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Clinging To The Trees Of A Forest Fire: Songs Of Ill Hope And Desperation

Hier regiert das kontrollierte Chaos
Wertung: 7/10
Genre: Grindcore, Doom Metal
Spielzeit: 32:21
Release: 24.09.2010
Label: Prosthetic Records

Doom und Grindcore passen auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen und auf den zweiten wahrscheinlich noch viel weniger. Grindcore mit seinen schnellen, kurzen Songs und den meist völlig unverständlichen Growls oder Pig Squeals steht in krassem Kontrast zu der langsamsten aller Metal-Spielarten. Hier prallen Welten aufeinander und genauso klingt es auch: Als würden Grind-Psychopathen Doom-Monster niedermetzeln.

Dass die Band Clinging To The Trees Of A Forest Fire ihre Scheibe dann auch noch mit dem wenig lebensbejahenden Titel „Songs Of Ill Hope And Desperation“ ausstattet, lässt auf eine eher doomige Mentalität schließen, gefeuert wird hier aber aus allen Rohren. Da reihen sich mal einminütige Grindbrocken an fast sechseinhalbminütige Wechsel zwischen ohrenbetäubenden Gekreische und beinahe schwebenden Gitarrenteppichen. Das Ganze präsentiert sich, in Bands ausgedrückt, als ziemlich krude Mischung zwischen Lifelover, den mexikanischen Suicide Black Metallern Dead und Milking The Goat Machine – wem das zu anstrengend klingt, der kann sich ungefähr vorstellen, was ihn auf Platte erwartet.

Die Amis selbst bezeichnen ihr Gebräu als „funeral grind“, was ganz gut zum Stimmungsbild von „Songs Of Ill Hope And Desperation“ passt. Seit 2006 treibt die Band im Untergrund ihr Unwesen und, seien wir ehrlich, mit einer solchen Stilmischung werden sie darüber kaum hinauskommen, sondern eher ein Geheimtipp bleiben. Mit „Harmonies For Bleeding Mouths“ und der ersten Langrille „Omega Drunk On The Blood Of Alpha“ (allein der Titel verdient es, dass man sich die Band mal anhört) zwei Jahre später, wurden die ersten Fans auf sie aufmerksam – aber eben nur in ihrer Heimat und nur im Untergrund. Laut genug, um diesen Umstand zu ändern, ist die Band allemal, auch wenn man sich beim Hören der aktuellen Scheibe durchaus ein bisschen Sorgen um Sänger Ethan McCarthy machen könnte – der Mann kotzt sich im wahrsten Sinne des Wortes ordentlich aus, growlt und shoutet was das Zeug hält und gönnt sich nur wenige Pausen. Wie lange das die Stimmbänder wohl noch mitmachen?!

Der Witz an der Sache ist: Die Platte ist schneller um, als man „funeral grind“ überhaupt aussprechen kann. Für die 13 Stücke brauchen die Jungs grade mal eine knappe halbe Stunde – lediglich eine Handvoll Stücke kommen überhaupt über die Drei-Minuten-Marke. Bei so vielen Songs in so kurzer Zeit ist natürlich Präszision verlangt und dementsprechend kann man an den technischen Qualitäten der Musiker überhaupt nicht herummeckern. Hier gilt mehr denn je „Geschmäcker sind verschieden“, denn Ethans Gegrunze, unterstützt von lärmigen Drums und schreddernden Gitarren, ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Auch Songtitel wie „Teeth & Hair“ – übrigens der Opener der Scheibe, der direkt zeigt, wo der sprichwörtliche Hammer hängt – gruseln den Hörer ein wenig.

Dabei kann man sich meistens schon anhand der Titel eine recht gute Vorstellung vom Song machen: „I Walked Away From The Human Race“ beispielweise entpuppt sich als temporeicher Hassbrocken, der zwischendurch – man höre und staune – auch mal schleppend doomigen Gitarren den Vortritt lässt. „Gold Frankincense & Myth“ hingegen startet als schwerfälliger Depressive Suicide Black Metal, bevor dissonante Gitarren den Grindcore einläuten. Die Dynamik erinnert dabei zeitweise ein bissche an Deathcore, ist etwas gefälliger als der Rest der Platte, aber nichtsdestoweniger brutal. „Bouquet Of Self Pity“ setzt wieder auf doomige Gitarren und die tiefen, eingestreuten Growls des Sängers – ich persönlich vermute ja, dass er in den knapp drei Minuten des Stücks nicht mal fünf Zeilen Text vorträgt, obwohl in der letzten Minute noch einmal ordentlich draufgedroschen bzw. drauflos gekeift wird.

Sehr schön ist auch der Titel „They Smeared Shit On Their Skin So They Could Back In At Night“ – ein waschechtes Grindcore-Stück mit völlig unverständlichen, dumpf aufgenommenen Pig Squeals und rasanten Achterbahn-Gitarren. Wirklich gruselig kommt dann aber erst der Rausschmeißer „Remove The Light“ daher, der von noisigen Gitarren und abartigen Shouts eingeleitet wird, bevor man ein quengeliges Baby, Geflüster und eine selten angeschlagene Gitarre zu hören bekommt. Erst gegen Ende wird erneut richtig losgeknüppelt – sehr bizarr und nur die Band alleine weiß, was dieser Song (immerhin der längste der kompletten Platte) zu bedeuten hat.

Fazit: CTTTOAFF sind wohl eine Band, an denen nur eingefleischte Grindcore-Fans oder Menschen mit einem very open minded Musikgeschmack Gefallen finden können. Technisch versiert und musikalisch chaotisch geht die Truppe zu Werke, obwohl man ihnen zugutehalten muss, dass sie sehr wohl die heftigen Grind-Attacken mit Melodiebögen zu verbinden wissen – letztere erscheinen aber in so verschwinden geringer Zahl, dass eine 95-prozentige Grind-Platte herausgekommen ist. Wenn die Jungs den Balanceakt noch ein bisschen besser hinbekommen, verspricht der nächste Output sehr interessant zu werden.

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