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Casualties Of Cool: Casualties Of Cool (Re-Release)

Nicht leicht zu beschreiben und zu bewerten
Wertung: 7/10
Genre: Country/Ambient
Spielzeit: 73:47
Release: 15.01.2016
Label: InsideOut

Über die Sinnhaftigkeit von Wiederveröffentlichungen kann man immer wieder trefflich streiten. Insbesondere dann, wenn das Originalalbum nicht einmal zwei Jahre zuvor erschienen ist. Das selbstbetitelte Debüt von Devin Townsends neuestem Projekt Casualties Of Cool, das er zusammen mit der Sängerin Ché Aimee Dorval betreibt, kam im Mai 2014 heraus, und bereits damals gab es eine Deluxe-Version mit einer zweiten CD, die neben den 15 Tracks der Standard-Ausgabe noch 13 weitere Stücke enthielt.

Das hier vorliegende Re-Issue fährt neben dem CD-Doppeldecker nun noch zusätzlich mit einer DVD auf, die Livematerial eines 2014er Konzerts in der Londoner Union Chapel beinhaltet. Naturgemäß müsste sich diese Besprechung also hauptsächlich auf eben jene DVD konzentrieren – allerdings lag der Redaktion der audiovisuelle Silberling nicht vor, mehr noch: Die Promoversion umfasst lediglich die 15 Tracks des Standardalbums, womit der Sinn einer Bemusterung bzw. eines Reviews im Prinzip gen Null tendiert.

Da auf The-Pit.de aber auch noch keine Rezension zum Originalalbum existiert, können wir uns auch einfach auf die Besprechung desselben konzentrieren. Wer Devin-Townsend-Fan ist, muss offen für viele Stilrichtungen sein und darf keine Scheuklappen tragen – das dürfte wohl jeder wissen. Der Kanadier hat so ziemlich alle Bereiche von extrem hartem Death Metal (Strapping Young Lad) bis hin zu Ambient-artiger Chill-out-Mucke („Ghost“) abgedeckt, Country allerdings war noch nicht dabei. Townsend sagte einmal, dass er Country früher gehasst habe und erst spät seine Affinität auch zu dieser Musik entdeckte, nämlich, als er merkte, dass auch dieses Genre authentisch sein und von Herzen kommen könne.

„Casualties Of Cool“, so der Meister, klingt wie „heimgesuchte Johnny Cash-Songs“ – eine Beschreibung, die als durchaus treffend bezeichnet werden kann. Das Ganze ist erwartungsgemäß sehr ruhig gehalten, der Löwenanteil des Gesangs wurde von Ché übernommen, deren ätherische, ungekünstelte Stimme dem Material genau den richtigen Charakter verleiht. Devins Vocals sind zumeist fast gehaucht, ähnlich wie auf dem „Ghost“-Album von 2011 und anderen eher sanften Veröffentlichungen des nimmermüden Tausendsassas.

Man muss zugeben, dass Townsend es mal wieder sehr gut versteht, mit etwas Neuem aufzuwarten, der Chose dabei aber seinen unverkennbaren Stempel aufzudrücken. Es muss jedenfalls niemand befürchten, dass hier irgendwelcher White-Trash-Kitsch mit durchgehender Pedal-Steel-Gitarre in Kaugummi-Englisch vorgetragen wird, was aber ja bereits die Referenz auf Johnny Cash aus dem Weg räumt. Das Album besitzt zweifellos musikalische Klasse, wurde hervorragend produziert und ist weit davon entfernt, oberflächlich zu sein. Dass „Hevy Devy“ auf die Platte sehr stolz ist und viel Arbeit und Herzblut hineingesteckt hat, darf kaum angezweifelt werden.

Gekonnt werden hier Country-Elemente mit Ambient verwoben, was eine sehr eigene Atmosphäre erschafft. Wer sich darauf einlässt, kann in der Scheibe wunderbar versinken, das Problem ist nur: Das Album ist mit gut 74 Minuten einfach zu lang. Denkt man sich beim Hören des Openers „Daddy“ noch „Joa, das klingt eigentlich ganz nett“, wird man mit zunehmender Dauer das Gefühl nicht los, dass vieles zu sehr dahinplätschert. Songs wie das superatmosphärische „Moon“, mit tollem Saxophonsolo von Shining (NO)-Frontmann Jørgen Munkeby, das smooth groovende „Forgive Me“ mit seinen schönen Dobro-Gitarren-Licks oder die melancholisch-feierliche Nummer „Bones“ können Eindruck schinden und Emotionen erwecken. Auf der anderen Seite stehen jedoch mutmaßliche Füller wie „Pier“, „Hejda“, das zum Ende hin ewig langgezogene „Deathscope“ oder der Albumabschluss „Pure“, der mit seinem vier Minuten langen Flötengedudel arg esoterisch anmutet und schnell nervt; hier wäre ein bisschen Straffung angebracht gewesen.

So gesehen ist es nicht einfach, das Album zu beschreiben und zu bewerten: Als Hintergrundbeschallung zum Beispiel beim Lesen oder zum Einschlafen ist die Scheibe bestens geeignet; es gibt so manche Länge, doch ist Devin Townsend musikalisch einfach zu relevant und niveauvoll, als dass man objektiv von einem schwachen oder gar überflüssigem Release sprechen kann. Wer es ausschließlich hart schätzt, den wird „Casualties Of Cool“ gnadenlos langweilen; diese Fraktion lässt natürlich die Finger davon. Eines muss aber auch der größte Spötter einräumen: Devin Townsend zieht weiterhin sein Ding durch und macht, worauf er Lust hat, und dafür muss man ihm einfach Respekt zollen. Gerne würde ich noch darauf eingehen, ob es sich lohnt, sich die Neuauflage mit DVD zu sichern, doch aus oben genannten Gründen ist das ja leider nicht möglich.

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