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Cavalera Conspiracy: Inflikted

Wiedervereinigung der besonderen Art
Wertung: 8.5/10
Genre: Modern Thrash Metal
Spielzeit: 42:24
Release: 28.03.2008
Label: Roadrunner Records

Wiedervereinigungen sind doch was Tolles! Ich als gebürtiger Berliner weiß, wovon ich rede. Und was 1989 beziehungsweise ein Jahr später offiziell hier mit Ost und West zur Euphorie von Millionen geführt hat, haben nun auch wieder Max und Ig(g)or Cavalera vollbracht. Dass es bei der Cavalera Conspiracy nicht um nun endlich zu erwerbende, gebogene Südfrüchte oder den Abschied von lästigen „Mochen se ma bidde den Goffaraum uff!“-Grenzkontrollen geht, ist wohl klar. Wenn sich die Lichtgestalten der brasilianischen Thrash Metal-Szene nach zehn Jahren wieder zusammenraufen und ihre Bands Sepultura und Soulfly hinter sich lassen, dann sollte ein fettes Prügelinferno zu erwarten sein. Und jedem, der jetzt noch David Hasselhoffs „I was looking for freedom“ im Ohr hat, sollten schnellstmöglich die Gehörgänge durchgepustet werden. Cavalera Conspiracy übernehmen diesen Job herzlich gerne!

„Inflikted, show no mercy, motherfucking wicked!“, schallt es aus den Lautsprechern, wenn man den Silberling das erste Mal in den Player schiebt. Der Opener und gleichzeitig Titelsong schlägt nämlich gleich mit einer richtigen Granate zu Buche. Max' charakteristisches Gegröhle liegt über der fetten Gitarre und den bekannt hohen Hintergrundspielereien, während der Bass ordentlich vor sich her brummelt. Die Refrainzeile knallt dann auch einfach so sehr, dass man gar nicht anders kann, als mitzusingen. Eine kreischende Alarmgitarre und ein geiles Solo haben sich auch noch eingeschlichen, bevor der Mosh-Part mit den „Nobody moves, nobody gets hurt“-Einsprengseln beginnt. Abwechslungsreich und mitten in die Fresse!

Max Cavalera, bekannt für seine Affinität zu Weltmusik und Reggae, und Iggor Cavalera, eigentlich aus dem Punk/Hardcore-Sektor kommend und Kunstliebhaber, sind also die Köpfe der Cavalera Conspiracy. Unterstützt werden der Gitarrist/Sänger und der Schlagzeuger vom Gojira-Sänger Joe Duplantier am Bass und Soulfly-Gitarrist Mark Rizzo. Auch bei der Aufnahme hat man sich um große Namen und Qualität bemüht, und so stand Logan Mader, Gitarrist von Machine Head und Soulfly, hinter den Reglern, um mit Max dem Album diesen rotzig-klaren und verdammt druckvollen Sound zu verpassen. Genau das war wohl auch die Idee dahinter, nämlich viel Garagen-Flair zu verbreiten und trotzdem professionell zu wirken.

„This is the end of the beginning!“, trägt die verzerrte Stimme des Richie Cavaleras, der Sohn von Max, die Verschwörung vor. Auch die Gitarrenklänge auf „Dark Ark“ muten exotisch an, während Max weiterhin Unterstützung von Richie und Joe Duplantier am Mikrofon bekommt. Schrammelpassagen wechseln sich mit kleineren Tribal-Drum-Einlagen ab und die leicht hypnotische Grundstimmung erreicht zum Ende hin ihren Höhepunkt mit einem Donner abschließend.

Cavalera Conspiracy wollen also Thrash Metal mit Punkrock-Attitüde und einer klitzekleinen Prise Progressivität zocken, während sie klangtechnisch mit Dub und elektronischen Elementen experimentieren. Essentiell sind und bleiben aber der aggressive Grundtenor und die Mosh-Parts, welche kreativ in das restliche Soundgebilde eingepflochten worden sind. Auf den Pfaden Sepulturas will man trotzdem nicht wandern, auch wenn der ein oder andere Song schon starke Assoziationen zu den Hauptbands der Brüder hervorruft.

„Never trust society!“, ist die erste Zeile von der Highspeed-Nummer „Nevertrust“. Eine Hymne gegen alles wie es scheint. Die Band prügelt sich hemmungslos durch zweieinhalb Minuten und die Soli lassen Köpfe rollen und unter Garantie die Finger der Musiker bluten. Ein Thrash-Kracher sondergleichen. So etwas hat es bei Soulfly nicht gegeben.

Die musikalische Wiedervereinigung von Max und Iggor Cavalera ist vielleicht nicht halb so weltbewegend wie die Maueröffnung und dem daraus resultierenden Zusammenschluss von Ost und West ein Jahr später, aber die Brasilianer haben mit ihrem Debüt „Inflikted“ ein äußerst fettes Stück modernen Thrash Metals mit einigen ungewöhnlichen Elementen und vielen guten Ideen geschaffen, der nur danach schreit, live gezockt zu werden. Die Fans extremer, grooviger Musik werden es ihnen danken.

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