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Chelsea: Anthology Vol. 2

Hier herrscht der Achtziger-Kitsch
keine Wertung
Genre: Punkrock, Hard Rock
Spielzeit: 110:00
Release: 15.04.2016
Label: Westworld Recordings

40 Jahre Bandgeschichte, natürlich mit wechselnder Besetzung – trotzdem, das muss man erstmal schaffen. Zum Geburtstag beschenken die britischen Punkveteranen Chelsea sich und die mit gealterten Fans mit drei Drei-CD-Compilations, die einen Großteil des Backkatalogs der Truppe umfassen und mit Demo- und Bonustracks ausgestattet sind. Für Fans der Band ein Muss, für Fans des Genres sowieso, hat die Band doch zumindest in ihrer Heimat den Punk seit ihrem Gründungsjahr 1976 maßgeblich mitgeprägt. Bereits auf der ersten „Anthology“-Ausgabe konnte man nachverfolgen, wie die Herren bereits nach nur einem Album ihren ganz eigenen Sound kreiert und gefunden hatten, auf „Anthology Vol. 2“ steigen wir mit „Original Sinners“ im Jahr 1985 ein, klettern dann über „Rocks Off“ ins schicksalsschwangere Jahr 1986 und machen mit „Underwraps“ einen kleinen Sprung zum Ende des Jahrzehnts.

Bereits der „Original Sinners“-Opener „Two More Hours“ zeigt Chelsea in aggressiv-düsterer Stimmung, Sänger Gene October singt sich recht heiser durch den Track – ein cooles Stück, das hörbar in den Achtzigern verwurzelt ist. Übrigens ist nur Sänger Gene noch vom Original-Line-Up übrig – ein gewisser Herr namens Billy Idol begründete die Band mit, machte sich aber noch vor jeglicher Veröffentlichung aus dem Staub, um die Truppe Generation X auf die Beine zu stellen.

Auch Punkbands kamen anno 1985 nicht um Balladen herum, mit „Monica, Monica“ haben sich Chelsea da nicht ausgenommen. Dass man sich hier nicht mit Ruhm bekleckert, war vorauszusehen, also schnell zum recht psychedelischen „Valium Mother“ geskippt und sich über den leicht verstrahlten Touch gewundert. „Believe Me“ wird dann von einer recht hysterischen Mundharmonika eingeleitet, rockig lässt man den Song hier vorausrollen, soviel zum Thema „Die Band hat ihren Stil gefunden“. Allerdings steht den Londoner Jungs dieses leichte Countryrock-Feeling ganz gut, auch das finale „Amazing Adventures“ lässt sich ganz gewiss nicht dem Punkrock zuordnen, hier ist man vor dem Hintergrund des ursprünglichen Line-Ups eher an Billy Idol erinnert.

„Rocks Off“ startet dann erschreckend ruhig mit „Fool’s Paradise“, der Sound ist im Vergleich zum Vorgänger wesentlich dumpfer, man befindet sich jetzt eher im Achtziger-Kitsch. Bleibt nur zu hoffen, dass der Rest der Platte nicht ähnlich ausfällt, sonst kann man den Punk-Stempel gleich von der Platte herunter ätzen. Tatsächlich tendiert „Hard-Up Baby“ mit seinem beschwingten Piano eher in die Rock’n’Roll- und Rockabilly-Richtung, wobei das nicht allzu schlecht klingt und sich zumindest besser ausnimmt als die vorherige Kitschattacke. Bei den Aufnahmen zum Album müssen jedenfalls ganz besondere Drogen im Spiel gewesen sein: „Inside Out“ klingt wie ein völlig bekifftes Weihnachtslied, während auch bei „You And Me“ in schlechtester Achtziger-Manier wieder auf die Tränendrüse gedrückt wird, die sich mittlerweile beleidigt ins Hirn-Innere zurückgezogen hat und dort auf echte Emotionen wartet. Positiv zu vermerken wäre dann aber noch das finale Rolling Stones-Cover, mit „Sympathy For The Devil“ haben sich Chelsea da einen super Track herausgesucht und setzen diesen auch ordentlich um.

Einen Versuch haben die Jungs noch: „Underwraps“ strebt schon den Neunzigern entgegen und startet mit „Somebody Got Murdered“ schon mal recht vielversprechend, auch wenn hier auf ein wenig zu viel Hall und einen zu dünnen Sound gesetzt wird. „Nice Girls“ rettet dann wieder ein bisschen die Punkehre, anscheinend haben die Briten nochmal die Kurve gekriegt – allerdings kann man sich da nicht allzu lange in Sicherheit wiegen, denn „Fool“ schießt mit läppischem Echo-Refrain wieder den Vogel ab und kann nur mit einen lässigen Bass punkten. Schade, denn insgesamt hat die „Anthology Vol. 2“ weit weniger zu bieten als noch der erste Teil der Sammlung. Viel Kitsch hat sich angesammelt, Chelsea wagen einige Experimente, die nicht unbedingt hätten sein müssen. Vol. 3 liegt schon zum Anhören bereit, man darf gespannt sein…

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