Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Cinderella: Heartbreak Station

Ein unerreichtes Highlight, welches absolut unterbewertet ist
Wertung: 10/10
Genre: Southern Blues Country Hard Rock
Spielzeit: 53:40
Release: 21.11.1990
Label: PolyGram Records Inc.

Cinderella nahmen wirklich einen Märchenhaften Aufstieg zum Rockoylmp. Ihr erstes Album „Night Songs“ konnte zwar hauptsächlich in Amerika abräumen und ließ die Band als eher für den Hard Rock typische Band im Licht erscheinen. Das änderte sich schon mit dem von den meisten Leuten als bestes Album der Band gefeierten Album „Long Cold Winter“. Man orientierte sich deutlich blueslastiger mit kleinem Southern Rock Charakter.  Kein Wunder, entsprangen den Alben doch unvergessliche Hits wie „Nobody`s Fool“, „Shake Me“ oder der Oberhammer „Gypsy Road“. Dann kam Ende 1990 das dritte Album „Heartbreak Station“ heraus und man öffnete sich weiter und überforderte so manchen europäischen Hörer mit Saxophon, Percussion und ähnlichem. Ich muss zugeben, dass ich gerade was das Blasinstrument anging, auch sehr, sehr skeptisch war damals vor fast 19 Jahren. Doch dann wurde es Zeit, die CD endlich dem Player zum Fraße vorzuwerfen.

Der Sound ist grandios und zeitlos, denn Tom Keifer krächzt sich durch die Strophen, der Rhythmus reißt mit und macht ein stilles Sitzenbleiben absolut unmöglich. Das schon eingesetzte Saxophon von Gastmusiker Jay Davidson haut richtig rein, ohne aber störend zu wirken. Die Slide-Gitarre setzt sich in den Vordergrund, nein hier stimmt einfach alles. Man bewegt sich automatisch, der Schädel nickt mit, denn wirklich zum Headbangen ist es nicht, man singt mit und hat einen riesigen Spaß. Unglaublich, was sich die Band hier traute, wobei man sagen muss, dass nach den erfolgreichen Vorgängeralben auch das eigene Vertrauen sehr stark angestiegen zu sein scheint, aber das ist auch gut so.

Etwas unspektakulärer beginnt „Love`s Got Me Doin` Time”, welches dann aber spätestens bei dem Refrain abgeändert wird. Die markante Stimme von Tom ist schon allein den Kauf wert. Toms und Jeff LaBars Gitarren sorgen für viel Stimmung und das Ganze wird mal wieder von Blasinstrumenten zusätzlich unterstützt. Da wird mit Saxophonen und Trompeten nicht gegeizt, ohne dabei den hier typischen Cinderella-Sound mit Southern Blues Rock-Elementen aus dem Auge zu verlieren.

„Shelter Me“ ist dann irgendwo mit Country Feeling und einer unglaublich starken Vocalline gesegnet, welche einen sehr großen Gospel-Flair mit sich bringt. Natürlich wird das an den passenden Stellen von dem dreistimmigen Backgroundchor unterstützt, der hier zusätzlich ins Studio geholt wurde. Piano und Saxophon sorgen für ein für Rocker eher ungewöhnliches musikalisches, aber dennoch herausragendes Erlebnis. Ein Song mit einer schier unglaublichen Intensität.

Das klingt fast so, als ob der Höhepunkt schon vorbei wäre, aber mitnichten, „Heartbreak Station“ setzt da nochmal einen drauf. Das aber ganz anders, dieser ich würde es fast schon akustisch nennen, Song wird von seiner grundtiefen Traurigkeit geführt, ohne irgendwie kitschig zu klingen. Wer schon einmal wirklich tiefe Verluste miterleben musste, ob nun den Tod eines Verwandten, einer Freundin oder eines Freundes, oder eines geliebten Tieres, welches zur Familie gehörte, wird hier nur schwer nicht mitheulen, wenn Tom hier von seinem Liebesschmerz singt. Unheimlich gefühlvoll, wie die Gitarre mit dem zeitweise auftauchenden Klavier harmoniert. Einer der besten Schmerzsongs, die je geschrieben wurden und das, obwohl doch eher simpel gestaltet und absolut massenkompatibel.

