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Calva Y Nada: Monologe Eines Baumes

Ein kleines Meisterwerk
Wertung: 9.5/10
Genre: Dark Wave
Spielzeit: 60:52
Release: 01.02.1993
Label: Rough Trade

Dass Calva Y Nada schon seit etlichen Jahren einen sehr hohen Kult- und Sonderstatus in der Dark Wave Szene genießen ist ebenso unbestreitbar wie auch die Tatsache, dass man nur sehr schwer Hintergrundinformationen über die Manen aus Bochum auftreiben kann, die in den Jahren von 1990 bis 1998 doch recht aktiv und ebenso erfolgreich innerhalb der Szene waren.

Deswegen werde ich sogleich auch ohne große Umschweife zur Besprechung des wohl bekanntesten und beleibtesten Calva Y Nada Album kommen: Dem im Jahre 1993 erschienenden “Monologe Eines Baumes“, welches bis heute nichts von seiner bizarren Atmosphäre und Mixtur aus melodiösem Dark Wave und sphärisch-brachial anmutenden Elektrosounds verloren hat.

Die Musik von Calva Y Nada einzuordnen ist recht schwierig, wenn nicht sogar unmöglich: Zu unangepasst, verspielt, einzigartig beklemmend-düster und makaber muten die jeweiligen Tracks das Albums an. Hinzukommend gesellen sich dann auch noch die sprachlichen Schwierigkeiten, da neben der deutschen Sprache auch noch lateinisch zum Einsatz kommt.

Ebenso wird man im Grunde wohl vergeblich nach einem Konzept oder roten Faden suchen können. Denn auf den ersten Blick scheinen diese nicht erkennbar und vorhanden zu sein. Zu verschachtelt und in sich selbst gekehrt (also seine eigene Geschichte jeweils erzählend und abschließend), wirkt jeder der 16 Tracks. Aber dennoch gelingt es ihnen als letztendliches Gesamtkonzept eine große, geschlossene und morbide Einheit zu bilden.

So sollte man sich auch nicht wundern, wenn ein Großteil der Texte ungreifbar und grotesk-surreal bleiben: Scheinen sie doch viel sagen zu wollen, ist deren Sinn nicht erkennbar für den unerprobten und unerfahrenen Hörer. Und doch steckt zugleich m.u. so viel bitterer Zynismus und Gallengift in ihnen, dass sie nur noch als ein zermürbendes Zerrbild unserer Menschheitsgeschichte und Evolution verstanden werden können.

So geht es z.B. in dem auf Grund seiner extrem kalten und eisig peitschenden Melodiebögen für Gänsehaut sorgenden Eröffnungsstück “Der Sturm“ um die Tatsache, dass zwar unsere Welt schon viele Tausende von Jahren alt ist, aber der Mensch als Individuum nach wie vor nichts wert ist, wenn er der breiten Masse gegenübersteht. Dieser Mensch wird von ihr lediglich geschunden und genötigt. Sowie letztendlich in den finalen Selbstmord getrieben.

Um „urbaneske Affen und deren Suche nach Bananenrepubliken“, geht es in dem recht bizarr angehauchten “D.A.L.A.M.“, das letztendlich aber als Parabel auf unsere heutige Gesellschaft bezogen ist, in welcher es nur noch um Profit und Gewinnmaximierung geht. Sowie das Leben einzelner dafür auch liebend gerne in Kauf genommen wird.

“Profecia“ und “El Fantasma“ sind hingegen zwei waschechte Club Hits geworden, die durch ihren in Mark und Bein treibenden Rhythmus und der in sich recht komplexen Melodieeinteilungen über die volle Laufzeiten vollkommen zu begeistern wissen. Melodiös gekrächzte und geraunte Textpassagen gehen gekonnt einher mit eindeutig aus dem Industrial Bereich entliehenen Sounds und deren Melodieträgern.

Ebenso wird man auf “Monologe Eines Baumes“ textliche Abrechnungen mit der kath. Kirche und dem Papst als ihr weltliches Oberhaupt finden: “Schmerzenskrone“ stellt eine kritisch beäugte Auseinandersetzung mit der Kreuzigung Christi dar. So sei sie im Grunde nichts Wert gewesen und unnütz in der Schlussfolgerung zu meinen, dass die Menschen nun jenem Heiland gleich im Leben Gutes zu tun um ihm dann letztendlich folgen zu können.

Das Stück “Habemus Papam“ (Der heilige Vater) ist nicht nur eine konsequente Weiterentwicklung jener “Schmerzenskrone“, sondern eine klare und deutliche Abrechnung mit dem Papst, welcher letztendlich durch die eigenen Hände Calvins (Cava Y Nada) sein verdientes Ende auf dem Scheiterhaufen finden soll.

Wie man also sieht und lesen kann: Zimperlich sind die Jungs von Calva Y Nada nicht gerade und beweisen, dass sie neben ihren verschlüsselten und in sich verschachtelnden Texten auch sehr klare und deutliche Worte finden können, sofern sie es für nötig und richtig halten.

Aber dass jenes Album nicht gar so bitter und düster endet, hat man sich für den allerletzten Albumtrack etwas ganz Besonderes und Gelungenes ausgedacht: So stand in diesem Falle die berühmte Polka von Johann Strauss Pate für diese „spezielle“ Polka Neuinterpretation mit dem passenden Titel “Calva Polka“, welche letztendlich wahrlich mehr als abschließender Schluss-Gag und Scherz zu verstehen ist, als eine wirkliche Huldigung in eigentlichen Sinne. ;)

Fazit: “Monologe Eines Baumes“ war und ist ein kleines Meisterwerk der gekonnt spielerisch, zynisch-bösen Art und Weise. Kein Album, um es wirklich nur mal „nebenher“ zu Hören... Man muss ihm Zeit und Ruhe widmen, um es richtig zu verstehen und all seine (dunklen) Geheimnisse entdecken zu können. Beklemmend und unwiederbringlich wie der erhängte Unbekannte (und somit also völlig Intensitäts- und namenlose „Figur am Rande der Gesellschaft“) im Booklet des Albums, kommt auch “Monologe Eines Baumes“ daher: Einmalig, faszinierend, grausam und letztendlich ungemein schwer zu ergreifen...

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