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Citizen Tim: C Is For Chaos/Control

Man wird auch mal gesellschaftskritisch
Wertung: 8,5/10
Genre: Singer/Songwriter
Spielzeit: 38:59
Release: 25.09.2020
Label: Midsummer Records

Im steten Zweijahresrhythmus hat [Citizen Tim]] bislang seine Songwriterperlen unters Volk gebracht, und auch dieses Jahr ist es wieder so weit: Mit „C Is For Chaos/Control“ erreicht uns nach „Hospital Breakfast Conversations“ wieder eine Full-Length-Scheibe des Saarbrückers, wer hier aber dem Titel nachgeht und Chaos vorzufinden gedenkt, dem sei der Zahn schnell gezogen: Gewohnt unaufgeregt und bodenständig präsentieren sich die zehn Songs, die der gute Mann erneut zuhause aufgenommen und eigenständig gemixt und gemastered hat – DIY also, veröffentlicht wird das Ganze aber natürlich wieder bei den Zuckerpuppen von Midsummer Records.

Wie schon bei den früheren Veröffentlichungen entpuppt sich auch hier das genauere Hinhören als sehr ergiebig: Seien es schräge Zeilen à la „I have a camera in the back of my head/To record all the bad ideas“ in „Control“ oder die Geschichte des melancholischen Stücks „MLN Dialog“, in dem der Musiker von seiner Großmutter Abschied zu nehmen scheint – die Songtexte sind immer mindestens ein zweites Anhören wert.

Mit dem Intro „They‘re coming to get you, Barbara“ outet sich Citizen Tim dann mal eben als „Night Of The Living Dead“-Fan, passend zum Songtitel „They Are Coming Closer“, das von einer merkwürdig fröhlichen Klaviermelodie getragen wird. Auch das hat sich mittlerweile zu einem Trademark entwickelt: Eher depressiv anmutende Texte, verbunden mit fast obszön lustigen Melodiebögen.

Da wird auch schon mal unter Einsatz von flirrenden Samples eine ganze Kaffeehauskette verarscht („And would you please make your choice right now/What kind of piss you‘d like to drink“) – für mich als Kaffeeverächter ohnehin ein Riesenspaß, schaut man sich die amoralische Politik der entsprechenden Kette aber an, kommt ein ähnlich bitterer Geschmack die Speiseröhre hoch wie beim Konsumieren der betreffenden Getränke. Somit befinden wir uns also auf gesellschaftskritischem Terrain, das der Saarländer erfreulich klischeefrei zu bearbeiten weiß.

„Harvest Season“ mit seinen sanft dahinfließenden Melodien verbreitet dann eine ordentliche Gänsehaut und kann auch nach mehreren Durchläufen seinen Status als einer der stärksten Songs der Scheibe beibehalten.

Bei Citizen Tim bekommt man was für sein Geld (eine wunderhübsche Vinyl nämlich, die hoffentlich bald eintrudelt) – clevere Songtexte, gepaart mit mal fröhlichen, mal eher nachdenklich anmutenden Melodieführungen, dieses Mal gepaart mit einigen Samples, die aber gut in das übrige Songskonstrukt verbaut werden, und vor allem: ehrliche Musik. Was wie ein Klischee anmuten mag, wird auf „C Is For Chaos/Control“ (mal wieder) Wirklichkeit. Citizen Tim verstellt sich nicht und muss auch nicht zu berühmteren Kollegen schielen, sondern etabliert sich selbständig als einer der intelligentesten Liedschreiber seines Genres.

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