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Caspian: On Circles

Umgibt den Hörer nach anfänglichen Zweifeln wie eine warme Decke
Wertung: 8/10
Genre: Post-Rock
Spielzeit: 46:22
Release: 24.01.2020
Label: Triple Crown Records

Knapp fünf Jahre ist die letzte Veröffentlichung der US-Amerikaner Caspian her, damals „Dust And Disquiet“ betitelt. Mit „On Circles“ steht seit Kurzem die neue, fünfte Scheibe in den CD-Regalen, auch hier bieten Caspian wieder hauptsächlich instrumentalen Post-Rock an; als Feature haben sich die Fast-Bostoner niemand Geringeren als Piano Becomes The Teeth-Sänger Kyle Durfey ins Boot geholt – doch dazu später mehr. Erst mal muss die Marschrichtung geklärt werden: Auf einer knappen Dreiviertelstunde Spielzeit kann man so richtig schön entspannen, muss keine verwegenen Ausbrüche fürchten und sogar „Nostalgist“ mit seinem Vocalfeature fügt sich nahtlos in den Albumkontext ein.

Damit wären wir auch schon bei dem einzigen Manko, das „On Circles“ zu bieten hat: Man hat erstaunlich wenige Ecken und Kanten eingebaut, nur gelegentlich steuert ein Song mal auf einen Ausbruch hin, so richtig befriedigt wird man als Hörer aber dann doch nicht. Dafür ist die Platte wirklich gut dafür geeignet, nach einem anstrengenden Tag runterzukommen, sich fallen zu lassen und am besten mit geschlossenen Augen auf der Musik zu schweben. Wer Abenteuer sucht, ist hier aber fehl am Platz.

Einzig „Collapser“ bietet deutlich mehr Dramatik und Aggressionspotential als der Rest der Platte, fast scheint der Track die Platte zu spalten mit seiner massiven Gitarrenwand und den fast metallisch anmutenden Melodiebögen, die sich in epische Höhen schwingen. Was für eine gelungene Überraschung, so einen Song auf „On Circles“ zu finden, was für ein Juwel.

Mit „Ishmael“ folgt dann eine astreine Ballade, die auf voller Länge zu überzeugen weiß, zu keinem Zeitpunkt in den Kitsch abwandert (die Gefahr ist ohne Gesang ohnehin deutlich geringer) und sogar das ein oder andere Tränchen heraufbeschwört. Caspian lassen sich aber auch nicht lumpen: Nicht nur die Akustikgitarre wird hier ausgepackt, sondern auch eine Violine – abgelöst von perlend-sphärischen Samples verwandelt sich der Track in ein majestätisches Stück, das man gut und gerne auch mehrmals alleinstehend anhören kann.

Für eine Instrumentalband haben Caspian sich auf „On Circles“ allerdings ordentlich um das Thema Gesang bemüht: Nicht nur „Nostalgist“ mit Kyle Durfey ist ein schöner Song geworden, noch besser gerät das finale „Circles On Circles“, bei dem sich scheinbar die Band selbst der Vocals angenommen hat. Was nun zu Beginn der Hörsessions noch als Manko angekreidet werden konnte, hat sich fast schon zu einem Pluspunkt gemausert: Bis auf einen aggressiven Song, der den Puls durchaus in die Höhe schnellen lässt, badet man in den restlichen knapp 40 Minuten auf „On Circles“. Die Musik umgibt den Hörer wie warmes Wasser, wie eine wärmende Decke und wärmt auch von innen wie eine gute Tasse Tee. Zwar wird „On Circles“ auch wegen seiner Komplexität kein Album werden, das man sich täglich anhört, aber zu besonderen Gelegenheiten kann man die Scheibe wieder herausholen und in Ruhe zelebrieren.

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