Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Chevelle: NIRATIAS

Chevelle zeigen sich wieder auf hohem Niveau
Wertung: 8,5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 50:43
Release: 05.03.2021
Label: Sony Music Entertainment/Epic Records

Was 1995 als Zusammenschluss dreier musikverliebter Brüder anfing, hat sich mittlerweile zu einer der am meisten unterschätzten US-Alternative-Rock-Bands gemausert. Mit Sänger/Gitarrist Pete und Drummer Sam Loeffler sind nur noch zwei der Gründungsmitglieder übrig, die sich für Studioaufnahmen und Liveauftritte immer mal neue Musiker ins Boot holen – so lässt sich denn auch zumindest teilweise erklären, wieso sich die Jungs zwischen dem letzten Output „The North Corridor“ und dem aktuellsten Output „NIRATIAS“ knackige fünf Jahre Zeit lassen konnten.

Wer Chevelle schon eine Weile verfolgt, kommt selbst als Fan nicht umhin, die Stimme des Sängers Pete Loeffler doch gelegentlich als sehr gewöhnungsbedürftig zu bezeichnen, aber ein breites stimmliches Spektrum kann man dem Man nicht absprechen. Da wird dann zwischen Klargesang und Shouts auch mal gequietscht, was aber interessanterweise in den meisten Fällen erstaunlich gut zu den Songs passt. Ebenso wie die oftmals kryptischen Titel, die sich auf dem aktuellen Album „NIRATIAS“ (steht für „Nothing Is Real And This Is A Simulation“, was auch schon wieder abgefahren genug ist) unter der Astronomie/Science-Fiction-Thematik zur Genüge tummeln: Mit dem brachialen Intro „Verruckt“ huldigen die Amis mal schnell der deutschen Sprache, das etwas schräge „Peach“ scheint dann thematisch wie auch musikalisch erst mal so gar nicht zu passen und der heavy Brecher „Mars Simula“ könnte auch gut und gerne der Titel eines Sci-Fi-Romans der alten Schule darstellen.

Im Gegensatz zum Vorgänger „The North Corridor“, von dem leider auch fünf Jahre nach Erscheinen nicht besonders viel hängen geblieben ist, konnte das Duo sich mit der ersten Single „Self Destructor“ gleich einen Platz in der persönlichen Anspieltippliste sichern; seit der Veröffentlichung im World Wide Web vor zwei Monaten läuft der Song mindestens einmal täglich in der heimischen Anlage, und sei es nur wegen der großartig groovenden Gitarren und des genialen Refrains. Überhaupt ist der Track ein nahezu perfekter Chevelle-Song mit abwechslungsreichen Vocals und eingestreuten härteren Passagen.

Berauschende Gitarren bahnen sich dann in „Piistol Star (Gravity Heals)“ (tatsächlich mit zwei „i“ geschrieben, um die Kauzigkeit der Band nochmals zu unterstreichen) ihren Weg durch wabernde Klangwelten, die es irgendwie schaffen, auch ohne übermäßigen Hall sphärisch zu wirken und die die Weltall-Thematik der Scheibe nur noch unterstützen; das wummernde „Endlessly“ kommt dann dem am nächsten was Chevelle unter einer Ballade verstehen, wobei hier einmal der streckenweise recht nölige Gesang des Fronters seinen Tribut zollt.

Auch wenn „Remember When“ seinem Titel gemäß deutlich an frühere Chevelle-Platten erinnert, so ist es doch ein Track wie das fast schon sludgige „Ghost And Razor“, der eher im Gedächtnis bleibt; kantig, räudig und ein bisschen vertrackt dürfen die Jungs hier mal ihre progressivere Seite ausleben.

Zumindest auf „NIRATIAS“ scheint es die Band nicht zu grämen, dass sie derzeit nur noch als Duo fungiert; neben einigen wahren Perlen hat die Platte auch eine Handvoll schwerer zugängliche, aber nichtsdestotrotz spannende Tracks zu bieten, die zum Teil wieder stark den Sound der älteren Scheiben einfangen. Chevelle sind aber hierzulande weiter recht unbekannt und dürften weiterhin den Status des etwas kauzigen Onkels innehaben, der zwar zu Familienfeiern eingeladen wird, dann aber hauptsächlich schräge Geschichten erzählt. Ich sage: Wenn sie spannend sind, lasst ihn erzählen.

comments powered by Disqus

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin