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Callejon: Blitzkreuz

Leider erst gegen Ende wirklich überzeugend
Wertung: 7/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 43:59
Release: 15.06.2012
Label: Pirate Smile

Eines muss man den Herren von Callejon ja lassen: Nett sind sie. Da liegt der neuen Platte „Blitzkreuz“, zumindest in zehn Exemplaren der so genannten Super-Deluxe-Edition, ein goldenes Ticket bei, mit dem der entsprechende Käufer lebenslang freien Eintritt auf sämtliche Konzerte der Band erhält. „Charlie und die Schokoladenfabrik“ lässt grüßen.

Gute zwei Jahre ist es her, seit der Zweitling „Videodrom“ in die Läden kam und letzten Endes auf Platz 31 der Charts landete. An dieser Tatsache allein kann man sich schon ausmalen, dass dem Sound der Düsseldörfer ein gewisser Popappeal nicht abzusprechen ist. War er auf „Videodrom“ in schizophrenen Songs wie „Kinder der Nacht“ noch halbwegs in Zaum gehalten, breitet er sich auf der aktuellen Platte „Blitzkreuz“ schon ein bisschen mehr aus – aber dazu gleich mehr. Kümmern wir uns erstmal um die Menschen im Hintergrund: Produzent Colin Richardson ist mittlerweile ein recht großer Name im Metalsektor, hat er doch schon Truppen wie Machine Head unter die Arme gegriffen, und auch der Master-Meister Ted Jensen konnte Alben von Deftones oder Avenged Sevenfold veredeln.

Das erste, was auf der Tracklist ins Auge fällt, ist die neue „Porn From Spain“-Version, genannt – richtig, „Porn From Spain 2“. Schon der erste Teil gefiel der Schreiberin dieser Zeilen nicht unbedingt und auch Teil zwei, trotz prominenter Besetzung in Form von Sebastian (Madsen), Mille von Kreator und K.I.Z. zeigt zwar grenzüberschreitende Musikgeschmäcker, sonst aber nicht viel.

Nach diesem kurzen Sprung kann man also vorne anfangen und zwar beim Titeltrack, der vermutlich in jeder erschienenen und noch erscheinenden Rezension mit Rammstein verglichen werden wird. „Blitzkreuz“ startet mit spannungsgeladenen Drums und eben recht stakkatohafter Wiederholung des Titels. Wer da nicht an die Neue-Deutsche-Härte-Titanen denkt, hat Watte in den Ohren und Murmeln statt Hirn. Dafür überzeugt dann der Refrain aber vollends: Episch erhebt sich BastiBastis Stimme über den Gitarren – Gänsehaut pur, absolut genial!

„Meine Liebe“ gehört dann trotz gelegentlicher Schreiausbrüche doch eher in die poppige Kategorie der Callejon-Songs und kann auch nicht so recht überzeugen, was vor allem daran liegen mag, dass man Refrains mit sehr ähnlichem Rhythmus und Riffing schon des Öfteren gehört hat. Klar kann die Band nicht ständig das Rad neu erfinden, aber hier fällt diese Uninspiriertheit, die man von den Jungs eigentlich gar nicht gewohnt ist, besonders ins Auge. Das folgende „Atlantis“ bügelt dann aber zumindest einen Teil der Skepsis-Falten wieder weg, das brennt an allen Ecken und Enden und macht richtig schön Spaß.

„Bevor du gehst“ beschreitet wieder etwas ruhigere Wege und mausert sich im Verlauf zu einem regelrechten Ohrwurm, obwohl hier BastiBastis Stimme nicht so recht zur Geltung kommen kann. Es gibt zwar genug schlechtere Sänger, aber bei hysterischem Gebrüll kann der Mann nun mal am ehesten überzeugen. Mit „Was bleibt seid ihr“ dürfte sich hier wieder eine ausgewachsene Mitsinghymne auf der Tracklist befinden, geile Gitarren schrammeln neben noch geileren Screams, die Drums bollern ordentlich vor sich hin und Zeilen wie „Wir schenken euch vom Leben ein, ihr schenkt uns euer Ohr“ dürften direkt von jedem Fan mitgesungen werden. Einprägsam kommt das Stück auch noch daher, ohne sich abzubiedern – das sind Callejon, wie alle Fans sie vermutlich lieben und schätzen.

Es braucht ein Weilchen, bis man den abgehoben geilen Refrain von „Bring mich fort“ zu schätzen weiß und so geht es einem mit vielen Songs auf „Blitzkreuz“. Beim ersten Durchlauf greift kaum einer der Tracks direkt ins Herz – man ahnt vielleicht, dass diese oder jene Stelle eine dicke Gänsehaut hervorrufen könnte, wenn man sich etwas besser darauf einlässt. Ein perfektes Beispiel ist dann das finale „Kind im Nebel“, das durch und durch traurig daherkommt und auf klarem Gesang aufbaut.

Gegen Ende der Scheibe hauen Callejon einen Kracher nach dem anderen heraus – die letzten vier Songs kann man ausnahmslos auf die Liste der Anspieltipps setzen. In der ersten Hälfte von „Blitzkreuz“ geht es allerdings zu poppig und irgendwie vorhersehbar zu, als dass man sich hier kurz vor der Höchstwertung einkuscheln könnte. Sieben Punkte und damit einen weniger als „Videodrom“ hat „Blitzkreuz“ an dieser Stelle verdient – nicht, weil die Platte sehr viel schlechter wäre, sondern weil die Glanzpunkte auf weniger Songs verteilt sind. Die Songs allerdings, die einen letztlich umhauen, schlagen einen gleich ins Koma.

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