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Chrom: Electroscope

Grandiose Platte
Wertung: 9/10
Genre: EBM, Future Pop
Spielzeit: 67:38
Release: 30.04.2010
Label: Out Of Line Music/Universal

Eine gute Electro-Platte erkennt man daran, dass der Rezensent zuhause in seinem Kämmerchen sitzt und trotzdem mittanzt, eine wirklich gute Scheibe daran, dass auf gängige Klischees und Schemata mehr oder weniger völlig verzichtet wird und trotzdem ein homogenes Album dabei herauskommt. Und mit homogen meine ich nicht „Alle Songs klingen gleich“, sondern eine Reihe von Stücken, die sich gegenseitig ergänzen.

Natürlich gibt es auch bei der Dürer Formation Chrom einen Sänger, dessen angenehm tiefe Stimme die Damen betören und zum Tanzen bringen soll und natürlich gibt es auch hier englische Texte, die eindeutig von einem Nicht-Muttersprachler vorgetragen werden, jedoch kann sich Sänger Christian Marquis wohl damit brüsten, der einzige EBM/Dark Electro-Vokalist zu sein, bei dem die Aussprache nicht absolut grausam klingt. Eigentlich macht er seine Sache nämlich ziemlich gut, und das nicht nur Aussprache-technisch, sondern auch gesanglich, denn – man höre und staune – richtig singen kann der Mann auch. Gar nicht mal so schlecht für einen EBM-Sänger. Zusammen mit seinem Recording-Kumpan Thomas Winters gründete er die Band 2007, die sich der Fusion aus EBM und Future Pop verschrieben hat.

Im ersten Moment mag das merkwürdig klingen, es klingt aber sehr ansprechend, da durch den – allerdings gering gehaltenen – Pop-Anteil nicht nur stumpfe Beats, sondern tatsächlich Songs entstanden sind, die man genießen kann. Dabei gibt es verschiedenste Einflüsse zu entdecken: von Blutengel über Deine Lakaien bis zum Synth-Pop der Achtziger Jahre ist alles dabei. Was dabei sehr auffällt, ist die völlige Abstinenz eines weiblichen Gegenparts zu Chris’ Gesang – ein weiterer großer Pluspunkt, der die Band aus der Masse der EBM-Bands heraushebt.

Der Opener „The Worst Day“ stellt mit seinen weich fließenden Samples direkt einen Höhepunkt der Platte dar – hörbar ein wenig von Blutengel beeinflusst, haben Chrom hier einen garantierten Dancefloor-Filler geschaffen. Im Vergleich zum folgenden „New Impression“ klingt Chris’ Stimme erstaunlich variabel und ist eine willkommene Abwechslung zu dem doch eher monotonen Geleier, das bei dieser Musikrichtung normalerweise größtenteils vorherrscht. Im Gegenteil, hier kann man tatsächlich anhand des Gesangs die Grunstimmung des Songs identifizieren.

„Morbid Mind“ wird von orientalisch anmutendem Frauengesang eingeleitet, der ein wenig klingt, als würde man ihn rückwärts abspielen – vielleicht findet hier ja jemand eine satanistische Nachricht? – und kommt wesentlich aggressiver daher als die vorherigen Stücke. Mit einem fast Harsh Electro-mäßigen Beat und verzweifeltem Gesang ist die Gänsehaut vorprogrammiert. Bei „Amused To Abuse“ darf man Sänger Chris’ lauschen, der zeigt, dass er sogar richtig singen kann und dabei starke Ähnlichkeit mit dem Sänger der britischen Indie-Rocker Editors aufweist.

Mit „Scared Tonight“ haben Chrom eine Ballade am Start, die zwar recht ruhig und poppig daherkommt, aber ein ganz eigenes interessantes Flair aufweist; dagegen gestaltet sich der People Theatre’s Crash Mix von „Salvation“ erwartungsgemäß relativ unnötig. Für den Remix von „The Worst Day“ durften die Kollegen von Blutengel nochmal ihren Senf dazugeben, aber ich bin ohnehin kein großer Freund von Remixen, daher finde ich auch diesen eher uninteressant.

Ich hatte die Hoffnung schon beinahe aufgegeben, aber auch im EBM scheint es noch Innovationen zu geben. Chrom haben es geschafft, mit „Electroscope“ eine Platte zu machen, die sofort in Kopf und Beine geht, ohne platt zu wirken. Die variable Stimme trägt einiges zur Qualität der Scheibe bei, aber auch die interessant gewählten und vor allem abwechslungsreichen Samples geben dem Ganzen das i-Tüpfelchen.

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