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City Light Thief: Shame

"Shame" wird weggehen wie warme Semmeln
Wertung: 7,5/10
Genre: Poppunk, Indie Rock
Spielzeit: 16:04
Release: 06.11.2015
Label: Midsummer Records

City Light Thief muss man bei Review Nummer vier eigentlich nicht mehr vorstellen. Das Grevenbroichener Sextett hat sich mit den Alben „Laviin“ und „Vacilando“ ebenso wie mit der „Music Of A Chance“-EP einen Platz im The-Pit.de-Archiv und eine Dauerreservierung im Plattenregal der Schreiberin verdient, die neue Scheiblette „Shame“ bietet nun wieder EP-Länge und ist mit Vinyl, Digi-Kopie und CD so ziemlich in allen hippen und unhippen Formaten kaufbar.

Große Fußstapfen haben die sechs Jungens, die zu zwei Dritteln auch am Gesang beteiligt sind, zu betreten, war doch „Vacilando“ eine unglaublich eindringliche Platte, die auch heute noch gerne in den heimischen vier Wänden rundläuft. Midsummer Records dürften den Fans aber auch diesmal die Münder wässrig gemacht haben, denn die transparent-rote Vinylversion, die limitiert auf einhundert Exemplare feilgeboten wurde, ist bereits ausverkauft, obwohl das gute Stück erst Anfang November erscheint. Produziert und beworben wurde das Scheibchen übrigens erstmals von This April Scenery-Sänger Nico Vetter, der sich tatsächlich in der Indie-Szene schon einen Namen als Reglerschieber gemacht und „Shame“ einen ordentlich transparenten Sound verpasst hat.

Auf „Shame“ wollen sich City Light Thief nach eigenen Angaben eingängiger präsentieren, was mir persönlich immer schon ein Zähneknirschen abringt. Und tatsächlich: Die vier Tracks muten im ersten Durchgang doch eine Spur poppiger an als erhofft, es herrscht viel Klargesang vor, man beträufelt sich gar ein wenig mit Kitsch. Also das Ganze noch mal von vorne und schauen, was ’bei rumkommt.

Neue Runde, neues Glück: Zu Beginn sammeln die Jungs unmittelbar Pluspunkte und das aus zwei Gründen: A) ist der Opener „Plus + Plus“ ein offenes Statement gegen die Unwegsamkeiten, die homosexuelle Paare beider Geschlechter in der deutschen Gesellschaft durchlaufen müssen, um überhaupt eine Familie gründen zu können und diese dann auch noch erkannt zu bekommen. B) kann das Intro trotz Pop-Appeal schon richtig gut überzeugen mit seinen fluffigen Samples und den Gangshouts, wobei es im Verlauf für einen Laien, der die Jungs nicht persönlich kennt und nie live gesehen hat, ein bisschen schwierig ist, die Gesänge voneinander zu unterscheiden. Geschmackssachen-Fakt ist aber: Das Geschrei klingt super, daran hat sich zum Glück gar nichts geändert. Alles in allem: Super Song, super Statement.

Bei „Wild Truth“ verhält es sich dann eher umgekehrt: Hat beim Opener der Refrain voll überzeugen können, klappt das hier auch wegen des leicht nöligen Gesanges eher weniger, dafür bilden sich einige interessante Instrumentalpassagen heraus. Man hört (und das kann hier als Pluspunkt verzeichnet werden) zwischendurch allerdings recht deutlich, dass alles live im Studio aufgenommen wurde – und das innerhalb von drei Tagen, auch das darf hier sehr positiv vermerkt werden.

Eigentlich gehört es sich ja nicht, jeden Song einzeln durchzuhecheln, aber da wir uns hier auf einer Vier-Track-EP befinden und bei City Light Thief ja grundsätzlich jeder Song zumindest spannende Passagen hat, halten wir uns mal an die Trackliste, denn „Younger You“ kann durchweg überzeugen, obwohl ich als erklärte Keyboardgegnerin beim Einsatz des Tasteninstrumentes schon schlucken muss. Weiche Gesänge mit Hintergrundgeschrei und umherschwirrende Gitarren weben hier aber ein buntes und irgendwie sehnsüchtiges Muster, bei dem man auch ein dominantes Keyboard so hinnehmen kann.

Final schicken die Sechs mit „Quick Fix“ noch einen richtig geilen Track ins Rennen, der ungleich wütender daherkommt als seine Tracklistenkumpels und allein schon mit einem hammermäßigen Instrumentalteppich punkten kann, der einfach in seiner Atmosphäre ganz stark an „Scar Tissue“ von den Red Hot Chili Peppers erinnert und höchste Gänsehaut fordert. City Light können’s also doch noch. Wunderbar.

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