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Callisto: Secret Youth

Ungewöhnlich attraktiv
Wertung: 8/10
Genre: Post Rock/ Post Metal
Spielzeit: 53:24
Release: 30.01.2015
Label: Svart Records / Cargo

Die Finnen Callisto konnten vor sechs Jahren schon einmal die Ohren der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Mit ihrem damaligen Debütalbum trafen sie bei vielen Kritikern den richtigen Nerv und wurden stellenweise hoch gelobt. Nun, nach ziemlich langer Zeit folgt das zweite Werk der Formation. Es trägt den Namen „Secret Youth“ und verwirrt im ersten Moment. Das Cover lässt keinerlei Rückschlüsse auf die auf der Scheibe befindliche Musik zu und auch dem Albumtitel lassen sich keinerlei Hinweise auf das Genre entlocken.

Also ab mit der Scheibe auf den Teller. Die Band nennt ihre Musik übrigens selber „Progressive Noise Rock“. Progressive Rock kann man schon irgendwie gelten lassen, aber den Noise sucht man auf der Platte fast völlig vergebens. Einzelne verstörende Gitarrenfragmente reichen für diese Bezeichnung nicht aus. Dafür drängt sich mit zunehmender Konsumdauer immer mehr der Begriff Post Rock in den Vordergrund. Disharmonische Gitarrenelemente und ein klarer, verstörender Gesang, der immer wieder durch markerschütternde Shouts ergänzt wird, weisen deutlich in diese Richtung. Insgesamt klingt die Musik auf „Secret Youth“ sehr leer, einsam und verstörend. Ausweglos vielleicht. Auf jeden Fall hört sich das Ergebnis oft bedrohlich an. Wie ein schöner Sonnenuntergang, vor dem gerade ein Gewitter aufzieht.

Der Sound entspricht einem modernen Standard, ohne zu überproduziert zu klingen. Die Drums klingen vielleicht ein bisschen zu blechern, aber dafür klingen Bass und Gitarren sehr natürlich. Die Stimme wirkt dagegen oft sehr stark manipuliert und klingt oft sehr synthetisch. Das war wohl Absicht und passt auch gut zum Charakter der Scheibe.

Der Aufbau der Songs ist unterschiedlich kompliziert, aber nie simpel. Als Beispiel kann gleich der Opener „Pale Pretender“ herangezogen werden. Nach einem Digeridoo-Intro folgt ein ziemlich verstörender Textteil mit vielen Gitarrenfragmenten, die klug aneinandergeschustert wurden. Vom emotionalen Ausbruch sind wir noch weit entfernt.  Doch schon während der nächsten Strophenpassage steigert sich die Spannung durch nun hinzugezogene verzerrte Gitarren und viel mehr Hall als zu Beginn. Einzig und alleine der Gesang bleibt wie am Anfang. Und dann endet der Titel. Ohne Höhepunkt. Unerfüllt. Und unerwartet. Das ist ein großes Markenzeichen der Finnen. Man muss immer mit dem Unerwarteten rechnen. Abgezählte Takte oder sich ständig wiederholende Musiker gibt es praktisch nicht. Zumindest nicht in den Liedern.

Auf der Platte gibt es das nämlich schon. Von oben betrachtet ähneln sich nämlich viele Lieder sehr. Sie gleichen sich zwar nicht, aber die Verbindungen sind schon mehr als nur an den Haaren herbeigezogen. Dieses mit Sicherheit gewollte Stilmittel sorgt für eine besondere Stimmung, wenn man die Musik auf sich wirken lassen kann. Abends vor dem Kamin zum Beispiel. Da wirkt die Musik fast hypnotisierend. Nebenbei kann man diese Form von Kunst nicht hören. „Secret Youth“ verlangt volle Aufmerksamkeit. Im Gegenzug bekommt der Hörer aber auch ein facettenreiches Album, das durchaus viele Reize hat. Neben guten Rocksongs bekommt man durchaus auch ansprechende Texte und außergewöhnliche Konstruktionen zu hören. Alle Freunde ungewöhnlicher Musik sollten sich hier angesprochen fühlen.

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