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Chelsea: Anthology Vol. 1

Die Punks scheinen ab 1982 zu sich selbst gefunden zu haben
keine Wertung
Genre: Punkrock
Spielzeit: 149:50
Release: 15.04.2016
Label: Westworld Recordings

Der Name Chelsea dürfte nicht nur Fußballfans ein ernstes Nicken entlocken, sondern auch Fans der Punkbewegung, hat die Londoner Truppe doch bereits 1976 den rotzigen Musikstil in ihrer Heimat und darüber hinaus verbreitet. Mit „Anthology Vol. 1-3“ sind jetzt zum 40. Geburtstag der Band drei CD-Pakete auf dem Markt, mit denen ein Gutteil der Diskografie abgedeckt wird: Vom Debütalbum „Chelsea“ aus dem Jahr 1979 bis zum 2005er Output „Faster, Cheaper And Better Looking“. Im Jahr 2015 wurde mit „Saturday Night Saturday Morning“ erneut ein Album herausgebracht, dieses ist auf der Albensammlung aber nicht berücksichtigt.

Vol. 1 der Anthologie beinhaltet nun also die drei Alben „Chelsea“ (1979), „Alternative Hits“ (1980) und „Evacuate“ (1982) – alle Songs haben also schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, der Zahn der Zeit konnte den Tracks aber nahezu nichts anhaben. Frisch und zum Teil recht melodisch, aber immer mit Punkattitüde kommen die insgesamt 48 Songs daher, man mag stellenweise gar nicht glauben, dass hier tatsächlich schon beinahe 40 Jahre seit den Aufnahmen ins Land gezogen sind. Lediglich der teils etwas undynamische und flache Sound lässt erkennen, dass man es hier nicht mit einer modernen Produktion zu tun hat – andererseits könnte sich hier aber auch eine neue Old-School-Punk-Combo ausgetobt haben.

Bereits im ersten Drittel finden sich mit dem Opener „I’m On Fire“ und „Your Toy“ flotte Nummern, die zwar die Aggressivität einiger anderer Punkbands aus der Zeit vermissen lassen, die aber andererseits ziemlich tanzbar daherkommen und auch textlich voll im Punk verwurzelt sind. Ein „Many Rivers“ fällt da schon eher aus dem Rahmen und das auch nicht unbedingt positiv, wird hier doch mit jeder Menge Pathos aufgeschlagen – ein Glück kann man sich davon beim „Alternative Hits“-Einstieg „No Escape“ wieder erholen, wo wesentlich düsterer zu Werke gegangen wird, auch „Urban Kids“ widmet sich dann eher dem Eskapismus; Resignation und Zorn gegen das Establishment sind hier schon eher spürbar als noch auf der ersten Scheibe.

„No One’s Coming Outside“ erinnert dann gleich ein bisschen an die guten alten Ramones, ordentlich Hall auf dem Gesang bestätigt den Eindruck noch, insgesamt wirkt die „Alternative Hits“-Platte der Band wesentlich gusseiserner als noch der Erstling. „Evacuate“ startet dann gleich recht überraschend, kann man beim Titelsong doch gitarrenmäßig leichte Countryanleihen erkennen, der restliche Song darf aber gut und gerne als reinrassiger Punkrocker durchgehen. Mittlerweile befinden wir uns im Jahr 1982 und Chelsea scheinen ihren Stil gefunden zu haben, ohne allerdings ganz von kleinen Experimenten zu lassen; so mutet das hypnotische „Tribal Song“ stellenweise an wie eine Mischung aus New Wave und Faith And The Muse. „Last Drink“ versprüht dann noch einen richtig traurigen Vibe, man kann sich richtig vorstellen, wie sich die Herren morgens um vier nach mehreren Bieren in den Armen liegen und mitgrölen.

Der erste Teil der Jahrzehnte umspannenden Chelsea-Songsammlung kann sich bereits sehen lassen: Weiß das erste Album noch nicht so recht zu überzeugen, kann man bereits ab „Alternative Hits“ mit Fug und Recht behaupten, dass Chelsea (obwohl in Deutschland augenscheinlich schmählich unbekannt) sich einen großen Namen in der Punkszene machen werden. Eine Wertung wird hier nicht abgegeben, handelt es sich doch um keine neuen Releases. Wer die Band gut kennt, der freue sich auf Vol. 2 und 3 – wer die Band bisher nur als Randerscheinung auf dem Schirm hatte, der darf nun entdecken, wie der Sound der Truppe sich über die Jahre verändert hat.

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