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Candlemass: Ashes To Ashes

Ein beeindruckendes Livedokument der Doomlegende
keine Wertung
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 64:55
Release: 23.04.2010
Label: Nuclear Blast

Gerade einmal ein Jahr hatte die Fangemeinde Zeit, sich von dem tollen zweiten Album „Death Magic Doom" zu erholen und schon gibt es neues Futter aus Schweden. Am 23. April 2010 erblickte das neueste Werk „Ashes To Ashes“ das Licht der Welt. Veröffentlicht wird es als Doppel LP und als CD/DVD-Combo. Etwas unverständlich das Ganze, denn heutzutage sollte man für maximalen Musikgenuss für Augen und Ohren auch eine Blu-ray erwarten können. Uns liegt lediglich die CD vor, was natürlich dafür sorgt, dass es abschließend keine Wertung geben kann, denn die DVD enthält zum einen den Auftritt beim Sweden Rock Festival 2009 und zusätzlich noch ein Konzert in Athen vom gleichen Jahr.  

Zugleich muss man sagen, dass dies das erste komplette Live Erzeugnis ist, bei dem Robert Lowe alle Songs singt. Einen ersten Vorgeschmack gab es ja schon auf der superben „20 Year Anniversary Party“-DVD, bei der Robert drei Songs allein und einen im Trio singen durfte. Mit „Dark Are The Veils“ hat die Band schonmal einen sehr gelungenem Einstieg gewählt. Mit mächtig Dampf auf dem Kessel wird dem Volk gezeigt, warum man Ex-Sänger Messiah Marcolin nicht unbedingt nachtrauern muss. Robert beweist, dass er zwar mit anderer Stimmfarbe, aber dennoch ohne sich verstecken zu müssen den alten „Nightfall“-Song singen kann.

„Samarithan“ ist da schon etwas schwieriger, da er noch stärker auf den Gesang ausgelegt ist. Leider versucht Robert hier, dem Original zu sehr nachzueifern und legt wie schon sein Vorgänger viel zuviel Vibrato in die Stimme. Ein toller Song, der aber doch kleine Vorteile beim ehemaligen Sangesmönch aufzeigt. Musikalisch klingt alles richtig fett und erschlagend. Mappe und Lars lassen hier nichts anbrennen und dazu gesellt sich der wie gewohnt fulminante Bass von Leif Edling. Was kann da noch schief gehen?

Nachdem nun zu Beginn schon das 1987er-Album, bis auf einen weiteren Song, der noch folgen sollte, in diesem Set abgearbeitet wurde, ging es dann mit dem schnellen Opener des noch aktuellen Studioalbums „Death Magic Doom“ weiter: „If I Ever Die“. Hier merkt man natürlich deutlich, dass dieser Song auch schon mit Blick auf Robert geschrieben wurde. Das Ganze wird dann noch mit dem tonnenschweren „Hammer Of Doom“ vom gleichen Album getoppt. Hier wird Black Sabbath gefrönt, nur dass die Originale schon seit Jahrzehnten nicht mehr solche Songs schreiben können. Das bürgt für Gänsehaut pur. In diesem Zusammenhang darf auch der tolle Schlagzeugsound nicht unerwähnt bleiben. Hier klingt Janne Lindh deutlich kräftiger als auf den letzten Studioalben.

Natürlich erwartet man von einer Band wie Candlemass ein mit Klassikern gespicktes Liveset, aber die neuen Songs sind bereits zu diesem Zeitpunkt Klassiker, zu fulminant und ergreifend sind sie geraten. Und nach dieser Darbietung geht es mit „Gallows End“ noch einmal zurück zu „Nightfall“. Perfekt von der Gitarre eingeleitet, verströmt sich eine kalte Wärme in den Gliedern und man fühlt sich fast ein wenig benommen. Roberts etwas zartere Interpretation gefällt auf Anhieb besser und zeigt die Zweifel am gelebten Lebensstil und den Konsequenzen besser auf, wie ich finde.

Vom sehr guten „King Of The Grey Islands“-Album folgt dann „Emperor Of The Void“. Hier hätte mit „Clearsight“ deutlich besser gefallen, aber so ist das eben mit einer begrenzten Spielzeit auf einem großen Festival. Im Anschluss wird dann mit „The Bleeding Baroness“ ein Sprung ins Jahr 2009 gewählt, bevor der Kult mit dem unglaublichen Zeitsprung ins Jahr 1986 heraufbeschworen wird. „Epicus Doomicus Metallicus“ wird zelebriert. Für mich immer noch das Beste und Richtungsweisendste Album der Doom Metal Szene. Vom Mönch, für meinen Geschmack mit zuviel Vibrato abgewertet, darf man sich heutzutage wieder uneingeschränkt über die Interpretationen freuen. 

„A Sorcerers Pledge“ beginnt zaghaft wie eh und je, Robert veredelt den Song mit seiner Stimme und kommt hauchnah an Johan Längquist heran. Da wird dann auch schon mal leicht melancholisch ein wenig Tränenflüssigkeit abgedrückt und man schwelgt in Erinnerungen. Der Schädel fliegt vor und zurück und man folgt den Aufforderungsrufen von Robert auch bei der CD-Wiedergabe. Die Intensität, die Candlemass versprühen, ist schon gewaltig. Das Publikum geht richtig mit und stimmt den großen Chor an. Einfach genial!

Auch nach Beendung des Songs geht es im Chor weiter und selbst die Candlesmass-Sprechchöre verfliegen so recht schnell. Klar, dass die Band da mit einem weiteren Stück vom Debüt wiederkommen muss: „Solitude“. Jawohl, der Herzschlag liegt in etwa zehnmal so hoch wie der Takt dieses Doom Monsters. Aber alles wird gut, Robert brilliert und der Rest der Band zockt sich in übernatürliche Gefilde. Der Gebetsteil des Refrains wird abwechselnd vom Sänger und dem Publikum übernommen und somit ist auch dem Letzten klar, wie der Albumtitel  „Ashes To Ashes“ zustande gekommen ist. Anstatt dann noch einen Klassiker aus den eigene Reihen drauf zu legen, wird „Kill The King“ von Rainbow gezockt. Wirklich nicht schlecht, aber trotzdem keine wirklich gute Entscheidung. Vielleicht wollte man damit ja Ronnie James Dio grüßen, der mit seiner inoffiziellen Black-Sabbath-Band Heaven & Hell auch beim Sweden Rock 2009 dabei war.

Fazit: Eine Höchstwertung wird lediglich dadurch zerstört, dass nicht die komplette Veröffentlichung (DVD) vorliegt und irgendwie auch ein wenig, weil man statt eines weiteren eigenen Songs unnötiger Weise ein Cover zockt. Der Sound des Album ist grandios und anscheinend absolut ohne Nachbearbeitung ins Presswerk gegangen. Klitzekleine Spielfehler tauchen ab und zu auf, stören aber in keinster Weise, denn das ist live! Jetzt fehlt lediglich noch die dazugehörige Blu-ray Veröffentlichung, womöglich mit 5.1 oder besser noch 7.1 Sound und der Fan ist restlos begeistert. Aber leider scheinen sich bisher nur die ganz großen Plattenfirmen an dieses zeitgemäße Medium heran zu trauen. Candlemass haben sich mit dieser Audio-CD wieder einmal selbst übertroffen und bleiben auf dem Doom Thron sitzen.

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