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Candlemass: Death Magic Doom

Wer ist Messiah Marcolin?
Wertung: 9.5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 47:38
Release: 03.04.2009
Label: Nuclear Blast

Diese Aussage ist ein wenig blasphemisch, zugegeben. Aber wie Candlemass es geschafft haben, sich trotz des Weggangs ihres charismatischen Frontmannes und ohne sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, in der Szene zu behaupten, nötigt jedem den allergrößten Respekt ab. Wie kann man es also schaffen, einen so wichtigen Sänger zu ersetzen, der für viele ein Synonym für den einzigartigen Sound der Band ist und mit ihr mehrere Klassiker aufnahm? Wie schafft man es, den Fans und vor allem allen anderen klar zu machen, dass Candlemass eben NICHT die Band eines korpulenten, passionierten Mönchskuttenträgers mit gigantischer Stimme ist?

Die Antwort gab die Band vor zwei Jahren mit ihrem ersten Album „Nach-Messiah Marcolin“ namens „King Of The Grey Islands“. Durch die Klasse dieses Albums wurde vielen erst bewusst, dass nicht nur der ehemalige Frontmann wichtig für die Doom Metal-Institution war (was ohnehin ein hinfälliges Argument ist – Candlemass hatte auch vorher schon andere Sänger) , sondern auch Leif Edling, der sich für die Musik verantwortlich zeigt. Und der hatte die geniale Idee Solitude Aeturnus-Sangesgott Robert Lowe den vakanten Posten am Mikro anzubieten. Der Rest ist Geschichte....

….und die wird genau jetzt fortgesetzt. „Death Magic Doom“ heißt das neue Opus, welches von der Band als „unser bestes Album seit 'Nightfall'“ angekündigt wurde. Kurz gesagt: Verflucht, sie haben recht. Schwer zu glauben?! Nun, der Opener „If I Ever Die“ sollte sämtliche Fragen nach der Qualität der Platte sofort verfliegen lassen. Ungewohnt schnell, rockig und mit einem mörderischen Groove ausgestattet nehmen Candlemass hier keine Gefangenen. Könnt ihr euch vorstellen, bei einem Konzert dieser Band zu moshen? Wenn „If I Ever Die“ gespielt wird, wird niemandem eine andere Möglichkeit bleiben.

Track Nummer zwei ist danach Doom Metal in Reinkultur. Das passend betitelte „Hammer Of Doom“ walzt langsam, erhaben und bedrohlich über den Hörer hinweg. Kids, die ein wenig abzappeln wollen, werden den sich langsam steigernden Spannungsbogen wohl langwellig finden, aber wer sich nicht von der unglaublichen Stimme Robert Lowes in den Bann schlagen lässt, hat dieses musikalische Kleinod auch nicht verdient. „Hammer Of Doom“ könnte ohne weiteres auf einem der frühen Alben der Begründer des Doom Metals, Black Sabbath, stehen.

Die Lieder werden immer länger, „The Bleeding Baroness“ bringt es auf fast acht Minuten. Dass davon keine Sekunde verschwendet ist, beweist der komplexe Aufbau. Häufig wird das Tempo gewechselt, Soli eingebaut und Robert Lowe begeistert mal mit dramatischer Tonlage, mal mit düsterem Sprechgesang. Ein gutes Lied, aber mit Sicherheit nicht das Highlight auf „Death Magic Doom“.

Wer sagt eigentlich, dass Doom immer nur aus möglichst wenigen Riffs in ständiger Wiederholung bestehen muss? „Demon Of The Deep“ straft euch Lügen und ähnelt der „blutenden Baronin“ ein wenig, hat aber mehr Struktur. Die düster-morbide Atmosphäre Candlemass' kommt hier wieder voll zum Tragen , um dann in der letzten Minute völlig zu verschwinden und „Demons Of The Deep“ zu einer Melodic Hard Rock-Nummer (inklusive Hammondorgel) mutieren zu lassen.

Was mit „House Of Thousand Voices“ folgt, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Ein langsamer Beginn (was habt ihr denn erwartet?) mit einem prägnanten Gitarrenthema, stampfende Drums, Orgeln und dem wie immer wunderbaren Mr. Lowe aus Texas, der das Unvermeidliche ein wenig hinauszögert, die Wartezeit aber mehr als versüßt. Denn wenn das kurze Basssolo einsetzt, ist es zu spät. Abermals werden ob der schweren Riffs Erinnerungen an Black Sabbath oder Count Raven wach und entfesseln einen Malstrom, durch den das Auftauchen des anfänglichen Gitarrenthemas wie ein Rettungsanker wirkt. Ganz großes Kopfkino!

Wer bisher dachte, „If I Ever Die“ wäre eine kleine Spielerei gewesen, wird vom ebenso forschen „Dead Angel“ wohl kalt erwischt werden. So wird „Death Magic Doom“ niemals langweilig, denn die Schweden nebst amerikanischem Sänger haben Mut bewiesen und ihren Sound dezent anderen Einflüssen geöffnet. „Dead Angel“ ist genauso wie „If I Ever Die“ ein gern genommener Farbtupfer im normalerweise düsteren Klangkosmos von Candlemass.

Genau das hat sie aber schließlich groß gemacht – diese unglaubliche Fähigkeit magische Riffs zu schreiben und aus recht wenigen von diesen unsterbliche Hymnen zu erschaffen. „Clouds Of Dementia“ zieht zwar die Qualität des Albums ein wenig nach unten und zählt daher nicht gerade als Nachweis für obige Aussage, aber es geht ja noch weiter. „My Funeral Dreams“ bietet, obwohl die Wahl wirklich schwer fällt, die beste Gesangsleistung der Platte und veredelt eine zum Sterben schöne (ja ja, Nomen est Omen) Hymne. Wer hier nicht ergriffen zuhört und bei banaler Filmmusik etwas von „episch“ stammelt, kann ohnehin eine andere Platte kaufen.

Fazit: Ihr wisst den Wert fantastischer Sänger und emotional aufwühlender Musik zu schätzen und wisst, dass es nicht immer nur Geknüppel sein muss?! Warum lest ihr dann das hier noch? Beachtet nur das letzte Wort des vorherigen Absatzes. Kaufen...Kaufen.....

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