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Canvas Solaris: Irradiance

Frickelig, abwechslungsreich und schwer verdaulich - hier ist Geduld das Zauberwort
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal / Rock
Spielzeit: 44:07
Release: 16.07.2010
Label: Sensory Records / Alive

Was manche sich nicht alles einfallen lassen, um eine Band marketingtechnisch zu pushen: Die fünfköpfige amerikanische Combo Canvas Solaris ist laut Info ein Vertreter des „Djent Metal“, einer neuen Unterordnung des Progressive Metal, bei der eine spezielle Art des gedämpften Gitarrenanschlags charakteristisch sein soll. – Hm, gähn? Da „progressiv“ im eigentlichen Sinne nichts anderes als „fortschrittlich“ bedeutet und der Begriff somit gerade im musikalischen Bereich sehr dehnbar ist, mutet das Erfinden eines solchen Subgenres eher überflüssig an.

In jedem Fall machen Canvas Solaris Musik, die hauptsächlich von den alten Helden des Seventies-Prog – insbesondere King Crimson – inspiriert ist; zumindest was die vorliegende Platte „Irradiance“ anbelangt, die bereits das fünfte Album des Quintetts darstellt und rein instrumental gehalten ist. Auch auf den vorigen vier Scheiben wurde auf Gesang verzichtet, lediglich auf den ersten Demos hatte man mit Brad Jeffcoat noch einen Vokalakrobaten am Start; damals spielten die Jungs noch Technical Death Metal, dessen Einfluss heutzutage nur noch zum Teil hörbar ist.

Diese Fusion aus härteren technischen Passagen und Siebziger-Prog-Flair ist der Band allerdings recht gut gelungen, auch wenn sich bei dieser Art Musik wohl von selbst versteht, dass man sich erst reinhören muss. Catchy ist hier naturgemäß wenig bis gar nichts, erst nach mehreren Hördurchläufen offenbart sich die ein oder andere Melodie, bei der man sich dann aber sogar dabei erwischt, wie man sie mitsingt. Diese Fusion ist es auch, die Canvas Solaris so oft an King Crimson denken lässt – schließlich war Robert Fripps Gruppe ein nicht enden wollender Quell der Innovation, wohl kaum eine zweite Combo war derart experimentierfreudig, was neue Sounds, das Vermischen von Stilen und das Ausloten von Extremen anging. Kein Wunder, dass King Crimson noch heute bei so vielen Bands aus allen möglichen Genres als Einfluss genannt wird, trotz oder wohl eher gerade wegen ihrer häufig vorhandenen Sperrigkeit.

Und so gleichen die meisten Tracks auf „Irradiance“ Achterbahnfahrten, die mit atemberaubenden technischen Fähigkeiten, die zum Glück nie zum Selbstzweck verkommen, vorgetragen werden. Der Opener „Adaptive Optics“ ist dabei noch vergleichsweise harmlos, da die Mainmelodie (wäre Gesang auf dem Album vorhanden, würde man wohl vom Chorus sprechen) tatsächlich einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt und im Übrigen in bravouröser Manier stets ein wenig variiert wieder auftaucht.

Stücke wie die folgenden „Conveyance Of Flux“, „The Horizons Feast On Stars“, das rasend schnelle „Glacier“ oder das völlig wahnsinnige „Vapor Chasm“ wirken da schon um einiges komplexer, um nicht zu sagen: Wirr – zumindest beim ersten Hören. Wenn melodische Gitarrenläufe auf frickelige Harmonics, jazzige Basslines und futuristische Keyboardsounds treffen, wenn sich Break an Break reiht und sich Doublebass-Passagen mit clean gespielten Chiller-Parts abwechseln, ist das alles andere als leicht verdaulich – dagegen sind teilweise sogar Cynic noch harmlos. Natürlich ist klar, dass nur eine bestimmte Klientel mit dieser Mucke warm werden wird, und selbst diese wird eine Menge Geduld brauchen, um durch diese harten Brocken durchzusteigen, letztlich aber erkennen, dass hier nicht nur wild Breaks durcheinander gewirbelt werden, sondern dem Ganzen schon ein roter Faden zugrunde liegt, so schwer dieser auch zunächst erkennbar sein mag.

Abwechslungsreich ist „Irradiance“ definitiv geworden, davon zeugen Ideen wie zum Beispiel der von einer Akustikgitarre begleitete Percussion-Part am Ende von „Soliton (Emergence From Dispersion)“, oder das hübsche Flamenco-artige Abschlussstück „Null Proximity“, bei dem der Hörer, nachdem er vierzig Minuten lang aufs Äußerste gefordert wurde, etwas entspannen kann. Beeindruckend ist die dargebotene Leistung allemal, aber logischerweise nichts für Leute, die es straight mögen und Musik sowieso nur nebenbei laufen haben.

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