Scheibe vermissen würde, würde die Produktion plötzlich eingestellt werden.

Dass die Finnen bei Danse Macabe Records untergekommen sind, ist keine Überraschung, denn von dem inzwischen hinlänglich bekannten Gothic-/EBM-/Industrial-Label werden immer öfter bizarre Kreationen wie beispielsweise die überaus faszinierenden, aber komplett auf Russisch vorgetragenen Songs von Roman Rain und Ähnliches bekannt. Was den Hörer auf der Erstlingsscheibe erwartet, bietet aber leider auch keine wirklichen Überraschungen – relativ uninspiriert zocken sich Sänger Hauptmann D, Gitarrist Mr. Bunny, Bassist NooZ und Drummer Monsieur Beau durch die Tracklist, unterbrochen von der ein oder anderen Absurdität; da wäre an vorderster Front „Salesman In Me“, das einem derart bekannt vorkommt, dass man erst einmal im Booklet nachforschen muss, ob es sich um eine Coverversion handelt. Was eine Power-Metal-lastige und noch dazu ausgelutschte Melodie wie diese auf einem Industrial Rock-Album verloren hat, ist schleierhaft, aber Fakt ist, dass Cold Cold Ground sich häufiger im Ton vergreifen – wie sonst könnte man es sich erklären, dass man unter den zehn Songs keinen einzigen findet, auf den man tanzen, geschweige denn sich anderweitig bewegen will, als die Skip-Taste zu drücken?

Als wären die ziemlich lahmen Beats, aus denen man mit etwas mehr Elan durchaus mehr hätte machen können, nicht schlimm genug, trägt auch des Hauptmanns Organ nicht wirklich zur Begeisterungssteigerung bei. Lichte Momente wie im Refrain des Openers „You Will Break“, bei dem er sich zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig anhört, aber doch einen starken Wiedererkennungswert aufweist, sind leider selten – ansonsten bewegt man sich im für Industrial üblichen, leicht aggressiv dargebotenem Gesang. Ausnahmen bestätigen wie auf dieser Platte die Regel: „Warden“ wartet mit teils wirklich überzeugenden Samples auf, die sich direkt im Gehörgang einnisten, Ähnliches gilt für „DIYM“, das relativ einprägsam daherkommt.

Wirkliche Highlights kann man aber mit der Lupe suchen und auch dann ist das vergebliche Liebesmüh. Der einzige Song, der etwas heraussticht – und zwar positiv –, ist ausgerechnet die alleinige Ballade (wenn man das so nennen kann) und gleichzeitig der Rausschmeißer „Disintegrating“. Es ist ein Stück, das man eher dem Gothic Rock zuordnen könnte, wenn man es außerhalb des Industrial-Rock-Kontextes gehört hätte. Hauptmann Ds Stimme kommt schön weich durch die Boxen, auch wenn man manchmal das Gefühl nicht los wird, dass der Mann noch nicht viel Gesangspraxis besitzt. Trotzdem erfreut der Track das kalte Metallerherz, schließlich hatte man sich nach so einer Platte auf einen schlimmen Schluss gefasst gemacht.

Fazit: Fans von wirklich qualitativ hochwertigem Industrial Rock werden hier kaum ihre Freude haben. Dass die Finnen es nicht gebacken bekommen, mithilfe von Samples auch nur eine Spur von Tanzbarkeit aufkommen zu lassen, kann man sich kaum vorstellen, aber wenn man weiß, dass auch sonst keine anderweitige Stimmung aufkommen mag, wenn man „This Side Of Depravity“ anhört, dann wundert einen gar nichts mehr.

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