„Sick For The Cure“ hat dann die zugegeben sehr schwere Aufgabe, den Hörer aus den schmerzlichen Tiefen seiner Gefühle zurück zu holen, welches ihm aber auch vortrefflich gelingt. Mit unheimlich viel Groove und Hummeln im Popo auch wegen der superb eingesetzten Drums, welche eigentlich wie auf dem ganzen Album viel zu sehr im Hintergrund bleiben, aber wenn man sich mal etwas stärker auf die Arbeit von Fred Coury konzentriert, merkt man erstmal, welche Schmankerl er da fast im Verborgenen eingebaut hat. Ein weiterer starker Song, der aber deutlich mehr den Spaßnerv kitzelt.

Der richtige Song zum Mitschnippen der Finger wird dann mit „One For Rock And Roll“ abgeliefert. Man stampft im weiteren Verlauf mit oder klatscht wahlweise den Rhythmus und bewegt sich im Takt. Eine sehr unauffällige Nummer mit einigem Groove. Unglaublich, wie einfach so etwas sein kann. Die Gesangsmelodie verankert sich auch recht schnell in der Hirnrinde und lässt den Hörer nicht so schnell wieder los, wenn man nicht gerade mit den Gedanken bei einem anderen Song des Albums ist.

Dann geht es ganz klar in die Western-Ecke. „Dead Man`s Road“  besticht zu Beginn mit seiner Gitarrenarbeit, bevor Tom zusammen mit dem Seiteninstrument langsam den Song weiter aufbaut, gipfelnd in einem unglaublichen Refrain. Ja wenn man es genau nimmt kann man dann sogar den  Bon Jovi-Hit „Wanted Dead Or Alive“ vergessen. Etwas weniger auf Kommerz ausgelegt, kommt man hier zwar ähnlich, aber doch irgendwie authentischer rüber, was vielleicht auch an Tom Keifers Organ liegt.

Klar, dass dann mal wieder das Tempo ein wenig angezogen werden muss. „Make Your Own Way“ lässt den Hörer Gitarrist Jeff La Bar auf einem Bein Gitarre spielend auf der Bühne herumhüpfen sehen, zumindest vor dem geistigen Auge. Starke Rock`n`Roll Nummer, die aber im Vergleich zu dem bisher Abgelieferten nicht ganz so mitreißend wirkt. Da ändert auch die perfekt eingestreute Orgelsequenz, die von niemanden Geringerem als Ken Hensley (Uriah Heep) eingespielt wurde, nichts dran.

„Electric Love“ muss dann mit dem gleichen Problem leben, dass einfach schon sechs Übersongs am Start waren. Der tolle Refrain sorgt zwar für viel Gedächtnistraining, aber insgesamt nur ein wirklich guter Song, der unter vielen Meisterwerken einfach verschüttet wurde.

„Love Gone Bad“ kann das Steuer auch nicht mehr herumreißen. Man hat das Gefühl, als ob die beiden letzten Songs Überbleibsel von „Long Cold Winter“ gewesen sein könnten.

Der abschließende Song „Winds Of Change“ erinnert stellenweise ein wenig an den Titeltrack, ohne aber diese derartige Traurigkeit mit sich zu bringen. Nein, hier ist quasi die Version, die zur Nachdenklichkeit und Betroffenheit anregt. Ein krönendes Highlight zum Ende eines, ja ich bin gewillt, es glorreichen Albums zu nennen.

Fazit: Trotz der nur wirklich guten Songs gerade zum Ende hin komme ich hier unmöglich an der Höchstwertung vorbei, dafür ist dieses Album einfach in seiner Gesamtheit ein viel zu großer Meilenstein. Und ich bin mir sicher, wenn die Band die musikalischen Freiheiten etwas später auf das Album gepackt hätte, dann wäre der Erfolg in Europa deutlich größer ausgefallen. Wie solch ein Album aber in der Masse untergehen kann, ist mir nach wie vor ein Rätsel, da tröstet dann auch ein Platz 34 in den deutschen Charts nicht wirklich.

comments powered by Disqus