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Coheed And Cambria: The Color Before The Sun

Persönlicher, noch immer eigenwillig, aber auch poppiger
Wertung: 7/10
Genre: Pop Rock
Spielzeit: 47:12
Release: 16.10.2015
Label: 300 Entertainment

Space Prog war gestern, neu ist die Pop-Rock-Ausrichtung bei Coheed And Cambria, die mit „The Color Before The Sun“ neue Wege beschreiten und damit eigentlich den auch in der Vergangenheit latenten Geruch des Verquerten weiter ausbauen, dabei aber eben zugänglicher und weitaus poppiger werden. Ist es nur eine Momentaufnahme? Zumal Frontmann Sanchez so überhaupt keinen Deut um den heißen Brei labert und freimütig zugibt, dass mit dem nun vorliegenden achten Studioalbum er seine ganz persönliche aktuelle Situation abarbeitet und so zumindest inhaltlich genau in das Wespennest „bürgerliche Mitte“ sticht: Vater werden, die Angst, das Häusle zu verlieren oder aber die Gedankengänge, die einen bewegen, wenn man des Nachts durch die Gegend tapert.

Nun, das Limit nicht wegen des selbst gesteckten Limits einhalten, sondern die eigenen Ketten sprengen, das wollen Sanchez und Co. und verlassen so die Science-Fiction-Welten, womit sie in den vergangenen etwas mehr als zwanzig Jahren ihre Fans begeisterten. Und genau diese müssen sich also nicht nur mit neuen lyrischen Inhalten auseinandersetzen, sondern auch oben schon beschriebene musikalische Neuausrichtung mittragen – besser kann sich vielleicht der eine oder andere Fan der ersten Stunden nicht vor den Kopf geschlagen fühlen, zumal das sonst übliche Rush-Feeling immer mehr ausgemustert wird.

Und doch ist es ein Coheed And Cambria-Album durch und durch. Das spürt man besonders bei dem nach Sanchez' Sohn benannten „Atlas“. Ein wenig absichtlich ungeordnet kommt der Track den älteren Nummern sehr nahe und vermittelt sehr passend das aufgewühlte Innere, wenn man auf Tour geht und den Nachwuchs zurück lassen muss. Ansonsten weiß auch die proglastige Nummer „The Audience“ vollauf zu überzeugen, ist sie doch wenig eingängig und sorgt so für genügend Rotz auf diesem Longplayer.

Im Gegensatz dazu aber holen Coheed And Cambria mit „Colors“ zum popballadesken Gegenschlag aus und erschaffen einen nachdenklichem, leicht schwermütigem Touch, der aber mit seinem schönen Hoffnungsschimmer nicht alle Illusionen raubt. Mit „Ghost“ allerdings rocken sie mit einer unaufgeregten Ballade, die von den Lyrics her schon rührig ist, insgesamt aber sind die ruhigeren Nummern dann doch zu wenig, zu substanzlos. Das wird leider auch durch den poppigen Balladenschnarchnasenschluss „Peace To The Mountain“ verdeutlicht, denn hier sorgen im wesentlichen Akustikgitarre und Gesang fürs eindösende Ende.

Dann doch lieber die von einer geilen Bassspur getragene Liebeserklärung „Here To Mars“, welche sich als eingängige, kitschlose Nummer erweist, oder aber das im Grenzbereich zur Radiokost agierende „Eraser“, welches im Refrain vielleicht ein wenig bieder anmutet, allerdings trotz seiner Catchiness frech genug wirkt.

Coheed And Cambria bieten ein vielschichtiges Album, überschreiten die eigenen Grenzen und gerade Sanchez steckt dort so viel Persönlichkeit hinein, dass es fast einem Seelenstriptease gleich kommt. In der Summe eine Spur poppiger, dafür aber immer noch recht eigenwillig, auch wenn nicht alle Songs wirklich zünden. Mit „Atlas“ und „The Audience“ aber haben sie zwei Champions-League-Tracks in der Hinterhand.

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