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Cain's Offering: Stormcrow

Zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus
Wertung: 5.5/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 57:38
Release: 15.05.2015
Label: Frontiers Music (Soulfood)

Eines der vielen Dinge, die ich auf dieser Welt nicht verstehe, ist zum Beispiel, wenn irgendein bekannter Gitarrist oder Sänger eine Band neu gründet, mit der er dann praktisch genau dasselbe spielt wie in seiner früheren bzw. Hauptcombo. Wo da der Sinn liegen soll, erschließt sich mir einfach nicht, da kann man die komponierten Songs doch gleich für seine Stammkapelle verwenden, oder nicht? Noch schlimmer ist es allerdings, wenn das Material bei der neu gegründeten Band nicht nur stilistisch in exakt dieselbe Kerbe schlägt, sondern außerdem auch songschreiberisch ziemlich austauschbar, absolut vorhersehbar und relativ uninspiriert klingt.

All dies ist festzuhalten für „Stormcrow“, das zweite Album von Cain's Offering, einer 2009 von Ex-Sonata Arctica-Gitarrero Jani Liimatainen und Stratovarius-Sirene Timo Kotipelto ins Leben gerufenen Power-Metal-Supergroup, der seit einiger Zeit u.a. auch Timos Bandkollege Jens Johansson (Keyboards) angehört. Um eines gleich klarzustellen: Natürlich sind die hier musizierenden Kollegen allesamt perfekte Handwerker, die ihre Instrumente bestens beherrschen (aber das lässt sich ja über fast alle finnischen Mucker sagen) und der Aufwand gerade bei den symphonischen Elementen war mit Sicherheit kein geringer – aber wie immer (gerade bei sogenannten „Supergroups“) gilt: Technik allein schreibt keine guten Songs und kann vor allem mangelnde Leidenschaft und Hingabe niemals kompensieren.

Das mag sich jetzt sehr gemein anhören, denn Cain's Offering sind Liimatainens Baby, bei dem er nahezu im Alleingang für das Songwriting verantwortlich zeichnet, und man will ihm eigentlich nicht unterstellen, dass er bewusst halbgares Zeug auf die Fans loslässt, andererseits fragt man sich bei einem Song wie beispielsweise „Rising Sun“ schon, ob die Band das tatsächlich selber gut findet. Absolute Standardware, bei der keinerlei Emotionen transportiert werden, sondern zwar technisch perfekt, aber scheinbar völlig leidenschaftslos gefühlt x-fach schon gehörte 08/15-Riffs aus dem Power-Metal-Setzbaukasten durchexerziert werden.

Es sind gerade die Speed-Nummern, die mit dem immer gleichen Gedudel und auf hymnisch getrimmten Gesangslinien langweilen: Material wie „I Will Build You A Rome“ oder „Constellation Of Tears“ braucht kein Mensch, doch groovigere Songs im Midtempo à la „A Night To Forget“ und das finale „On The Shore“ kann man ebenfalls nicht wirklich als das Gelbe vom Ei bezeichnen. Hinzu kommt in Form von „Too Tired To Run“ eine Ballade, die so unglaublich vor Schmalz trieft, dass es fast schon körperlich wehtut. Das Hauptmotiv des Instrumentals „I Am Legion“ wiederum hört sich sehr verdächtig nach dem bekannten Thema von „Fluch der Karibik“ an.

Schon klar, dass Stratovarius und Sonata Arctica selbst oft sehr kitschig sind und das macht sogar auch ein bisschen ihres Charmes aus, aber hier wird noch mal einer draufgesetzt, des Weiteren hatten zumindest Stratovarius auf ihren letzten Alben kompositorisch mehr zu bieten als das hier Offenbarte. Der Orchesterbombast, der zwar programmiert wurde, sich aber nicht zu schlimm künstlich anhört (kein Vergleich zum grässlichen Sound von Wintersuns „Time I“), ist zudem einfach zu viel des Guten. Da wundert einen Liimatainens Aussage zur vorliegenden Scheibe, er wollte im Vergleich zum ersten Album „die Dinge etwas simpler halten“. Ich gestehe, ich habe das Debüt („Gather The Faithful“ von 2009) nie gehört, aber allein nach diesem Statement und dem auf „Stormcrow“ kredenzten Stoff wird die Lust darauf nicht unbedingt gesteigert.

Dazu gesellen sich schließlich noch fürchterlich platte Texte nach dem Motto „Let it rain and let it thunder / You’ll be safe from going under / You will not drown, I won’t let you down“ usf., wobei hier wiederum gesagt sei, dass mir solch kindlich-naive Mutmach-Lyrik immer noch lieber ist als das Macho-Geprolle von Manowar oder der unterirdische Klischee-Sondermüll der Marke Hammerfall.

Dennoch ist „Stormcrow“ ein Album, das sicherlich professionell gemacht und kompetent eingespielt wurde und das man sich nebenher anhören kann – das aber auch zum einen Ohr rein- und zum anderen wieder rausgeht und das niemandem wehtut. Braucht man eben einfach nicht. Blöd außerdem, wenn die stärkste Komposition gleich am Anfang verpulvert wird, denn wenigstens der Opener und Titelsong bietet einen wirklich gefälligen, einigermaßen episch tönenden Refrain und hier passt auch das Orchesterarrangement. Streng genommen war’s das dann aber auch.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann