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Call Of Charon: Long Forgotten Memories

In alten Eingeweiden wühlen
keine Wertung
Genre: Deathcore/Metalcore
Spielzeit: 33:23
Release: 05.05.2017
Label: Kernkraftritter Records/Alive AG

Es war schon sehr still geworden um Call Of Charon. Ab 2008 gab es eigentlich nichts mehr zu hören von den Jungs - zumindest bis sie 2015 wieder wie Phönix aus der Asche emporstiegen. Mit der Splitplatte „The Takeover“ konnten die Corejünger sehr gute Kritiken einfahren und waren somit auch gleich wieder in aller Munde.

Nun hat sich die Formation älteres Material nochmals zur Brust genommen und neu aufbereitet. Auf den Hörer losgelassen werden zehn Stücke (inklusive einer Überleitung und dem Outro), die allesamt von den ersten Gehversuchen der Combo stammen. Interessant ist das natürlich vor allem aus dem Grund, weil man sich schön ein Vorher-Nachher-Bild machen kann.

Gleich ganz zu Beginn der Scheibe wird klar: An Härte hat es der Formation niemals gefehlt. Schon der Opener donnert mit Brachialgewalt aus den Schallwandlern und animiert zum spontanen Möbelrücken. Den Kreis rund macht dann der Nachfolger „Salvation Bullet“, der wohl die heftigste Gehörgangmassage auf der Scheibe verabreicht. Hier geben sich brutale Breakdowns und ein offensichtlich mindestens mittelmäßig psychopathischer Schreihals die Hand und zelebrieren gemeinsam ein Fest der Zerstörung. Durch die relativ rohe Produktion, die die Stücke alle auch nach dem Remaster noch haben, wirkt das ganze Werk extrem rotzig, aber gleichzeitig auch sauber strukturiert und nachvollziehbar. Paradebeispiel ist hierfür der Titel „Shining Stars“. Um hier das Wort Aggression angemessen zu verwenden müsste man es fast quadrieren.

Trotzdem gibt es gute Gründe, dass sich die Band weiterentwickelt hat und nun ein ganz anderes Niveau erreicht hat als damals. Was am ehesten auffällt, ist die reine Konzentration auf möglichst brutale Songs (welche den Jungs ja nun wirklich nicht schlecht gelungen sind). Leider bleibt hier nebenbei viel auf der Strecke. Ein qualitativ möglichst hochwertiges Songwriting umzusetzen, geht so natürlich nicht. Hier ist alles auf Energiemaximierung ausgelegt. Damit hat es sich dann auch.

Dennoch macht die Platte natürlich trotzdem jede Menge Spaß (vielleicht auch gerade deswegen). Man kann sich bei den Songs mal wunderbar einfach nur austoben, ohne gleich Musik studiert haben zu müssen.

Hat das Teil eine Daseinsberechtigung? Natürlich! Erstens öffnet die Scheibe einen schönen Blick auf die Vergangenheit der Combo und zweitens macht es natürlich viel Spaß, sich von den Schallwellen einfach mal durch den Raum pusten zu lassen. Wer also auf Metalcore oder Deathcore steht, der kann hier ruhig mal ein Ohr riskieren. Die enttäuschten Gesichter dürften schwer in der Minderheit sein.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“