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Callejon: Videodrom

Ein beeindruckender Schritt nach vorne
Wertung: 8/10
Genre: Metal, Screamo, Hardcore
Spielzeit: 49:38
Release: 03.04.2010
Label: Nuclear Blast Records

An Callejon kommt derzeit niemand vorbei. Fast schon penetrant populär ist die junge Band inzwischen geworden, 2008 haben die Jungs mit ihrem ersten Nuclear Blast-Album „Zombieactionhauptquartier“ jeden begeistert, der Rang und Namen in der aktuellen Metal-Szene hat (der ebenfalls vorhandene frühere Output in Form einer Demo, EP und einem Album interessierte scheinbar kein Schwein), ihr neuestes Werk „Videodrom“ stieg direkt auf Platz 31 in die deutschen Charts ein. Sänger BastiBasti ist, neben seinem Fulltime-Job am Mikro, auch noch für die visuelle Umsetzung der Cover seiner Band zuständig, außerdem pustet er am laufenden Band Kreativität in Richtung Heaven Shall Burn, Caliban und dem aktuellen – und ersten – Stay Brutal-Sampler.

Den Ruf einer Teenie-Band können die Vier aber auch mit ihrem aktuellen Werk nicht hundertprozentig loswerden. Zwar bauen die Gitarristen Bernhard und Buschy, Tieftöner Thorsten und (seit diesem Jahr) Drummer Maximilian ordentlich Druck auf und auch die Shouts sind nichts für schwache Nerven, die andere Vokal-Hälfte macht aber nunmal der klare Gesang aus und der lädt eben auch kleine (Emo-)Mädchen dazu ein, sich vor der Bühne zu postieren und zu kreischen, wie einst bei Tokio Hotel.

Konzentrieren wir uns mal auf das, was für uns Metaller wichtig ist: Der Härtegrad der Platte. Gegenüber „Zombieactionhauptquartier“ haben die Jungs die Daumenschrauben ordentlich angezogen, sind noch eine Spur kompromissloser, einen Tick kritischer geworden, was gut zur Platte passt. Nach einem genialen Instrumental (übrigens eine ebenso simple wie coole Idee, die Zwischenstücke der Platte „VI“, „DE“, „O“ und „DROM“ zu nennen) steigt die Band gleich mit dem Titeltrack und einem ziemlich gruseligen Intro ein; der Wiedererkennungswert liegt hier vor allem bei BastiBastis klarem Gesang und den oftmals sehr kruden Arrangements. Ich kenne kaum eine Band, die es schafft, im Refrain so poppig und im Rest des Songs so heavy zu klingen, wie Callejon bei Stücken wie „Kinder Der Nacht“, das sich sicher zu einer Art Dancefloor-Hymne in einschlägigen Core-Clubs mausern wird.

„Immergrün“ liefert nicht nur direkt zu Anfang sehr krasse Screams, sondern auch eine Songstruktur, die man einfach nur als „kontrolliertes Chaos“ bezeichnen kann – im Vorderground brüllt BastiBasti sich die Seele aus dem Leib, im Hintergrund herrschen Growls und lustiges Zombiegestöhne, alles ummantelt von gelegentlichen Doublebass-Attacken. Extrem deprimierend kommt „Dein Leben Schläft“ daher und zwar nicht nur, was den Text betrifft, sondern auch durch die Atmosphäre, die vor allem die klar gesungenen Gesangsparts ausmachen. Dazu liefert der Herr am Mikro unheimlich fiese Growls ab, die einem direkt das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Relativ poppig präsentiert sich hingegen „Mondfinsternis“, bei dem erst im letzten Drittel noch meisterhafte Shouts rausgehauen werden; beeindruckend ist auch, dass man fast jedes Wort versteht, das BastiBasti hier von sich gibt. Was zum Lachen gibt’s natürlich auch - „Sexmachine“ überzeugt mit einem schnellen Refrain und etwas bizarrem Text: „Rein, raus, raus, rein, ich muss noch tiefer in dich hinein“ birgt fast schon einen gewissen Rammstein-Charakter, liefert aber extrem viel Party-Potenzial durch das rasante Tempo. „Sommer. Liebe. Kokain“ ist auch schon auf dem „Stay Brutal“-Sampler zu finden und bleibt für mich auch nach mehrmaligem Hören eines der stärksten Stücke der Platte: Man glaubt den Jungs ihre Abneigung gegenüber der kommerzialisierten Musikindustrie und der fast manische Gesang tut sein Übriges.

Wo ich den Jungs jetzt genug Honig ums Maul geschmiert habe, kann ich mich ja outen: Ich mochte „Zombieactionhauptquartier“ überhaupt nicht. Umso mehr hat mich „Videodrom“ überrascht: Callejon machen Songwriting technisch einiges dazugelernt und hauen sozialkritische Texte heraus, ohne streberhaft den Zeigefinger zu heben. Mit BastiBasti hat die Band außerdem ohne Zweifel einen der besten Sänger der aktuellen Szene am Start.

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