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Carnifex: Hell Chose Me

Langweilig, unkreativ und witzlos
Wertung: 4.5/10
Genre: Deathcore / Death Metal
Spielzeit: 34:38
Release: 16.02.2010
Label: Victory Records

Carnifex dürfen stolz von sich behaupten, eine der wohl erfolgreichsten Deathcore-Bands zu sein, was vermutlich auf die nie enden wollenden Live-Bemühungen der Band zurückzuführen ist. War die Band gerade mal nicht in den USA unterwegs, hat sie nach besten Möglichkeiten ihren Namen in Europa verbreitet – im Jahr 2009 unter anderem im Zuge der Thrash And Burn-Tour, Anfang 2010 war der „Scharfrichter“ (Carnifex zu dt.) während der Bonecrusher-Tour in Deutschland zu sehen und in naher Zukunft kann man die Band auf der eigenen Hell Chose Me-Tour live sehen.

An der Musik kann der Erfolg der Band nämlich nur schwerlich liegen – anfangs noch verständlich, schwammen sie doch auf der modernen Welle des Deathcores mit, ist vor allem das neue Album „Hell Chose Me“ nur noch langweilig. Hinsichtlich Abwechslung, variantenreichen Songstrukturen oder cleveren Arrangements gibt es hier lediglich von der ersten Sekunde bis kurz vorm Ende – denn die letzten Klänge des Albums werden ironischerweise durch eine zarte Akustik-Gitarre dargeboten - bloß direktes, kompromissloses Geschrei, Gerassel und Getöse. Das Album dürfte perfekt geeignet sein, wenn man nach einem schlechten Tag die angestauten Aggressionen entladen möchte, doch was richtigen, musikalischen Genuss angeht, ist man mit dieser CD falsch beraten.

Es lohnt nicht einzelne Songs hervorzuheben, denn es klingt ein jeder Song wie der andere – daran scheitert dieses Album. Zwar gehört ein nicht zu leugnendes Potential und Talent dazu, dermaßen tief und angepisst ins Mikro zu schreien und so schnell zu blasten beziehungsweise die Breakdown-Riffs rauszuhauen und viele andere Bassisten würden sich bei dem Tempo die Finger blutig spielen; aber das macht noch lange keine gute Band aus. Während Oceano nicht minder aggressiv klingen, gelingt es ihnen ganz im Gegensatz zu Carnifex deutlich mehr kreative Fills unterzubringen und mit einem abwechslungsreicheren Songwriting aufzutrumpfen. Aber auch solche Bands der Marke Those Who Lie Beneath die, wie Carnifex auf ihrem neuesten Album, mehr in Richtung Death Metal denn Deathcore tendieren und die charakteristischen Elemente dieses Core-Genres – beklemmende Melodiebögen, schleppende Riffs oder Pig-Squeals - mehr und mehr vernachlässigen, schaffen es, abwechslungsreicher, weitaus kreativer und vor allem besser zu klingen. Denn diese Bands schaffen es, Parts in ihren extreme, brutalen Songs unterzubringen, die Wiedererkennungswert besitzen. Carnifex schaffen dies einfach nicht, hier gibt es pausenlos volles Rohr Tohuwabohu ohne den geringsten Part, an dem man etwas festmachen könnte.

Zweifelsohne sind die Blasts beeindruckend und die sehr massiven Breakdowns gehen durch Mark und Bein – Carnifex mögen auch eine sehr energetische Live-Band sein, die eine tolle Show darbieten, aber die Musik an sich hat nichts, aber auch rein gar nichts, was man nicht schon mal gehört hätte oder woran man eine eigene musikalische Identität feststellen könnte. Es fehlt der Griff in den Songs, es fehlt etwas, das die Songs zu Songs macht, das sie ausmacht, das Zugang zu den Songs ermöglicht – so kann man die nächstbeste Baustelle aufsuchen, sich neben einen Presslufthammer stellen und sich billiger das Hirn wegblasen lassen, dafür muss man keine CD kaufen. Sehr schade, denn das Potential kann man doch heraushören.

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