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Caligula's Horse: Rise Radiant

Gute Band, gutes Album, zu glatter Sound
Wertung: 7,5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 47:44
Release: 22.05.2020
Label: InsideOut

Zunächst eine kleine historische Einführung: Diese aus dem australischen Brisbane stammende Band hat sich nach Incitatus benannt, dem Lieblingspferd des für seine unvergleichliche Dekadenz und Grausamkeit berüchtigten römischen Kaisers Caligula, der sogar geplant haben soll, dieses mit den Würden eines Konsuls auszustatten, was aufgrund der Ermordung des Tyrannen dann allerdings nicht in die Tat umgesetzt wurde. Ob Legende oder nicht – wer weiß das schon, jedenfalls sind die Australier nicht mit der Kaspertruppe zu verwechseln, die sich nach dem Despoten selbst benannt hat und von der auf The-Pit.de auch ein vernichtendes Review zu Buche steht.

Im Gegenteil, Caligula's Horse aus Queensland gelten derzeit als der heißeste Shit in der jüngeren Progressive-Szene und haben seit 2011 in zweijähriger Regelmäßigkeit bereits vier teils hoch beachtete Studioalben veröffentlicht; da ist es – wenn auch mit etwas Verspätung – auch für den Autor endlich an der Zeit, sich mit deren Schaffen auseinanderzusetzen. Als Einflüsse werden sowohl King Crimson als auch Steely Dan, Opeth und Jeff Buckley genannt – eine interessante Mixtur sehr unterschiedlicher Künstler, die auf ein spannendes Hörerlebnis schließen lässt.

Auch wenn dem Rezensenten Vergleiche zu den früheren Werken fehlen – „The Tempest“ zeigt gleich auf, wie geschickt Caligula’s Horse proggige Vertracktheit und Eingängigkeit zu verbinden in der Lage sind: Nach einem lang angehaltenen, kraftvollen Akkord geht man anschließend mit Stakkato-artigem Riffing vor, um dann in einen hymnischen Refrain überzuleiten. „Slow Violence“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, die Rhythmik kommt hier allerdings noch kniffliger daher, der Refrain wiederum noch melodischer.

Gerade jene Nummer erinnert jedoch weniger an Opeth oder King Crimson, sondern lässt viel mehr an Leprous zu „Bilateral“-Zeiten denken, zumal auch Sänger Jim Grey mit einem ziemlich prägnanten Organ gesegnet ist und offenkundig sehr auf mehrstimmige Vokalharmonien steht. Letzteres manifestiert sich insbesondere in der wunderschönen, von Akustikgitarren eingeleiteten Halbballade „Autumn“, die zudem mit einem Petrucci-mäßigen Solo von Leadgitarrist Sam Vallen glänzt; dieses von Melancholie überzogene, teilweise fast sakral anmutende Stück darf man zweifellos als eines der Highlights der Platte bezeichnen.

Hervorstechend ist ansonsten ganz klar das unheimlich facettenreiche „Salt“, dessen mit hübsch perlenden Keyboards verzierte Hauptmelodie erneut erstaunlich schnell ins Ohr geht, gleichzeitig wird mit komplexer Rhythmik und viel Forte/Piano-Dynamik gearbeitet und auch Vallen kann solotechnisch einmal mehr beweisen, was er auf dem Kasten hat (Fun fact: Leprous haben ebenfalls einen Song namens „Salt“ im Repertoire). Auch im fast elfminütigen Epos „The Ascent“ beweist die Band ihr Talent, lange Stücke mit großem Spannungsbogen umzusetzen und komplexe Spieltechnik, aufwühlende Riffs und imposante, sich auftürmende Gesangsmonstren unter einen Hut zu bekommen.  

Kompositorisch und handwerklich ist das definitiv stark, da gehen die deutlich härteren, kürzeren Nummern „Oceanrise“ und „Valkyrie“ ziemlich unter, wirken beinahe hektisch. Hingegen ist das kaum drei Minuten lange, komplett ruhige „Resonate“ – an sich quasi lediglich eine Art Zwischenstück – mit seinen schmeichelnden Vocals ziemlich apart, offenbart jedoch auch ein Problem, das im Verlauf der Platte immer mal wieder aufblitzt: So lobenswert die äußerst zeitgemäße Produktion im Prinzip auch sein mag, wirkt sie mitunter, gerade im Gesangsbereich, doch sehr glatt geschliffen. Mehrstimmiger Gesang ist etwas Herrliches und Jim Grey ist ein hervorragender Sänger, aber dass hier (unnötigerweise) mit Autotuning oder anderen technischen Hilfsmitteln nachjustiert wurde, scheint recht eindeutig.

Man kann den Sound ein wenig mit Haken vergleichen und zu dieser Truppe habe ich nie wirklich Zugang gefunden. Deren Sound wirkt sicherlich noch gekünstelter, hier stellt es sich nicht ganz so drastisch dar – dennoch schaffen es beispielsweise die bereits genannten Leprous deutlich besser, Emotionen zu wecken, und auch Threshold, die stets mit modernen Produktionen aufwarten, verbreiten dabei trotzdem mehr Wärme. Im Endeffekt ist dies jedoch freilich Geschmackssache, und eine gute Platte, in die jeder Proghead mal reinhören sollte, haben Caligula’s Horse mit „Rise Radiant“ auf jeden Fall am Start.

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