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Children Of Bodom: Hexed

Gelungenes zehntes Studioalbum, das die Band in starker Form zeigt
Wertung: 8,5/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 44:44
Release: 08.03.2019
Label: Nuclear Blast

Über 20 Jahre sind Children Of Bodom mittlerweile im Geschäft – dabei wird Frontmann, Leadgitarrist und Songwriter Alexi Laiho in diesem Jahr erst 40 und die anderen Bandmitglieder befinden sich alle in etwa demselben Alter. Eine beispiellose Karriere also, die mit dem kurz und knackig betitelten „Hexed“ ihr nunmehr zehntes reguläres Studioalbum hervorbringt. Anlässlich eines solchen Jubiläums kann man sich schon mal Gedanken über das bisherige Leben auf Tour machen, diesen ewigen Kreislauf, der sich laut Alexi so verselbständigt, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, „was zur Hölle eigentlich abgeht“.

Doch wenn ein Alexi Laiho sich ernsthafte Gedanken um das Tribut fordernde Tourleben und ausufernden Alkoholismus macht – muss man dann besorgt sein? Sollte der Kerl inzwischen tatsächlich so etwas wie erwachsen geworden sein? Was die musikalische Qualität angeht, können die Fans jedenfalls aufatmen: „Hexed“ ist ein verdammt starkes und spielfreudiges Album geworden, das den – zwar keinesfalls schlechten, aber in der gesamten Discographie sicher nicht hervorstechenden – Vorgänger „I Worship Chaos“ (bei dem im Nachhinein eine Wertung von 7 bis 7,5 Punkten wohl ausgereicht hätte) klar in die Tasche steckt.

Der Opener „This Road“, in welchem das angesprochene Thema zum Zuge kommt, dürfte den wohl besten COB-Song seit mindestens einer Dekade darstellen: Trotz etlicher geschickter harmonischer Modulationen und Rhythmuswechsel beherrschen die Finnen die Kunst, die Nummer nicht sperrig, sondern aus einem Guss erscheinen zu lassen – hinzu kommt ein großartiger Refrain und on top eine dermaßen fantastische Gitarrenarbeit (jede Menge Flageoletts), dass man selbst als gestandener Fan, der schließlich weiß, was diese Herrschaften handwerklich auf dem Kasten haben, Bauklötze staunt.

Inzwischen ist die Formation allerdings auch wieder zum Quintett aufgestockt worden: Ex-Norther-Klampfer Daniel Freyberg hat die vakante Position des Zweitgitarristen gefüllt, nachdem Laiho auf „I Worship Chaos“ noch alle Gitarrenspuren alleine einspielte. Offensichtlich haben sich die beiden Axtschwinger zu Höchstleistungen angestachelt, denn die Gitarrenarbeit ist so detailverliebt und atemberaubend wie lange nicht – doch auch Keyboarder Janne Wirman überzeugt einmal mehr mit spektakulären Soli und Duellen mit der Sechssaiter-Fraktion.

Insgesamt sind trotz nun wieder doppelter Gitarrenpower die Tasten etwas prominenter als zuletzt und auch das Songwriting ein wenig gezügelter und weniger roh und Black-Metal-affin – man tendiert wieder zu mehr Catchiness wie zu Anfang der Nuller Jahre, ohne die nötige Härte und Aggressivität vermissen zu lassen. So wird beim superben „Under Grass And Clover“ eine wunderbar eingängige Melodie mit fast durchgehend rasender Doublebass zu einer neuen flotten 1A Live-Hymne fusioniert.

Auch bei „Kick In The Spleen“ handelt es sich dem Titel gerecht werdend um einen amtlichen Uptempo-Rundumschlag, bei dem die Drums kräftig nach vorne preschen, trotz allen Geknüppels aber noch problemlos Platz für eine wilde Soloachterbahnfahrt gefunden wurde, während der Titeltrack thrashiges Riffing, Band-typische Gangshouts im Chorus und Stratovarius-artige Keyboardläufe kombiniert und somit ebenfalls einen heißen Kandidaten für die Setlist der nächsten Tour abgibt. Ungewöhnlich, aber sehr cool hier auch das Synthie-Outro.

Gar einen künftigen Klassiker könnte der mit leichten Gothic-Vibes versehene Stampfer „Hecate’s Nightmare“ markieren – auch dieses Stück verbreitet mit seinen quietschenden Zakk Wylde-Gitarren und dem Gruselfilm-Assoziationen hervorrufenden Music-Box-Keyboard-Intro viel Laune und Alexi hat sicher nicht Unrecht, wenn er meint, das Stück hätte auch auf einer Achtziger-Ozzy Osbourne-Scheibe stehen können. Sehr originell!

Es verblüfft in nicht unerheblichem Maß, in welch starker Form sich Children Of Bodom präsentieren, als hätten sie angesichts dessen, dass sie mit dem zehnten Album ein kleines Jubiläum feiern dürfen, besonders viel aus sich herausgekitzelt, zumal mit dem düster-getragenen, nahezu erhabenen „Soon Departed“ und dem auf einer supereingängigen Keyboardmelodie basierenden „Platitudes And Barren Words“ zwei weitere ebenso erstklassige wie unterschiedliche Hits zu Buche stehen. Der Rest muss sich allerdings nicht verstecken, einen eindeutigen Ausfall gibt es definitiv nicht zu beklagen. Ganz im Gegenteil gehört „Hexed“ zu den besten Alben des Fünfers seit langem – spielfreudig, abwechslungsreich und zudem von Mikko Karmilla exzellent produziert. Man vergleiche allein den Sound der neu aufgenommenen „Knuckleduster“-Version und dem der auf der „Trashed, Lost & Strungout“-EP von 2004…

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