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CHAEDRIST: Chaotheosis

Textlich teils zu abgehoben, musikalisch ein Schlag ins Gesicht
Wertung: 8,5/10
Genre: Black Metal, (Melodic) Death Metal, Extreme Metal
Spielzeit: 40:14
Release: 05.04.2019
Label: Eigenproduktion

Lang ist‘s her in der kurzlebigen Welt von heute: Bereits vor mehr als vier Jahren haben die Herrschaften von CHAEDRIST ihr Debüt „Grandevality“ auf den Markt gebracht, die Mischung aus Extreme Metal, Black und Death konnte gleich überzeugen und brachte der Truppe immerhin saftige acht Punkte und einen Platz im musikalischen Gedächtnis der Schreiberin dieser Zeilen ein. Klar, dass auch das neuste Werk „Chaotheosis“ wieder rezensiert werden soll – stilistisch hat sich wenig verändert, auf einen konzeptionellen Rahmen haben die Jungs verzichtet, multilingual sind sie aber auch dieses Mal wieder unterwegs. Allerdings hat das Hirn aus der damaligen Uhrzeit gelernt und lässt den Vormittag etwas später werden, statt sich gleich aus dem Tiefschlaf ins musikalische Chaos zu stürzen.

Der Opener „Vastitas Mvndi (Intro)“ bestimmt gleich mal den Spaßpegel für die folgenden vierzig Minuten: „Nichts vermögen die Menschen gegen die Leere der Welt“ – ein sonniges Gemüt haben die Musiker, das muss man ihnen schon lassen. Wer sich hier noch keinen Strick genommen hat, wird aber zumindest mit dem ziemlich deftigen „Saeliclîche Vinsterheit“ belohnt, das schon mit den sägenden Hornissen-Gitarren punktet und im Verlauf vor allem durch kämpferisch-treibende Drums und wunderbar fies keifende Vocals überzeugen kann; schade nur, dass durch die gesprochenen Passagen der Dampf so heftig herausgenommen wird. Zwischendurch bewegen sich CHAEDRIST für meinen Geschmack vor allem textlich in etwas überhöhten Sphären, was man aber hauptsächlich dann mitbekommen mag, wenn man nebenher die Texte studiert – verstehen kann man bei dem apokalyptischen Geschrei ja doch eher selten etwas und Abrissbirnen wie „Chaedran Cult“ wecken auch erst mal gar nicht das Verlangen, sich inhaltlich mit dem Track zu beschäftigen.

Überhaupt sind CHAEDRIST immer dann am stärksten, wenn sie besonders wütend klingen. „Lichtdurchflutet“ bildet da einen dramatischen Höhepunkt, bei dem nicht mal die ausufernden Gitarrenparts stören, sondern sich vielmehr perfekt ins zornig surrende Gesamtbild einfügen. Selbst nach einem kurzen melodischen Intermezzo malträtiert Steff seine Stimmbänder und Lungenflügel weiterhin, als wäre nichts gewesen und schwingt sich mit den stampfenden Instrumentalisten im Hintergrund zu wahnsinnigen Sphären auf. Ohnehin ist Wahnsinn ein Element, das man unbedingt mit einberechnen sollte, wenn man sich die Songs der Bayern zu Gemüte führt.

Bedrohlich dann die tiefen Growls bei „Mad Creatress“, da kann der Körper einfach nicht in Ruhe bleiben, unwillkürlich headbangt man ein bisschen mit, deutlich flotter und dynamischer kommt dann ein Song wie „Beruset Av Hat“ („Von Hass berauscht“) in all seinem misanthropischen Glanz daher. Mit dem fast beschaulich betitelten „Waidmannssang“ führen CHAEDRIST den Hörer dann nochmals in die Irre, gehört der Track doch zum brutalsten, was auf „Chaotheosis“ zu finden ist.

Problemlos wird sich die neue Scheibe in den noch recht schmalen Backkatalog der Münchner einreihen – gut bis sehr gut gespielter Black und Death Metal treffen hier auf Texte in verschiedenen Sprachen und einen beständig variablen Sänger, was eine absolut explosive und brutale Kombination ergibt. Ganz oben aufs Treppchen können CHAEDRIST es noch nicht schaffen, zu viel Druck wird teilweise aus wirklich bestialischen Passagen durch melodische Einsprengsel herausgenommen. Das mag oftmals funktionieren, ist aber nicht immer der Weisheit letzter Schluss. So pendeln sich die Herren dieses Mal bei 8,5 starken Zählern ein.

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