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chILL: In Your Spine

Kontrolliertes Chaos vom Feinsten
Wertung: 8.5/10
Genre: Alternative Metal
Spielzeit: 9:23
Release: 01.02.2010
Label: Twisted Entertainment

Die Musik der Finnen chILL als „kontrolliertes Chaos“ zu bezeichnen, wie die Myspace-Seite der Band es tut, ist eine derart perfekte Umschreibung, dass an dieser Stelle das Review eigentlich schon beendet sein könnte. Sänger Jouni Rantanen allein wäre schon ein Unikum für sich, die Gitarristen Eero Koivu und Miska Rautiainen, Bassist Helend Jantsikene und Drummer Mika Rautiainen runden das Ganze zusätzlich ab. Dass in Finnland nicht nur Menschen mit lustigen Namen leben, die noch dazu ordentlich was wegbechern können, sondern dass das Land auch noch einige brilliante Bands hervorbringt, ist hinlänglich bekannt, aber immer noch ein Phänomen. Ob´s am Wodka liegt?

Durchaus möglich, denn was chILL auf ihrer EP „In Your Spine“ fabrizieren, ist – obwohl nur auf zwei Songs hörbar, für mehr hat der Output nämlich scheinbar nicht gereicht – gelinde gesagt, ziemlich konfus. Nachdem ihr 2008er Album „Controlled Chaos“ eimerweise gute Kritiken einfuhr, hat das Quintett jetzt nachgelegt und liefert zumindest sowas wie einen klitzekleinen Appetizer aufs kommende Album. Nach dem Hören der beiden Stücke wundert man sich zumindest nicht mehr, dass die Jungs als Einflüsse Bands wie Mudvayne, System Of A Down – von denen sie definitiv die Vorliebe für etwas wirre Tempowechsel abgeschaut haben – oder KoRn nennen; von all diesen Bands haben die Finnen ein Fitzelchen in ihrer eigenen Musik untergebracht, zusätzlich können sie mit einem Sänger aufwarten, dessen Organ einen nicht zu unterschätzenden Wiedererkennungswert besitzt.

Die Laufzeit der gesamten EP schleppt sich gerade mal über die Neun-Minuten-Grenze hinaus, das ist allerdings der einzige Minuspunkt, denn musikalisch kann man an dem Finnen-Fünfer kaum etwas aussetzen. Das Intro des ersten Titels „Madluck“ erinnert ein wenig an schwedische Melodic Death Metal-Sprösslinge, nur mit etwas weniger steril-klinischem Unterton, was vermutlich am (Gott sei Dank) fehlenden Keyboard liegt. Selbiges Instrument kommt aber im späteren Verlauf des Songs durchaus einprägsam vor. Für diesen Zweck hat man extra einen Menschen engagiert, der die Tasten drückt, damit man das Instrument nicht in die Band aufnehmen muss – sehr geschickt, wie ich finde, denn finnische Keyboard-Metal-Bands gehören inzwischen nicht unbedingt mehr zum innovativsten, was die Metal-Szene zu bieten hat. Jounis Gesang kommt heiser aus den Boxen, leicht angestrengt zeitweise, aber die Emotionen kauft man ihm zu jeder Sekunde ab, speziell im Refrain mit seinem verzweifelten, fast depressiven Unterton.

Auch „Rotten Apples“ überzeugt und untermauert die Behauptung, chILL seien „definitely different“: Man hätte es vorher kaum für möglich gehalten, aber tatsächlich passt das sehr merkwürdige Gekrächze, das schwer an einen beleidigten Kobold erinnert und mit Gesang an sich fast nichts mehr zu tun hat, zu den Shoutings und dem klaren Gesang im Refrain. Mit durchschnittlich knapp viereinhalb Minuten haben die beiden Stücke genau die richtige Länge, um den Hörer beim ersten Eindruck nicht völlig zu überstrapazieren – längere musikalische Eskapaden könnten sich nämlich bei dieser Band durchaus als etwas anstrengend erweisen.

Fazit: chILL schicken sich an, die Lücke zwischen den weich gewordenen KoRn und den beinah in Vergessenheit geratenen Mudvayne mit ihrer ganz eigenen chaotischen Mischung zu schließen, und machen ihre Sache verdammt gut. Einziger Wermutstropfen: Die CD-Länge. Mehr als zwei Songs wären sicher drin gewesen, dennoch: Für Freunde des gepflegt-freakigen Alternative Metal ist diese Band definitiv ein Geheimtipp!

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