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Circus Maximus: Havoc

Gutklassige Platte für Prog-Fans mit AOR-Affinität und umgekehrt
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 55:50
Release: 18.03.2016
Label: Frontiers Records S.R.L. (Soulfood)

Für all jene Musikliebhaber, die zwar auf sporadische technische Kabinettstückchen stehen, denen aber Combos wie Dream Theater und Symphony X schon immer zu anstrengend waren, bilden die um die Jahrtausendwende gegründeten Norweger von Circus Maximus (obwohl selbst als Band gestartet, die Songs vornehmlich dieser beiden Prog-Giganten coverte) eine willkommene Alternative.

Vor allem auf der letzten Scheibe „Nine“ hatte das Quintett den Frickelfaktor heruntergeschraubt und insgesamt eine deutlich poppigere Tendenz eingeschlagen. Natürlich eine Tatsache, die wiederum nicht allen Fans zusagte, auf der anderen Seite klang „Nine“ trotz gelegentlicher Cheesiness irgendwie aber doch erfrischend leichtfüßig und ungleich bodenständiger als so manch hochambitionierte, mitunter auch redundante Griffbrett-Wichs-Veröffentlichung. Auch wenn es sich so anhören mag, ist dieser kleine Seitenhieb auf die Größen der Prog-Szene, von denen ich ja selbst Fan bin, jetzt gar nicht so böse gemeint, aber leicht verdaulicher Soft-Prog, wie ihn Circus Maximus fabrizieren, kann zur Abwechslung eben auch mal ganz nett sein.

Schon vom Sound her zeigt sich schnell, dass „Havoc“ unmittelbar an die Vorgängerplatte anknüpft. Poppige Melodien mit Widerhaken stehen ganz klar im Vordergrund, ohne dass das hohe technische Niveau der Protagonisten unter den Tisch fallen würde. „The Weight“ beginnt forsch, mit einem kraftvollen Midtempo-Riff, schnell aber wird die Stimme von Frontmann Michael Eriksen in den Fokus gerückt, was insbesondere für den catchy Refrain gilt. Geht man negativ an die Angelegenheit heran, kann man diesen wieder cheesy nennen, positiv ausgedrückt handelt es sich hier um eine hübsche, schnell mitsingbare Melodie, die gute Laune verbreitet – man befindet sich also umgehend im Circus-Maximus-Wohlfühl-Kosmos.

Dass die Skandinavier dennoch Wert darauf legen, etwas Neues zu probieren und nicht auf der Stelle zu treten, beweisen sie allerdings gleich mit dem nächsten Track: „Highest Bitter“ tönt düsterer und sperriger; der Chorus ist zwar erneut recht eingängig und zweifellos toll gesungen, trotzdem ist die Grundstimmung anders als beim Opener, der Song liegt einfach etwas schwerer im Magen und zündet nicht so stark wie sein Vorgänger.

Über das folgende Titelstück (mit dreieinhalb Minuten übrigens die kürzeste Nummer des Albums) lässt sich das wohl noch deutlicher sagen: „Havoc“ war einer von gleich vier vorab vorgestellten Songs und markiert den vielleicht ungewöhnlichsten Track in der Geschichte der Band bisher. „Marilyn Manson, oder was?“, wurde da unter anderem auf YouTube gemosert und tatsächlich ist dieser Vergleich nicht so daneben, besonders, wenn man sich die Strophe anhört. Sicherlich sehr gewöhnungsbedürftig und weit von Klassikerstatus und Fanfave entfernt, aber dem Mumm, eine solch untypische Komposition auf die Scheibe zu packen und nicht nur auf Nummer sicher zu gehen, darf man schon mal Respekt zollen. Dem ebenfalls etwas sperrigen, schwermütigen „Pages“ wohnt gar eine Grunge-Schlagseite inne, wie als aufblühender Kontrast dagegen das unmittelbar anschließende „Flames“, dessen schwebender Refrain aller möglichen Klischees zum Trotz einfach zum Heulen schön geraten ist.

Die zweite Hälfte des Rundlings fällt dann eher klassisch aus. Neben „Remember“, zu dem auch ein Musikvideo gedreht wurde, sprechen hinsichtlich dessen vor allem drei Stücke jenseits der Acht-Minuten-Grenze eine deutliche Sprache, wobei „After The Fire“ mit den deutlichsten Dream-Theater-Reminiszenzen aufwartet, sprich: hier doch mal die Frickelkeule hervorgekramt wird, während „Loved Ones“ streckenweise fast epische Züge annimmt, besonders der Refrain und die bombastische Wand gegen Ende wirken wie entfesselt. Das finale, schleppende „Chivalry“ hingegen zeichnet sich durch eine stark melancholische Note aus, der mächtige Chorus überrollt einen nahezu, während die Formation am Schluss des Songs mit einer hypnotischen, über einer soliden Basstonfolge fußenden Gitarrenlinie aufwartet, die man noch tagelang vor sich hinpfeift.

Zusammengefasst gilt: Eine erneut gute Scheibe; was die Norweger besonders raus haben, ist schmachtende, große Refrains zu schreiben, dies beeindruckt wirklich sehr. Und egal, wie man zu der Entwicklung von Circus Maximus im Speziellen steht, im Allgemeinen ist es gut zu beobachten, dass sich die Truppe bemüht, Neues in ihren Sound zu integrieren. Das mag dann mal in gleich drei nicht so leicht verdaulichen Stücken resultieren, die sicher nicht die besten auf „Havoc“ geworden sind, und für meine Begriffe war „Nine“ auch noch etwas stärker einzuschätzen, dennoch handelt es sich hier um eine gutklassige Platte, die sowohl Prog-Fans mit AOR-Affinität als auch AOR-Fans mit Prog-Affinität ansprechen sollte.

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