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Callejon: Wir Sind Angst

Von Abnutzungserscheinungen keine Spur
Wertung: 8,5/10
Genre: Modern Metal, Metalcore
Spielzeit: 40:17
Release: 09.01.2015
Label: Four Music

Callejon sind nicht nur bei Genrekennern schon lange keine Unbekannten mehr. Nach ihrer Partysause „Man Spricht Deutsch“ gehen die fünf Düsseldorfer mit ihrer neuesten Scheibe dem kommerziellen Erfolg zum Trotz (glücklicherweise) wieder in eine ganz andere Richtung. „Wir Sind Angst“ dreht sich textlich vor allem um Verzweiflung, Manipulation und Probleme. Sowohl der persönlichen Art, als auch der, die unsere gesamte Gesellschaft betrifft. Hier und da kann man dem Quintett schon fast eine apokalyptische Stimmung attestieren. Gründe dafür gibt es aber nun einmal auch reichlich und so wirken die Texte stets authentisch und die Atmosphäre nie aufgesetzt. Sänger BastiBasti textet dabei gewohnt direkt, oftmals auch abseits von traditionellen Reimschemen, was manchmal sperrig wirkt, Callejon aber eben irgendwo auch ihren besonderen Charme verleiht.

Auch wenn die Texte sich zwangsläufig in den Mittelpunkt drängen - beim atmosphärischen „Krankheit Mensch“ zum Beispiel, das genau das liefert, was der Titel andeutet, oder beim wütend-sozialkritischen „1000 PS“ - kann sich Frontmann BastiBasti jederzeit auf die kompetente Unterstützung seiner Instrumentalfraktion verlassen. Modernes, aggressives Riffing wie es beispielsweise beim Titletrack zu bewundern ist, oder Blastbeats wie zu bei „Unter Tage“ unterstützen die wütenden Shouts und simple, einprägsame Melodien bilden die Grundlage für Refrains a la „Raketen“. Letzteres findet sich allerdings weit seltener, denn „Wir Sind Angst“ ist wie schon angedeutet hauptsächlich auditiv verpackte Wut - der Songtitel „Schreien Ist Gold“ kommt nicht von ungefähr. Musikalisch aggressiv untermalt, wird textlich immer wieder in beinahe schockierender Direktheit der Finger in die Wunde gelegt. Mit Songs wie „Unter Tage“ oder „Krankheit Mensch“ beweisen Callejon allerdings, dass sie nicht nur über die wütend-agressive Schiene kommen, sondern auch mit atmosphärischen Kompositionen punkten können. Eine ziemlich komplette Mischung also, aus der vor allem die bisher genannten Songs sowie die „Bandhymne“ „Veni Vidi Vici“ hervorstechen.

Schwachpunkte findet man auf „Wir sind Angst“ wenige, wenn dann allerdings ironischerweise vor allem zu Beginn und Ende des Albums. So wirkt das verstörende Intro etwas deplaziert und auch die Abschlussballade „Erst Wenn Disneyland Brennt“ kann leider kaum überzeugen. Nicht, weil der ruhige Song nicht aufs Album passen würde, sondern weil das Quintett das einfach wesentlich besser kann. Denn obwohl der Song gut ins Ohr geht, weiß er nicht wirklich mitzureißen und wird schnell langweilig.

Sieht man vom etwas enttäuschenden Rahmen des Albums ab, kann man letztendlich dennoch positiv attestieren, dass die Düsseldorfer auch auf ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum nichts ihrer Energie eingebüßt haben und sich immer noch darauf verstehen, richtig gute, knüppelharte Songs mit kritischen Texten zu schreiben. Zwar ist auf „Wir Sind Angst“ nicht alles perfekt, die Schwächen sind aber marginal und das Album insgesamt mindestens überdurchschnittlich und definitiv hörenswert.

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