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Clinging To The Trees Of A Forest Fire: Visceral

Abrissbirne in EP-Form
Wertung: 7/10
Genre: Grindcore, Doom Metal
Spielzeit: 16:02
Release: 19.07.2011
Label: Prosthetic Records

Zuerst mal muss man den Amis von Clinging To The Trees Of A Forest Fire tiefsten Dank aussprechen, weil sie sich diesmal für einen kürzeren Titel als den der letzten Platte „Songs Of Ill Hope And Desperation“ entschieden haben. Das mag geil geklungen haben, musste man Plattentitel und Bandnamen aber hintereinander schreiben, sind einem fast die Finger abgefallen. Die aktuelle, bereits seit Sommer 2011 erhältliche EP „Visceral“ gestaltet sich da schon einfacher. Zumindest was den Titel betrifft, denn musikalisch sind die Herren aus Denver, Colorado genauso schwer einzuordnen wie beim letzten Output. Der selbsternannte „funeral grind“ der Truppe kracht immer noch ordentlich durch die Boxen, die doomigen Gitarrenpassagen zwischendurch ziehen einen immer noch genauso runter – aber etwas ist anders. Es fehlt das absolut alles beherrschende Chaos, das „Songs Of Ill Hope And Desperation“ gleichzeitig so anstrengend und so verwirrend gemacht hat. Nicht, dass CTTTOAFF inzwischen einem besonders auffälligen roten Faden folgen würden, aber ein bisschen besser kann man den Sound schon nachvollziehen.

Schlug die letzte Scheibe noch mit sage und schreibe 13 Songs auf gerade mal knapp 33 Minuten zu Buche, kommen jetzt auf der EP sechs Songs auf 16 Minuten. Das nimmt sich nicht besonders viel, die Jungs auf EP-Länge zu hören ist aber gleich mal um Welten entspannter, als sich eine Grindcore-Doom-Langrille anzutun. Nicht umsonst lag „Songs Of Ill Hope And Desperation“ seinerzeit fast sechs Wochen auf meinem Schreibtisch, bis ich mich mal richtig in das akutische Schlachtfeld reingehört hatte.

Glücklicherweise kam das Trio nicht wie die Kollegen von Poison My Blood auf die wenig glorreiche Idee, den Sänger zu wechseln – bei einem Sound wie dem der Amis wäre das nahezu fatal gewesen. So kann Gitarrist und Sänger Ethan McCarthy auch weiterhin seine kranke Ein-Mann-Show am Mikro abziehen – der Mann growlt, kreischt, röhrt und brüllt, dass es eine wahre Freude ist, egal ob einem das Blut aus den Ohren oder sonstigen Körperöffnungen schießt. Dabei starten die Amis mit dem unbetitelten (wie ich unbetitelte Songs hasse) ersten Track noch sehr zahm; bis auf ein bisschen zaghaftes Geschredder wird hier nicht viel geboten, das nahtlos in den zweiten Song „Lower Than Life, High As The Sky“ übergeht, in dem Ethan dann auch richtig schön schreien kann. Ein bisschen erinnert seine Stimme streckenweise an den Heaven Shall Burn-Fronter Marcus Bischoff, nur dass man hier nicht mit deftigen Breakdowns verwöhnt, sondern zwischen doomigem Krächzen und messerscharfen Gitarren mit Doublebassgewitter unterlegt hin- und hergeschleudert wird. Was die menschlichen Stimmbänder alles aushalten, ist immer wieder faszinierend.

CTTTOAFF haben sich mal wieder Mühe gegeben, ihre Songs längenmäßig dem Grindcore anzupassen – die Hälfte der Tracks bleibt weit unter zwei Minuten zurück, beispielsweise das hektische, sich überschlagende „Biracial“, bei dem nur die zeitweise gedrosselten Gitarren dabei helfen, dass einem nicht vor lauter Geschredder schwindelig wird. Das für Bandverhältnisse fast schon überlange, finale „Asthmatic“ gibt sich dann wieder sphärischer und tendiert ein bisschen in Richtung Ambient Black Metal, um die Genreverwirrung mal komplett zu machen. Sei es wie es wolle: Clinging To The Trees Of A Forest Fire haben sich auf jeden Fall ein gutes Stück weiterentwickelt seit der letztenn Veröffentlichung und sei es nur dahingehend, dass man ihre Songs inzwischen auch hören kann, ohne seinen Schädel gegen die nächstbeste Wand schmettern zu wollen. Interessant ist die Band nach wie vor für Freunde des gepflegten, experimentellen Grind unc für alle, die überhaupt auf etwas merkwürdige Genrekombinationen stehen.

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