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Capitano: Hi!

Ein lauter, bunter Rockkarneval
Wertung: 8/10
Genre: Indie Rock, Glam Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 41:27
Release: 02.02.2018
Label: Eat The Beat Records

“Bunt ist das Dasein und granatenstark!” wussten schon Bill und Ted anno 1989, und auch wenn die Übersetzung sinngemäß zu wünschen übrig lässt, sollte man sich den Spruch doch irgendwie im Herzen behalten. Vielleicht haben die Herren von Capitano sich das einmal zu oft aufgesagt, denn „bunt“ ist sicherlich ein Wort, was beim Durchhören des Debütalbums, schlicht „Hi!“ betitelt, als erstes in den Sinn kommt. „Schlicht“ wiederum passt so gar nicht zu Sänger John Who?! und seinem Companion Fuzz Santander, die sich in einer Mischung aus Indie Rock, Glam, Progressive und Alternative wälzen, halbnackt und mit bunter Maske, so wie es sich für kreative Köpfe gehört. Gemeinsam mit Drummer Dyve Diamond und Tieftöner Mikael Goldbløm haben die beiden Knallköpfe sich verbarrikadiert, um ihr Debüt einzutrommeln – in einem abgelegenen Klosterdorf.

Mit diesem Hintergrundwissen kann man sich vorstellen, dass „Hi!“ kein einfaches Stück Musik geworden ist, das sich mal so nebenbei beim Wäsche bügeln konsumieren lässt. Obwohl die lästige Hausarbeit durch den kunterbunten Rockmix sicherlich erträglicher gemacht werden könnte. Dass ausgerechnet im flott tanzbaren „Get Naked“ dann ein Schuss Metal eingefügt ist, wird auch nur bei weiterführender Recherche klar: Mastodons Troy Sanders hat sich nämlich als Co-Sänger eingeschlichen, um die funkige Nummer zu veredeln.

Schon zu Beginn der Platte stellt John Who?! klar: „I’m gonna have a good time“, und das zieht der Mann in „Good Times (For Bad Habits)“ gnadenlos und ohne Rücksicht auf Verluste durch, in dem er einen knalligen, tanzbaren Partysong heranzüchtet, der gegen Ende plötzlich gar nicht mehr so fröhlich klingt, sondern eher, als hätte es die Partyposse mit Drogen und Alkohol übertrieben und versuche sich jetzt krampfhaft an dem letzten bisschen Stimmung festzuhalten. Unterm Strich also: ein großartiger Song mit einer nicht zu unterschätzenden Drumline, die sich im Hirn festfrisst.

Wer als Indie- und Glamband einen Metalmusiker auf der gleichen Platte wie einen Kinderchor unterbringen kann, der hat definitiv Lob verdient: „Dive“ ist ein dramatisches, überladenes Biest, das den Hörer immer wieder in euphorische Höhen hebt, nur um ihn zu Beginn der nächsten Strophe recht unsanft wieder fallen zu lassen. Und weil Kinderchöre ja immer ein bisschen gruselig klingen, hat man noch ein Fünkchen Gänsehaut dazugepackt.

Wer nun denkt, dass Capitano ihre Glitterkanonen bereits vollständig entladen haben, sollte sich „Superhybolic“ mit seinen hysterischen Samples mal zu Gemüte führen; obwohl nicht der letzte Song, markiert der Track ganz klar den soundtechnischen Höhepunkt der Platte, da mutet das finale klavierlastige „I Dance“ beinah kitschig an, obwohl leise Anleihen an Kollegen wie Muse spürbar sind.

Spätestens beim dritten oder vierten Durchgang blickt man ungefähr durch, wie Capitano ihre Songs aufgebaut haben und kann sich auch mal zu spontanen Tanzeinlagen auf dem heimischen Parkett hinreißen lassen. Definitiv ist dem Quartett hier eine bunte und laute Mischung gelungen, und auch wenn man vorneweg fast ein bisschen Angst hatte, sich eine Platte anzuhören, die ein solch obszön farbiges Cover mit sich herumträgt, muss man doch sagen: Man verpasst als Rockfan etwas, wenn man Capitano übergeht.

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