Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

City Weezle: Taboo

Die Mischung funktioniert auch auf voller Distanz
Wertung: 9/10
Genre: Fusion Metal, Funk, Rock
Spielzeit: 68:21
Release: 01.09.2010
Label: Eigenproduktion

Die französisch-irisch-japanische Chaostruppe City Weezle rund um Sänger, Gitarristen und Bühnen-Jesus Simon Fleury hat schon mit ihren beiden Demos „City Weezle“ und „The Leprechaun“ ordentlich Staub aufwirbeln können, trotzdem gilt die Band noch als Geheimtipp. Höchstwahrscheinlich liegt das an der sehr kruden Mischung aus Funk, Rock, Metal und diversen verdrogt anmutenden stimmlichen Ausflügen des Sängers, die dem Hörer nicht nur eine gewisse Open Mindedness, sondern auch eine Portion Durchhaltevermögen abverlangen. Hat man sich erst einmal in den etwas bizarren Sound der Jungs reingehört, laden die meisten Stücke aber zum Partymachen ein – so auch die Songs der neuen Scheibe.

Mit „Taboo“ haben Simon, Bassist Maxime Gilbon, Drummer Ai Uchida, Gitarrist und Violinist Benjamin Violet und Gautier Serre, der Mann für’s Elektronische, endlich ihr erstes Full Length-Album zusammengeschustert. Ein gutes Dutzend Songs wartet darauf, die Menschheit zu beglücken; mit dabei sind alle fünf Stücke vom letzten Demo – aber City Weezle wären nicht City Weezle, wenn sie den Fans einfach nur vorgekaute Kost servieren würden. Zu diesem Zweck und weil man anscheinend vor unbändiger Kreativität nur so überschäumt, wurden die älteren Songs teils komplett umarrangiert, „Nimformation“ bekam gar einen Mundharmonika-Anstrich – eine clevere Marketingidee, denn so lohnt sich der Kauf beider Platten.

Der Sound ist auch nach zwei Jahren Funkstille immer noch zu hundert Prozent City Weezle, fast noch ein bisschen durchgedrehter als vorher, falls das überhaupt möglich sein sollte – Berührungsängste mit diversen Musikstilen hat die Band jedenfalls nicht. Außerdem wagen sich die Fünf des Öfteren mal über die Sieben-Minuten-Marke hinweg, was zwar bei solch komplexen Songs etwas mutig ist, aber ganz gut funktioniert.

Der Einsteiger „Hot Potato“ kommt mit der Band-typischen, funkigen Gitarre daher, bevor Simon für kurze Zeit in Faith No More-mäßigen, stakkatohaften Sprechgesang verfällt. Der Mittelteil des Songs gestaltet sich fast normal, lustige Fahrstuhlmusik erklingt, Simon schreit im Hintergrund – ein fast alltäglicher City Weezle-Song. Ganz wirr wird es dann, als der gute Mann, unterstützt von einem Chor im Hintergrund, in opernhaften Gesang verfällt, bevor gegen Ende noch mal die Gitarrenfraktion mit einem klassischen Solo loslegt.

Wer jetzt denkt, irrer geht’s nimmer, der irrt gewaltig, denn das war erst der erste Song. Bei „Cunning Linguistics“ gibt’s vornehmlich hysterisches Geschrei, das auf Dauer etwas zu anstrengend wird. „Taboo“ zeigt sich in neuem Gewand mit etwas mehr Drive und merkwürdigem „Babygeschrei“ in der zweiten Hälfte, das so klingt, als ob sich da einer der Musiker stimmlich austobt. Außerdem hat der Song durch aggressiveren Gesang einen ordentlichen Metalschlag bekommen, was insgesamt ganz gut zum Rest der Stücke passt.

Allmählich kann man hier kaum noch von einem durchgehenden Album sprechen, eher von wahnwitzigen Soundcollagen, die zusammengepappt wurden, um möglichst viel Sinn zu ergeben. „Mary Jane“ weißt dabei eine der Songstrukturen auf, die am ehesten nachzuvollziehen ist, auch wenn Simon wieder alle Register seines stimmlichen Könnens zieht – inklusive Hundegebell und sehr nasalen Gesangslinien. „El Matador“ zeigt die südländische Seite der Combo mit einer Mariachi-Einlage, bei der die Trompeten eigentümlich traurig klingen - genial!

Das typische „The Leprechaun“-Intro wurde ein wenig abgeändert und überrascht nun mit dynamischen E-Gitarren, obwohl nichts den früheren Folk-Anstrich ersetzen kann. „The Creeps“ ist bewusst einige Tonlagen tiefer gehalten, bekommt so mithilfe von toller Gitarrenarbeit einen leicht gruseligen Anstrich, obwohl es sich eher als ein „Beetlejuice“-gruselig und weniger als ein „Ich laufe nachts allein durch dunkle Gassen“-gruselig entpuppt. „Farmhouse Love“ ist zu Anfang gar nicht als solches zu erkennen, wurde aber, abgesehen von dem Intro und dem leider nicht mehr ganz so kraftvollen Refrain, nur wenig verändert und bildet einen guten Abschluss unter ein erwartungsgemäß konfus-charmantes Album.

Fazit: Man hatte so seine Zweifel, aber die Musik von City Weezle funktioniert tatsächlich auch auf der Länge eines kompletten Albums. Zwar prägen sich die doch meist sehr komplexen und wankelmütigen neuen Songs nicht so rasch ein wie zum Beispiel die „Leprechaun“-Stücke, aber ein Großteil der Tracks hat wieder einmal das Zeug zum echten Klassiker. Ob die Jungs es dieses Jahr noch nach Deutschland schaffen, ist fraglich, aber eines ist sicher: Party ist angesagt, wenn City Weezle in der Stadt sind – bei solcher Musik kann man einfach nicht stillsitzen.

comments powered by Disqus