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Clutch: Blast Tyrant - Deluxe (Re-Release)

Ein Meisterwerk im neuen Glanz und ein überflüssiger Eierkorb
Wertung: 9/10
Genre: Rock/Metal
Spielzeit: 1:34:29
Release: 06.05.2011
Label: Weathermaker Music/Soulfood

„Wenn man nicht alles selber macht...“ dachten sich wohl auch Clutch, als sie nach schlechten Erfahrungen mit Plattenfirmen 2008 kurzerhand ihr eigenes Label namens Weathermaker Music aus der Taufe hoben, um fortan bei jedem Schritt selbst Hand anzulegen. Und um ihren umfangreichen Songkatalog gefälligst auch mit dem hauseigenen Stempel im Regal zu sehen, veröffentlichten die US-Amerikaner im letzten Jahr bereits ihre Alben „Robot Hive/Exodus“ und „From Beale Street To Oblivion“ als umfangreiche Reissue-Versionen – jeweils im schicken Digipak und mit einer Live-DVD (Robot Hive) bzw. einer Live-CD (Beale Street) als Bonus-Schmankerl. Die vermutlich beliebteste LP des Quartetts war aber bisher nach wie vor nur mit viel Glück im Plattenladen oder zu horrenden Preisen bei Ebay und Sammlern zu erstehen: „Blast Tyrant“ aus dem Jahre 2004. Mit der nun erscheinenden Neuauflage des Kultalbums ändert sich das.

Auch hier hat man wieder eine CD mit Bonusmaterial beigelegt: Diesmal trägt sie den klangvollen Namen „Basket Of Eggs“ und beinhaltet Akustikversionen einiger Albumtracks sowie unveröffentlichte Aufnahmen, die teils stark nach frühen Demos für das eigentliche Album klingen. Letzteres ist natürlich unverändert geblieben und, wie schon 2004, schlicht eine großartige Rockplatte. Zwar sind auch die Nachfolgealben fast ausnahmslos Groovemonster vor dem Herrn, auf „Blast Tyrant“ kreierten Clutch aber so etwas wie eine perfekte Zusammenfassung ihres eigenwilligen Stils: Unzählige filigrane Riffs, die Tim Sult und Dan Maines vermutlich beim Aufstehen aus den Pyjamaärmeln purzeln, reihen sich hier in beispielloser Weise aneinander, während Jean Paul Gaster im Hintergrund die Kessel rührt, dass es eine helle Freude ist. Dazu lässt Neil Fallon sein Reibeisenorgan ertönen und skandiert die wohl irrwitzigsten Texte der Bandkarriere. Zum Glück findet man die lyrischen Ergüsse auch sämtlich im aufwändig gestalteten Booklet – schließlich taugen Zeilen wie „Born with a moustache and a supernova, tossed off the cliffs of Dover" oder „No thank you, that's enough for me, A little bit of Ritalin goes a long way“ auch hervorragend zur Gedichtlektüre.

Musikalisch greift das Motto „All killer, no filler“ fast schon unheimlich gut: Vom antike Mythen zitierenden Riff-Potpourri „Mercury“ über die Kultsingle „The Mob Goes Wild“ und den kompromisslosen Rocker „Promoter (Of Earthbound Causes)“ bis hin zum Ohrwurmgarant „Subtle Hustle“ und dem abschließenden Instrumental „WYSIWYG“ begeistern und beeindrucken Clutch immer und immer wieder auf konstant hohem Niveau. Bei „The Regulator“ und „Ghost“ setzt die Band zum ersten Mal in ihrer Geschichte Akustikgitarren ein, was nicht etwa in peinlichen Powerballaden, sondern in einem erstaunlich hart rockenden Blues und einem düsteren Epos mündet. Klar, es gibt einen oder zwei eher unauffällige Songs – aber schlechte oder überflüssige? Nicht hier.

Auf „Basket Of Eggs“ sieht das leider ein bisschen anders aus und wenn die Reissue durch die Bonus-Disc wesentlich teurer wäre als das Album alleine, würde das auch gehörig die Wertung drücken. Zwar sind die zehn Songs alle hörbar; man merkt ihnen den Demostatus aber zum Teil deutlich an und auch die Akustikversionen ziehen am Hörer vorbei ohne Eindruck zu hinterlassen. Vielleicht ein nettes Gimmick (das ja, wie gesagt, auch preislich nichts ausmacht), aber im Großen und Ganzen überflüssig.

So bleibt der größte Verdienst, den Clutch mit dieser Neuauflage leisten, dass es ein echtes Goldstück moderner Rockmusik endlich wieder zu vernünftigen Preisen beim Plattenhändler des Vertrauens gibt. „Blast Tyrant“ ist hart, groovy, (irr)witzig, intelligent und funky, staubtrocken und verschwitzt und fürs Wohnzimmer genauso geeignet, wie für die Harley. Da sollte nun wirklich für jeden was dabei sein.

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