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City Weezle: No.2

Fäkalienhumor und großartige Musiker
Wertung: 8,5/10
Genre: Funk, Rock, Crossover, Metal, Punk
Spielzeit: 55:34
Release: 01.10.2020
Label: Eigenproduktion

2020 ist ein Jahr der unfassbaren Momente. Ganze zehn Jahre ist es her, dass die Fusion-Crossover-Multikulti-Chaos-Combo City Weezle ihre erste Full-Length-Scheibe „Taboo“ veröffentlicht hat und fast genauso lange kündigt Mastermind und Teilzeitstraßenmusiker Simon Fleury schon die zweite Scheibe an. Was unterm Strich dabei heraus kam, war bislang letztlich die „Lysergik Tea Party“-EP zwei Jahre später und eine zeitweise Pause der Band. Vor einigen Wochen tauchte dann die erste Single „Captain Introspective“ quasi aus dem Nichts in den sozialen Netzwerken auf und klang, als wäre die Band nie weg gewesen. Unfassbar, wie gesagt. Und noch unfassbarer (weil nämlich doch „fassbar“) wird das ganze Spektakel, weil man jetzt als Schreiberling tatsächlich das physische zweite Album in den Händen halten kann – schlicht „No.2“ betitelt.

Das Coverwiesel, das der Band ihren Namen gibt und schon auf dem selbstbetitelten Demo aus dem Jahr 2006 durch die Straßen cruiste, hat sich jetzt zum unfassbar fies aussehenden Kellner hochgearbeitet und kredenzt einen typisch wilden Mix, den man mit viel gutem Willen und Fantasie irgendwo zwischen Queen, Primus, Faith No More und System Of A Down ansiedeln könnte, wenn man denn ausreichend Zeit hätte, zwischen der geballten Funk-Punk-Rock-Metal-Explosion über solche Nichtigkeiten nachzudenken. Wobei: Ganz so chaotisch wie man die Band schon kannte, mutet die knappe Stunde Laufzeit gar nicht mehr an. Viel Geschrei und wildes Jam-Geschwurbel gibt es zwar immer noch zuhauf, ein bisschen mehr Struktur scheint aber Einzug gehalten zu haben bei dem irisch-französisch-deutsch-japanischen Quartett.

War dem vorab veröffentlichten „Captain Introspective“ noch verhältnismäßig leicht zu folgen, wird es schon bei „The Underground In Europe“ deutlich experimenteller – Sänger Simon schwankt zwischen Freddie Mercuryesken Gesangslinien, „baby screams“ (wurde ja im Pressezettel schon angekündigt und hiermit eingehalten) und hysterischem Gekreische, während die Instrumentalfraktion sich in einem überaus spannenden Spagat zwischen Heavy-Metal-Riffing und Jahrmarktsmusik wohlzufühlen scheint. Als könnte man sich damit noch nicht überfordert genug fühlen, bauen die Herrschaften noch schnell einen fast schon todesmetallischen Part ein, bei dem gesprochener Text von wild flirrenden Gitarren untermauert wird – ähnlich hart, trotz der anfänglichen italienischen Akkordeonmusik, fällt dann „Maestro Mafioso“ aus, dessen Mittelteil sich fast schon im Old School-Punk wälzt und deutlich wütenderen Gesang beinhaltet.

Absolute Highlights auf „No.2“ sind die „City Weezle-Version eines Melvins-Songs“, wie Fleury es gerne nennt, mit dem absolut passenden Namen „She‘s A Stomper“, das mit brutalem Stakkato und teils fiesem Kreischgesang daherkommt, sowie das deutlich filigraner gestaltete, aber nicht weniger verstörende „Eskimo Pie“ (Urban Dictionary um eine Übersetzung zu bemühen, hat übrigens wenig positive Auswirkungen auf dieses beunruhigende Gefühl, das den Hörer bei der Zeile „try my eskimo pie“ überkommt…) mit seinen Klavierimprovisationen und dem, man muss es deutlich sagen, sehr ohrwurmigen Refrain.

Eine entsprechend lange Aufmerksamkeitsspanne sollte man schon sein Eigen nennen können, wenn man sich mit der Musik von City Weezle zielführend auseinandersetzen will. Bis auf die überraschend ohrwurmigen Schlenker in „Eskimo Pie“ ist auch „No.2“ nämlich nichts zum Nebenbeihören. Zwischen Funk, Rock, Metal und Punk liegt immer noch eine Überraschung auf dem Weg und sei es wie im Falle der obskuren Mahlzeit, die das Kellnerwiesel auf dem Cover darreicht, ein Häufchen – passend zum Albumtitel. Den Fäkalienhumor kann man geil finden oder nicht, begeistert darf man aber sein, wenn man die früheren Alben der Truppe mochte – City Weezle knüpfen nahezu nahtlos an ihr altes Material an und das nach einer derartig langen Schaffensphase. Respekt!

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