Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

California Breed: California Breed

Definitiv rotziger und dreckiger als Black Country Communion
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Rock
Spielzeit: 53:30
Release: 16.05.2014
Label: Frontiers Records S.R.l. (Soulfood)

Der König ist tot – lang lebe der König! Für leider nur drei Full-Length-Alben hielt sich die „Supergroup“ Black Country Communion, um sich dann relativ sang- und klanglos nach völlig unnötigen Querelen aus der Musikwelt zu verabschieden. Eine Reihe von Missverständnissen und Sticheleien, die man sicherlich nicht in der Öffentlichkeit hätte ausbreiten müssen, führte zur Eiszeit zwischen den beiden Ausnahmemusikern Glenn Hughes (Gesang, Bass) und Joe Bonamassa (Gitarre, Gesang) und letztlich zum Ende der Band.

Da Glenn aber auch mit über 60 Jahren nach wie vor heiß aufs Touren ist, hob er kurze Zeit später schon eine neue Combo aus der Taufe, California Breed, deren selbstbetiteltes Debüt dann auch relativ schnell eingespielt war. Was sich sofort konstatieren lässt und ja auch schon beim vorab veröffentlichten „Sweet Tea“ deutlich wurde, ist die Erkenntnis, dass es im Gegensatz zu Glenns voriger Formation trotz ähnlicher musikalischer Ausrichtung hier wesentlich puristischer und rotziger zur Sache geht. Erscheint aber auch logisch, denn ein Keyboarder ist diesmal nicht dabei und das blutjunge Gitarrentalent Andrew Watt, das neben Hughes und dessen Kumpel Jason Bonham, der ja auch bereits bei BCC mitmischte, aufspielt, wartet außerdem mit einem wesentlich dreckigeren Gitarrensound auf als Joe Bonamassa, der doch eher einen singenden und sauberen Ton bevorzugt. Des Weiteren ärgert Hughes sich vielleicht auch immer noch über den Split und will sich auf seine alten Tage wohl noch mal so richtig austoben.

Mit dieser Triobesetzung kehrt der Engländer ein Stück weit zu seinen Wurzeln zurück, begann er, bevor er mit Deep Purple zum großen Star avancierte, doch einst als kaum 18-Jähriger 1969 seine musikalische Karriere beim Power-Trio Trapeze, das übrigens allen, die sich für alte Perlen aus früheren Zeiten interessieren, wärmstens empfohlen sei.

Tatsächlich rocken auch California Breed unbekümmert wie eine Truppe voller Jungspunde (was letztlich ja nur Andrew Watt ist) durch die Botanik. Wie schon bei BCC ist es einfach unfassbar, mit was für einer sensationellen Stimme Hughes auch mit über 60 immer noch gesegnet ist. Der Mann hat eine Energie, von der sich so mancher Nachwuchsmusiker noch eine Scheibe abschneiden kann. Und dann dieser ultrageile Gitarrensound: Schon wegen des großen Namens des Drummers muss man ja automatisch wieder an Led Zeppelin denken, doch auch Watts drahtiger, erdiger und fetter Gitarrenklang und seine irgendwie sorglose und dennoch vielfältige Art zu spielen hat auf jeden Fall was vom jungen Jimmy Page. So, liebe Leute, hat sich eine E-Gitarre in einer Rockband anzuhören!

In songschreiberischer Hinsicht ist ebenfalls alles in Butter. An sich sollte da aber auch gar nicht so viel falsch laufen: Ein junger, hungriger und äußerst talentierter Gitarrist, ein alternder Rockstar, der aber immer noch mächtig Feuer im Arsch hat, und dazu ein Drummer, der der Sohn des Schlagzeugers der größten Rockband aller Zeiten ist – klingt vielversprechend und ist in diesem Fall auch fantastisch umgesetzt worden. Wie erwähnt: Unbekümmert ist das Stichwort. Nichts klingt kalkuliert, affektiert oder kompromissbereit, hier wird einfach bestens nach vorne gerockt.

Mit „The Way“ und „Sweet Tea“ werden die ersten Duftmarken gesetzt, „Chemical Rain“ ist etwas langsamer, aber dafür umso wuchtiger ausgefallen, während „Midnight Oil“ von Bonhams Shuffle-Groove und Watts funkig angehauchten Riffs lebt – eine großartige Nummer, die viel Spaß macht und einen potentiellen Livekracher markiert. Die mit einem herrlichen Intro versehene Ballade „All Falls Down“ hingegen ist so etwas wie die Verschnaufpause zwischendurch, obwohl die auch hier mit amtlicher Zerre versehene Gitarre dafür sorgt, dass das Energielevel nicht zu sehr abgesenkt wird.

Die etwas variableren Tracks sind vor allem in der zweiten Hälfte des Albums zu finden: „Spit You Out“ beispielsweise besitzt ein denkbar simples, fast schon mainstreamiges Riff und einen fröhlichen Mitsing-Chorus plus Klavierbegleitung, fügt sich dennoch problemlos ins Gesamtbild ein, und die begleitenden Akustikgitarren bei „Strong“ und dem finalen „Breathe“ sind mit einem unglaublich harten, präzisen Anschlag gespielt, sodass sie glatt von The Who-Großmeister Pete Townsend hätten stammen können – zumal gerade „Strong“ ohnehin eine starke The-Who-Schlagseite innewohnt. Ebenfalls sehr gelungen ist „Invisible“, welches zwischen einem fetten, Black Sabbath-artigen Riff und elegischem Gesang pendelt, während „Scars“ einen weiteren fetten Riffrocker markiert, der wie gemacht ist für Livesituationen.

Letztlich stellen California Breed, wie zuvor propagiert, tatsächlich den legitimen Nachfolger von Black Country Communion dar. Die Musik mag noch etwas ruppiger, kantiger und weniger eingängig sein, schlägt aber dennoch in eine ähnliche Kerbe. Durch Andrew Watts enthusiastisches Gitarrenspiel, Glenn Hughes’ nach wie vor exzellenten Gesang und Jason Bonhams kraftvollem Drumming klingt – obwohl es sich um „alte“ Mucke handelt – gar nichts angestaubt, sondern auch dank einer adäquaten Produktion im Gegenteil alles sehr erfrischend. Jetzt noch ’ne Tour mit The Vintage Caravan, einem weiteren tollen Newcomer in diesem Genre, und alles ist perfekt!

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend