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Cleaning Women: Aelita - The Queen of Mars

So greifbar wie zu gleich abgefahren
Wertung: 8/10
Genre: Experimental
Spielzeit: 42:10
Release: 24.04.2006
Label: 9:PM Records

Ich muss gestehen, dass ich nicht gerade vor Freude an die Decke sprang, als ich im ersten Moment dieses extrem grausige und trashige Cover sah: Cleaning Women? Nie davon gehört... “Aelita – The Queen Of Mars“? Moment mal, da war doch was! Dann nach dem Lesen der salopp und frech geschriebenen Presseinfo hatte ich dann auch jene Gewissheit, die ich suchte.

Aber fangen wir erst mal (so wie es sich gehört) von vorne an: “Aelita – The Queen Of Mars“ ist das bereits zweite Album des aus Helsinki stammenden Experimental-Trios um CW04 (Tero Vänttinen), CW03 (Timo Kinnunen) und CW01 (Risto Puurunen). Aber im Gegensatz zu vielen ihrer Musikerkollegen aus Finnland, gab sich die Combo nicht damit zufrieden irgendwelche „Düstersounds“ zu kreieren. Sondern suchte man sich eine ganz eigene und weniger durchschaubare Art, sich musikalisch auszudrücken. Fündig wurde man hierbei in der vielfältigen Film- und Kunstszene. Oder genauer gesagt: Man machte sich in jener Szene einen Namen damit, mit im Grunde einfachsten Mitteln die abgefahrensten Sound- und Klangkulissen zu erschaffen, die man auf der Bühne als eine Art „Live-Vertonung“ zu klassischen Stummfilmen (der zumeist expressionistisch-surrealen Gangart) wiedergab.

Ein Wort auch zu jenen „einfachen Mitteln“, mit denen die Band hantiert: Ganz im Stile der Kultcombo Einstürzende Neubauten um Blixa Bargeld, musizierte man eher weniger auf gängigen Instrumenten, sondern verwendete beispielsweise Objekte wie Wäschespinnen, Gurkendosen und Waschmaschinentrommeln, welche man mit einem sogenannten Kontaktmikrofon verband. Das klingt in der Theorie vielleicht ziemlich seltsam und irre, hört sich in der Praxis aber ungemein brillant und kraftvoll an. Damit ist aber das (komplexe) Ende der musikalischen Fahnenstange von Cleaning Women noch lange nicht erreicht: So werden neben besagten (und umfunktionierten) Haushaltsgegenständen auch stilistische Akzente und Elemente aus den Bereichen Industrial, Avantgarde-Pop, Weltmusik, Filmscore, Hardcore und Noisecore in das Gesamtkonzept mit eingewoben. Ein Crossover, der einen im ersten Moment nur mit offenem Mund zurücklässt. Aber einem dennoch schon beim ersten Hörduchlauf das Gefühl vermittelt, dass diese geballte Musikpampe das Normalste auf der Welt sei! Auch sollte nicht verschwiegen werden, dass die drei Jungs bei ihren Live-Shows (u.a. schon in Finnland, Dänemark, Russland, Portugal, Norwegen, Schweden und Deutschland) in Frauenkleidern(!) auflaufen. Tja, die spinnen, die Finnen...

Aber kommen wir nun wieder zurück zum eigentlichen Album, welches drei Jahre nach dem Debütwerk “Pulsator“ erschien: “Aelita – The Queen Of Mars“ ist die musikalische Aufarbeitung des ersten, russischen Science-Fiction Stummfilms aus dem Jahre 1924 (welcher einst von Jakov Protazanov inszeniert wurde und auf einer Novelle A. Tolstoi basiert). Jenes frühe, rare und bizarre Kunstwerk diente als Vorlage für das hier vorliegende Album. Und nicht nur das: Neben den vielen Tributen an das futuristische Filmwerk steuerte man mit dem über 6 Minuten langen Titelsong “Aelita“ einen ganz eigenen (und ungemein vielschichtigen) Soundtrack zur besagter Filmperle bei. So ist es im Grunde auch selbstverständlich, dass sich auf dem Album auch ein kleiner CD-Rom Part vorfindet, in dem es eine gut 7 Minuten lange Zusammenfassung des originalen “Aelita“-Filmes gibt, welcher mit gerade erwähnten Titelsong untermalt wurde. Und soviel sei hier auf jeden Fall verraten: Dieser „Musikclip“ ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus für Fans und Liebhaber surrealer und grotesk-anspruchsvoller Erzeugnisse...

Es ist einfach etwas ganz Neues und Mutiges, was die drei Finnen hier zu Werke gebracht haben: “Aelita“ ist auf Grund seiner vielschichtigen Klangkompositionen ungemein abwechslungsreich und virtuos ausgefallen. Kein Song ist vom Grundgerüst her wie der andere und es ist nur der puren Kunstfertigkeit der Musiker zu verdanken, wie hier eine Symbiose wie beispielsweise aus scheppernden Elektroklängen, wummernden Gitarrensolos und krächzenden Vocals so harmonisch miteinander harmoniert. Nur um einen dann sogleich im nachfolgenden Track mit eher süßlichen Popklängen (und eben solchen Gesangseinlagen) zu überraschen.

Cleaning Women´s Sound ist so greifbar wie zu gleich abgefahren. Und schafft es wirklich mit jedem neuen Hördurchlauf, sich mit seinen eingängigen Hooklines mehr und mehr in die Gehörgänge festzukrallen. “Aelita – The Queen Of Mars“ ist im Grunde kein schweres, aber dafür eben ein sehr experimentierfreudiges Werk geworden, das man nur lieben oder hassen kann. Einen gewissen Trashcharme versprüht es aber ebenso gelungen wie seinerzeit bereits die Einstürzenden Neubauten. Von daher sollten besonders jene Musikliebhaber ein Auge auf “Aelita“ werfen. Enttäuscht werden diese ebenso wenig, wie auch die anspruchsvollen Cineasten und Kunstliebhaber.

In gewisser Weise entschuldigen möchte ich mich an dieser Stelle auch noch ganz kurz dafür, dass ich bis auf den Titelsong des Albums nicht auch auf weitere Tracks des Klangwerkes eingegangen bin. Aber eine jeweilige (und entsprechend detaillierte) Analyse hätte hier definitiv den Rahmen gesprengt! Aber unbedingt selbst mal reinhören und sich in jene sphärische Welt des anarchistischen Klangexpressionismus entführen lassen...

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