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Children Of Bodom: Relentless Reckless Forever

Auch wenn man die ein oder andere Melodie oder das ein oder andere Riff schon gehört haben mag: Songschreiberisch eine erneut starke Scheibe
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 36:20
Release: 04.03.2011
Label: Spinefarm Records

Children Of Bodom sind zurück! Drei Jahre nach ihrer letzten Platte „Blooddrunk“ haben sie mit „Relentless Reckless Forever“ ein neues Album am Start – die 2009 erschienene Scheibe „Skeletons In The Closet“ enthielt ausschließlich Coverversionen. Und viel verändert hat sich im Prinzip nicht; die Finnen waren mit ihrer Mixtur aus thrashiger Härte, Keyboardgewaber, spektakulären Soloduellen, markanten Gitarrenleads und Alexi Laihos Gekrächze schon immer eine sehr eigenständige – und mittlerweile hundertfach (meist mehr schlecht als recht) plagiierte – Band, die sich nicht wirklich in ein Genre einordnen ließ, liefen dadurch aber irgendwie auch stets Gefahr, sich selbst zu kopieren.

Aus diesem Grund könnte das Album nach einem Durchlauf sogar fast schon so etwas wie eine Enttäuschung sein, da man sich dabei erwischt, wie man feststellt, die ein oder andere Melodie oder das ein oder andere Riff schon gehört zu haben. Doch ganz ehrlich: Das ist irgendwie verzeihlich und bei dieser Art von Musik war auch nicht zu erwarten, dass die Bodomjungs mit revolutionären Innovationen ankommen würden. Und wenn man sich ein paar weitere Rotationen gegönnt hat, wird man feststellen, dass das Songwriting trotzdem gewohnt verlässlich im grünen Bereich anzusiedeln ist, wenngleich die beiden in der Diskographie herausragenden Alben „Follow The Reaper“ und „Hate Crew Deathroll“ erneut nicht erreicht werden.

Neu ist in erster Linie, dass man sich mit Matt Hyde einen neuen – und ziemlich namhaften – Produzenten ins Boot geholt hat, wobei das Management seine Finger im Spiel gehabt haben soll, denn eigentlich hat die Combo in dieser Hinsicht inzwischen schließlich selbst genug Erfahrungen gesammelt. Tatsächlich klingt die Platte etwas transparenter als der unmittelbare Vorgänger, transportiert aber immer noch den typischen COB-Sound. Des Weiteren ist es das erste Mal in der Karriere der Finnen, dass es auf einem regulären Studioalbum keinen Song gibt, bei dem das Wort „Bodom“ im Titel verwurstet wird.

Ansonsten legt das Quintett mit „Not My Funeral“ einen eher ungewöhnlichen Opener vor, da der Song doch zunächst etwas sperrig anmutet; insgesamt im Midtempo gehalten und mit ein paar Breaks und Harmonieleads ausgestattet, entpuppt sich der Track allerdings auch bald als wirklich starke Nummer und im Endeffekt ist es auch gut, dass die Band versucht, das Songwriting etwas anspruchsvoller zu gestalten.

„Shovel Knockout“ hingegen geht voll auf die Zwölf, es wird ordentlich geblastet und die Doublebass ausgepackt, dabei aber das melodische Element nicht vergessen. Das Mainriff und die Gitarrenmelodien setzen sich jedenfalls bestens fest und bei den Soli agiert man wunderbar verspielt und moduliert klasse durch die Tonarten. Insgesamt ist es eine richtig fette Nummer, die garantiert ihren Weg auf die Setlist der kommenden Konzerte finden wird.

Ein Ähnliches dürfte aber auch für das folgende „Roundtrip To Hell“ gelten, das wiederum im Midtempo gehalten ist: Allein das Intro ist absolut COB-typisch, allerdings auch absolut geil, und zwischendurch werden die ebenfalls Band-typischen „Reingröler“ eingesetzt, so dass man förmlich schon vor dem geistigen Auge sehen kann, wie bei den Livegigs die Fäuste in die Luft fliegen und „Roundtrip“ gebrüllt wird.

Alles in allem entsteht der Eindruck, dass man sich bei „Relentless Reckless Forever“ relativ häufig in mittleren Temporegionen bewegt, denn auch das seltsam betitelte „Pussyfoot Miss Suicide“ (laut Alexi geht es hier um ein Mädchen, das mit Selbstmord droht, um Aufmerksamkeit zu erlangen – zum ersten Mal scheint es also einen Text zu geben, der nicht einfach nur kompletter Schwachsinn ist), der Titelsong und das bereits als Single ausgekoppelte „Was It Worth It?“ sind in diesen Geschwindigkeitsbereichen angesiedelt. Das bedeutet allerdings nicht, dass nicht auch hier wieder saustarke Hooks und die gewohnten halsbrecherischen, technisch überragenden Soli der Gitarren- und Keyboardfraktion zu hören wären, und mit den ebenfalls tollen Kompositionen „Ugly“ und „Cry Of The Nihilist“ (eine Hommage an den Kultstreifen „The Big Lebowski“), sowie dem Rausschmeißer „Northpole Throwdown“ (auch kein schlechter Titel), welcher ganz im Sinne von „kurz und knackig“ gehalten ist, werden den Fans natürlich auch ein paar Uptempo-Kracher um die Horchlappen geschleudert.

Dennoch hat Alexi schon recht mit der Aussage, dass die Scheibe etwas rifflastiger, gleichzeitig aber melodischer als „Blooddrunk“ geworden ist. Gelungen ist sie jedenfalls allemal, wenn auch mit 36 Minuten erneut ziemlich kurz geraten. Aber lieber 36 qualitativ hochwertige Minuten als 70 qualitativ schlechte – und was die songschreiberische Qualität angeht, macht dem COB-Chef ohnehin keiner was vor. Es mag wie erwähnt sein, dass hier nicht viel Neues zu hören ist, aber man muss es erst einmal schaffen, Stücke zu schreiben, die nicht nur einfach eingängig sind und schnell reinlaufen, aber genauso schnell wieder raus, sondern die sich als tatsächliche Ohrwürmer auch richtig in den Gehirnwindungen festsetzen.

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