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Cephyrius: Zerbrochen

Auf den ersten Blick bekannt, auf den zweiten interessant
Wertung: 7.5/10
Genre: Gothic Metal
Spielzeit: 53:11
Release: 19.01.2009
Label: Eigenproduktion

Gothic Metal mit melodischem Frauengesang, dann und wann durch düstere Growls unterlegt – Bands, die sich dieser Sparte Musik widmen, müssen sich früher oder später dem Vergleich zu Elis stellen. Und wie immer bei solchen Vergleichen ist es für aufstrebende Bands bereits ein großer Erfolg, ihn mit dem Urteil „ähnlich, aber durchaus anders“ abzuschließen; denn ein solches Urteil bescheinigt musikalische Qualität, die durch Eigenständigkeit erreicht wird.

Ein solches Urteil könnte man auch bei der Hamburger Band Cephyrius fällen. Im ersten Moment kann man sie eindeutig in die Nähe der liechtensteinischen Melodiker setzen – die Stimme von Sängerin Katja Augenblick sowie die Riffstrukturen, z.B. bei „Spieglein, Spieglein“ lassen einen solchen Vergleich mehr als zu. Doch schon kurz nach dem ersten Eindruck beginnt der Vergleich zu schwächeln – was im Soundbild der Songs von Cephyrius im ersten Moment etwas seltsam wirken mag, entpuppt sich schon bald als progressiv anmutendes Spiel mit sich auf den Gesang abstimmender Rhythmik.

Es ist in der Tat etwas, worauf man sich einlassen muss – schnelle Rhythmuswechsel, die zumeist auch mit Umpolungen der Melodik einhergehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Song „Seelenscherben“, der von (in sich schon unterschiedlichen) Polka-Rhythmen und schnellen Double-Bass-Parts in den Strophen abrupt in den eher schleppenden Beat des Refrains wechselt, während sich die die Sängerin quasi parallel von einer reduzierten Gesangslinie mit geringem Tonumfang zum gesanglich melodischeren, abwechslungsreicheren Refrain vorarbeitet.

Während Katja Augenblick mit ihrem Gesang durchweg überzeugt, wirken die dann und wann eingestreuten verzerrten männlichen Gesangsparts etwas fehl am Platz – jedenfalls fügen sie sich für meine Begriffe nicht gut in das Gesamtbild ein. Als Beispiel könnte man hier das Lied „Dort“ nennen, wo die männliche Stimme mit der Wiederholung von Textpassagen als eine Art „Echo“ zwar gut das Bild eines verrückten, desorientierten Charakters transportiert, allerdings weder rhythmisch noch melodisch eine tiefere Bindung zum Song besitzt.

Wenn man offen genug ist, nicht nur das übliche Gothic Metal-Klischee bei „female fronted“-Bands zu akzeptieren, ist „Zerbrochen“ von Cephyrius definitiv einen Blick wert. Für eine Eigenproduktion ist die Qualität der Aufnahme selbst sehr gut, was durch (nicht nur in sich) abwechslungsreiche Songs mit interessanten Stimmungswechseln untermauert wird. Doch auch wenn diese Newcomerband durchaus Potential aufweist, es gibt natürlich Ebenen, auf denen sie sich weiterentwickeln kann: Neben den bereits angesprochenen leicht deplazierten männlichen Gesangseinsätzen könnte man die Wechsel zwischen den einzelnen Parts und Rhythmen – was anfangs sehr verwirrend auf den Hörer wirkt – etwas fließender, weniger abrupt gestalten, damit ein etwaiges Gefühl von Flickschusterei überhaupt gar nicht erst auftreten kann.

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