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Cassels: Epithet

Zynismus, auf CD gebannt
Wertung: 8/10
Genre: Punkrock
Spielzeit: 30:57
Release: 06.10.2017
Label: Big Scary Monsters

Bands, die aus Geschwistern bestehen, haben auf den ersten Blick immer eine etwas eigenwillige Dynamik. Das britische Brüder-Gespann Cassels macht da keine Ausnahme – ohne Bass, nur mit Gitarre, Schlagzeug und Jim Becks zynischem Gesang mit dem dicken Akzent macht das Duo sich im Punkrock breit, ein bisschen The Streets-Feeling schwingt außerdem auch mit; eine spannende Mischung, die die beiden Brüder auf ihrem Debüt-Full-Length „Epithet“ zelebrieren.

Als „Zusatz“, denn nichts anderes bedeutet „Epithet“ im Deutschen, kann man die Platte nun aber wirklich nicht sehen. Ein eigenständiges Werk präsentiert sich hier, mit schlichtem Cover und wütenden Lyrics, dabei ist davon zu Beginn des Opener „Coup“ noch gar nicht so viel zu spüren – der gibt sich nämlich erst mal vorsichtig instrumental, bevor die Gitarre richtig einsetzt; rein musikalisch könnte einen hier von Pop Punk über Post-Hardcore alles erwarten, mit derartig flottem Sprechgesang hätte man dann aber wahrscheinlich nicht gerechnet. So trägt bereits der erste Song den Hörer hinaus in die unendlichen Weiten des britischen Punk-Kosmos – „we enter a new form of Huxleyan nightmare“ zeigt dann auch schon ungefähr die textliche Richtung an.

Deutlich lärmiger geht es mit „Let“ weiter, „War Is A Really Clever Metaphor For Divorce“ sprengt dann beinah die Zeilenlänge für einzelne Songtitel auf der Tracklist, während das Gitarrenintro zu „Where Baseball Was Invented“ beinah schon metallische Züge annimmt, bevor die erste Strophe in gemäßigtere Gefilde abdriftet. Das tut der Intensität, die vor allem Jim Becks Gesang vermittelt, aber keinerlei Abbruch, im Gegenteil – gerade durch die Tempowechsel kommt die Stimmung, die zwischen verwirrt, zornig, zynisch und traurig pendelt, eine ganz neue Qualität und vor allem eine eigene Dynamik.

Den Pokal für den längsten Titel, den kürzesten Song und gleichzeitig den aggressivsten Track der Platte erhält dann zweifelsohne das rabiate „This Song Has A Name But We Don’t Like To Talk About It“ – ein brutaler, 55 Sekunden langer Bastard aus Punk, Grunge und ein bisschen Hardcore und kaum mit dem nasal-hochnäsigen Gesang zu vergleichen, der das folgende „Motor Skills“ einleitet. Auch in diesem Track verstecken sich natürlich einige grandiose Ausraster – es scheint doch wahr zu sein, dass man kein (guter) Künstler sein kann ohne einen Schuss Zynismus in sich zu haben. Was die beiden Brüder auf „Epithet“ abliefern, trieft nur so vor Sarkasmus, obwohl man das gerade bei ruhigeren Stücken wie dem finalen „Chewed Up Cheeks“ nicht unbedingt meinen würde. Gerade bei solchen Songs sollte man aber auch mal auf die Texte achten – nicht umsonst wollte die Truppe Texte anbieten, die auch ohne Song ihre eigene Geschichte erzählen und eine entsprechende Wirkung entfallen. Das und noch vieles mehr ist dem britischen Duo definitiv gelungen.

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