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Carnifex: Until I Feel Nothing

Ohne Zweifel eine der besten Platten zwischen Deathcore und Brutal Death Metal
Wertung: 8/10
Genre: Brutal Death Metal, Deathcore
Spielzeit: 35:11
Release: 28.10.2011
Label: Victory Records

Zugegebenermaßen waren mir Carnifex nur namentlich und genremäßig bekannt, bis dato hatten sich weder das Debüt „Dead In My Arms“, noch die beiden Nachfolger „The Diseased And The Poisoned“ und „Hell Chose Me“ in die heimische CD-Anlage verirrt. Das „Make it or break it“-Album haben die Herren also schon mit Bravour gemeistert (und alles andere zerdeppert, nur nicht ihren Status im Musikbusiness), dafür steht jetzt mit „Until I Feel Nothing“ Album Nummer vier in den Startlöchern. Und der Titel könnte kaum passender gewählt sein: Ohne Rücksicht auf Verluste brettern die Kalifornier durch die mit gerade mal 35 Minuten Spielzeit recht kurze Platte, hinterlassen eine staubige Einöde und vernichten alles Leben, was sie ihnen auch nur ansatzweise in den Weg stellt.

Man könnte meinen, Deathcore und Brutal Death Metal (und erst recht die Kombination) wären inzwischen tot, ausgereizt, vorbei, aber mitnichten: Carnifex zumindest beweisen eindrucksvoll das Gegenteil, ohne auch nur eine Spur von Monotonie aufkommen zu lassen. Lediglich kurzzeitig stört man sich ein wenig am Gesang, wenn Scott Lewis in die grindigen Growl-Regionen abrutscht – da passen die hysterischen Keifereien, die der Fronter sonst so loslässt, doch viel besser ins Gesamtbild.

Schon im gerade mal eine Minute und 20 Sekunden dauernden Opener „Deathwish“ fahren die Amis mit allem auf, was Deathcore so zu bieten hat: ein fieser Einstiegsgrowl, Breakdowns und Snares, wohin das Auge reicht. „We Spoke Of Lies“ schließt sich natürlich nahtlos an und erinnert von der Dynamik her ein klein wenig an die Münsteraner Neaera, bevor Schlagzeuger Shawn Cameron beginnt, seine Doublebassteppiche unter den druckvollen Sound zu schmuggeln.

Eine richtige Überraschung bietet dann „Creation Defaced“, das zuerst natürlich in bester Carnifex-Manier die Grundmauern einreißt, bevor etwa bei der Hälfte des Songs in die andere Richtung gesteuert und ruhige, sphärische Samples eingespielt werden. Klar, dass die Jungs das so nicht stehen lassen: Gegen Ende des Tracks wird noch mal richtig deftig drauflos gehämmert. Ein schönes Zwischenstück haben Carnifex hier dennoch sehr geschickt platziert; nicht nur, weil es gut zum Song passt, sondern auch, um eventueller Langeweile vorzubeugen.

Auch der Titeltrack hat es in sich, obwohl, wie gesagt, die richtig tiefen Growls nicht so hundertprozentig überzeugen. Hier greift aber auch wieder die Geschmacksfrage: Wahrscheinlich gibt es auch genug Leute, die sich mit dem sonstigen Geschrei und Gekeife nicht anfreunden können. Scott jedenfalls bietet hier die volle Palette seiner stimmlichen Fähigkeiten, was ohne Zweifel beeindruckend ist, einen aber schwer schlucken lässt, weil man schon beim bloßen Zuhören Halsschmerzen bekommt.

Mit „Wretched Entropy“ werden noch mal schwere und vor allem schnelle Geschütze aufgefahren – in rasantem Tempo und mit fies keifenden Vocals brettert die Combo durch den knappen Dreiminüter, der sich zu einem der Highlights der Platte auswächst. So schnell wie man gerne würde, kann man hier gar nicht headbangen. „Curse My Name“ bietet dann fast schon Viking-mäßige Gitarren, zu denen Scott sich sehr schizophren mit tiefen Growls und höherem Gekeife austobt. Mit dem Abschluss und der Scheibe im Ganzen haben Carnifex sich auf jeden Fall endgültig in die vordersten Reihen der Deathcore/Brutal Death-Bewegung eingereiht. Wenn die Truppe beim nächsten Album nicht gerade mit Blasmusik ums Eck kommt, dürfte an ihrem Treppchen kaum noch zu wackeln sein.

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