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Children Of Bodom: I Worship Chaos

Solide wie immer
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 44:25
Release: 02.10.2015
Label: Nuclear Blast

„I Worship Chaos“ – ein guter Titel für eine Band wie Children Of Bodom, schließlich dürfte jeder wissen, dass die Truppe dem Rock’n’Roll-Lifestyle nicht gerade abgeneigt ist und selbst für finnische Verhältnisse gigantische Massen an Alkohol zu vernichten in der Lage ist. Der Titel des inzwischen neunten regulären Studioalbums der Rabauken lässt außerdem vermuten, dass es eher rau und brachial zur Sache geht – und beim Hören bestätigt sich diese Vermutung. Bereits der Vorgänger „Halo Of Blood“ – die beste Arbeit der Band seit „Hate Crew Deathroll“ – orientierte sich beispielsweise mit dem harschen Titeltrack, der wie noch zu Debützeiten gar mit Blastbeats aufwartete, an der fernen Vergangenheit der Bodomkinder.

Jenes Stilmittel verwenden COB auch auf ihrem neuesten Output wieder, so wird beim kurzen „Horns“ mit schwarzmetallischem Anstrich zu Werke gegangen (passt ja auch ganz gut zum Songtitel) und überhaupt dominieren über die gesamte Spielzeit die Gitarren gegenüber den Tasten ganz klar. Und das ausgerechnet, wo doch der langjährige zweite Gitarrero Roope Latvala erst vor wenigen Monaten die Koffer packte und die Formation verließ – man darf spekulieren, ob dies deswegen geschah, weil er bei den Finnen schlicht durchgängig unterfordert war. Fast alle Soli wurden von Bandchef Alexi Laiho selbst gespielt, während für Roope, der ebenfalls ein exzellenter Gitarrist ist, meist nur die Rhythmusparts übrig blieben.

Wie dem auch sei, jedenfalls hat Alexi auf „I Worship Chaos“ sämtliche Gitarrensequenzen im Alleingang eingespielt, denn ein neuer Zweitgitarrist wurde noch nicht gefunden, live hilft vorerst Antti Wirman, der Bruder des Keyboarders Janne, an der Klampfe aus. Dass es in diesem Bereich nichts zu meckern gibt, dürfte klar sein, wie überhaupt an der technisch-handwerklichen Komponente, denn da sind die Jungs nun mal hervorragend ausgebildet.

Und auch ansonsten gibt es nicht allzu viele Haare in der Suppe zu monieren. Man kann bei fast jedem Review zu dieser Band die gleichen Aussagen gebetsmühlenartig hervorkramen: Sehr solide und ordentlich, aber nicht wirklich innovativ. Letzteres wollen Alexi und Co. ja auch gar nicht sein, es geht halt schlicht darum, mit unterhaltsamer, kurzweiliger Mucke eine gute Zeit zu haben und Ärsche zu treten. Und so schmunzelt man schon beim Opener „I Hurt“, der so typisch COB ist, wie COB nur sein können: crunchy Klampfen, Nackenbrecher-Riffs, eine flotte Strophe und im Refrain etwas gebremster, dafür aber umso hymnischer. Nur die Soli fehlen hier noch.

Mit „My Bodom (I Am The Only One)“ liegt anschließend gleich der unverzichtbare Song mit dem Wort „Bodom“ im Titel vor und obwohl hier sehr schön zwischen Groove und Geschwindigkeit gewechselt und der supersimple Refrain live bestimmt mächtig zünden wird (die Powerfäuste bei den „I am the only one!“-Shouts erscheinen praktisch automatisch vor dem geistigen Auge), beschleicht einen auch hier das Gefühl, dass man so manche Wendung auf früheren Alben schon mal gehört hat. Aber ganz ehrlich: Scheiß drauf, Bock bringt’s immer noch!

Zumal es danach mit dem treibenden „Morrigan“ einen richtig geilen Midtempo-Kracher auf die Mütze gibt – wenig verwunderlich, dass das (seit neuestem) Quartett sich entschloss, das Stück als Single auszukoppeln. Auch der rasante Titeltrack und die ebenfalls mächtig Dampf machenden „Hold Your Tongue“ sowie das finale „Widdershins“ (wieder ein Songtitel, der gut zum „Chaos-Konzept“ passt) machen Lust auf mehr und dürften live mit Sicherheit kräftig für Alarm sorgen.

Dennoch sind Children Of Bodom nicht selten dann am besten, wenn sie ein bisschen aus der Hohes-Tempo-Aggro-Schiene ausbrechen und es etwas ruhiger angehen. So sorgt das schleppende „Prayer For The Afflicted“ mit den atmosphärischen Synthies und der sich fix festsetzenden Mainmelodie für Gänsehautmomente. Natürlich fühlt man sich einmal mehr an „Angels Don’t Kill“ erinnert, trotzdem handelt es sich zweifellos um eine der stärksten Kompositionen der Scheibe. Allerdings steht das ebenfalls größtenteils getragene „All For Nothing“ dem in nichts nach, hier experimentiert Alexi ein bisschen mit den Vocals und klingt wie ein Schwerstasthmatiker – ebenso verstörend wie auch cool gemacht, und das grandiose Keyboard-/Gitarrensoloduell in der sich toll aufbauenden Nummer sorgt für ein fettes Grinsen in der Visage.

Erneut darf man als Gesamtfazit ziehen: Es gibt wenig Neues, aber das wenige ist sehr gut eingebracht, sprich: die untypischen Tracks sind so ziemlich die besten. Der Rest ist solide und macht irgendwo Spaß, auch wenn die Zeiten, wo die Jungs auf ihren Alben ausschließlich Ohrwürmer zu bieten hatten (eben „Hate Crew Deathroll“ und „Follow The Reaper“), längst vorbei sind. Trotzdem eine ordentliche Platte, die man sich gerne öfters anhören kann.

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