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Citizen: Life In Your Glass World

Überzeugt deutlich mehr als der Vorgänger
Wertung: 8,5/10
Genre: Indie Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 37:39
Release: 26.03.2021
Label: Run For Cover Records

Bereits dreieinhalb Jahre ist es her, dass wir die letzte Citizen-Platte „As You Please“ besprochen hatten, das Album konnte damals gute, aber nicht überragende sieben Punkte einfahren. Mit „Life In Your Glass World“ veröffentlicht die Truppe aus Toledo, Ohio (der „City of Glass“ übrigens) in diesem Moment ein neues Full-Length-Album, das mit so martialischen Titeln wie „I Want To Kill You“ oder dem deprimierend anmutenden „Edge Of The World“ schon deutlich düsterer daherkommt als der Vorgänger.

Dass die Band nicht nur fröhliche Indie-Sounds parat hat, sollte inzwischen kein Geheimnis mehr sein. Scheinbar schwerelos bewegen die Musiker sich zwischen Noise, Alternative, New Wave und Electro, immer getragen von Sänger Mat Kerekes‘ erstaunlich variabler Stimme, die auch mal verzerrt durch die Lautsprecher scheppern darf („Blue Sunday“) und selbst in die tanzbarsten Songs einen melancholischen Schimmer hineinwebt – bestes Beispiel hierfür ist das treibende „Call Your Bluff“ mit dem unwiderstehlichen Refrain.

„Pedestal“ schafft es dann gar, mit seinem stampfenden Rhythmus Assoziationen an die Neunziger zu wecken, vor allem im Refrain darf eigentlich kein Fuß stillstehen, zeigen sich die Amis doch wieder von ihrer durchaus Tanzflächen-kompatiblen Seite. Überhaupt ist „Life In Your Glass World“ insgesamt ein sehr rhythmusbetontes Scheibchen geworden, bei dem man sich ebenso ordentlich auspowern wie in die Klangwelten eintauchen und entspannen kann.

Die derzeit aktuellste Single „Black And Red“ mit ihrem Synthiesturm im Intro erinnert dann stark an die eingangs erwähnte New-Wave-Phase, auch hier ziehen Citizen aber gleichzeitig den Hut vor den britischen Indiebands der Endneunziger/Anfangsnuller und präsentieren einen schwungvollen, flotten Tanzflächenfeger, der es mühelos auf die Liste der Anspieltipps schafft – gleichzeitig sollte man sich mal den Text zu Gemüte führen, der eher morbide daherkommt und eigentlich weniger zum Tanzen motiviert. Gerade dieser Spagat ist aber einer der vielen Aspekte, der die Arbeit von Citizen einfach spannend macht.

Eher überraschend kommt dann die astreine Ballade „Winter Buds“, die tatsächlich eine Gänsehaut entstehen lässt, obwohl der Gesang hier durchaus ein bisschen gewöhnungsbedürftig daherkommt – ein wunderschöner Song nichtsdestotrotz, der eine gelungene Abwechslung zum restlichen Album bietet, das auch als Gesamtpaket deutlich stärker zu überzeugen weiß als die Vorgängerveröffentlichung. Citizen sind eine Band, die scheinbar aus dem Handgelenk Schubladen herauspickt und einfach alles herauszerrt, nur um die Inhalte geschickt wieder zu vermischen. So dürfte die Band auch eine breite Fanbase abdecken, die sich einfach im Rockgenre verortet. Ob Indie, Alternative, Noise, Brit oder New Wave – hier dürfte tatsächlich jeder seine Nische finden. Chapeau!

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