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Citizen Tim: Hospital Breakfast Conversations

Ein Blick in die Lyrics ist Pflicht!
Wertung: 8,5/10
Genre: Singer/Songwriter, Acoustic
Spielzeit: 39:12
Release: 18.05.2018
Label: Midsummer Records

Fast genau zwei Jahre ist die Veröffentlichung der letzten Citizen Tim-Platte „Human Circus“ her, da gibt es mit dem wahnsinnig cool betitelten „Hospital Breakfast Conversations“ schon wieder Nachschub, diesmal sogar in Form einer Full-Length-Platte. Nicht nur bei Bandcamp und als CD ist das gute Stück zu haben, auch als limitierte, wunderschöne orange-farbene Vinyl und als weniger limitierte, aber auch coole mintgrüne – jeweils mit CD und Downloadcode versteht sich, damit auch alle Medien abgedeckt werden können.

In den zwei Jahren seit der letzten Veröffentlichung hat sich auf den ersten Blick nicht viel getan: Citizen Tim alias Marco ist immer noch im Alleingang unterwegs und bewegt sich mal auf beschwingten, mal auf deprimierenden Singer/Songwriter-Pfaden im Akustikgewand. Dabei zeigt sich der Saarländer immer bodenständig, begreift sich als Geschichtenerzähler und versucht den Hörer zu fesseln mit alltäglichen Begebenheiten, aber sicherlich auch mit Geschehnissen aus dem Touralltag – schließlich hat sich Citizen Tim nach dem EP-Release jede Menge Zeit zum Touren genommen.

Zumindest für Fans des Songwriters dürften zwei Tracks schon quasi alte Bekannte sein: Als erste Single wurde der final auf der Tracklist erscheinende „Swan Song“ auserkoren, ein Song, der von einer schön gezupften Gitarre untermalt wird, aber zu komplex ist, um sich wirklich als Ohrwurm zu etablieren. Überhaupt sieht es mit Ohrwürmern ziemlich mau aus auf „Hospital Breakfast Conversations“. Vielmehr sollte man auch hier wieder auf die Texte achten, die manchmal trotz recht fröhlich gestimmter Melodie doch einen makabren oder auch traurigen Touch haben. Ein gutes Beispiel hierfür ist sicherlich „Wedding In Boston“, das zum Ende hin einen fiesen Twist parat hat: „There's this wedding in Boston and everyone is drunk/A girl is counting flowers, she seems to be scared/She is watching the people with sweat on her forehead/She just wants to sleep because they're all gonna die.“ Wer da keinen Bock hat, tiefer in die musikalische Materie einzutauchen, dem kann man kaum noch helfen.

Ein astreines Liebeslied hat sich mit „The Vein Of This Town“ auf die Platte geschlichen; hier besingt der Saarländer seine Heimatstadt Saarbrücken, auch dieser Song wurde mit dem dazu passenden, in Saarbrücken gedrehten Video bereits veröffentlicht. Die richtigen Perlen warten aber auf der Mitte des Albums: „The Sweetest Melody On Earth“ beispielsweise, mit seiner fast zuckrigen, aber tief berührenden Melodie, die allein schon einen dicken Kloß im Hals verursacht. Allein die Vorstellung, wie das Publikum den Text mitsingt („And if you would join in, this could be the sweetest melody on earth/From our hearts, from our souls, free minded tonight“), treibt einem die Gänsehaut die Arme und Beine rauf und runter.

Das mit einem Augenzwinkern vorgetragene „Barfight“, in dem sich Marco mit einem besoffenen Anwalt in einer Bar anlegt, kann sich genauso schnell einen Platz auf der Liste der Anspieltipps sichern wie das nur knapp zweieinhalb Minuten lange, aber schon durch sein gesampeltes Intro aus der Reihe fallende „Breakfast Conversations“, bei dem die Vocals durch die dominaten Keyboardparts fast in den Hintergrund geraten.

So schön die Songs klingen mögen, ein Blick in die Lyrics ist auf jeden Fall Pflicht. Nur so erschließt sich, wie geschickt Citizen Tim nicht unbedingt traurige Melodien mit ehrlichen Texten verbindet, die dem Hörer nahegehen, ohne auch nur einmal kitschig zu werden. Damit führt der Mann nahtlos den Stil weiter, der schon auf „Human Circus“ überzeugen konnte: ehrliches Songwritertum ohne Pathos, dafür mit vielen guten Geschichten.

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