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Cadaver Disposal: May All Be Dead

Der Todesstoß aus Duisburg
Wertung: 7,5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 39:38
Release: 15.03.2013
Label: Nihilistic Empire

Mit “May All Be Dead” melden sich die Duisburger Cadaver Disposal mit ihrem Debüt auf dem Death-Metal-Sektor an, nachdem sie schon 2010 mit ihrer kostenlosen Download-Demo-EP „Signum Gloriae“ für einen ersten Growl-Sturm sorgten. Neulinge sind sie also nicht, und doch tauchen sie noch nicht einmal bei The Metal Archives auf – irgendwie eine verkehrte Welt. Vorweg also erst einmal zu den Personalien, denn da hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Darüber hinaus tauchen hier ja auch einige in der Szene durchaus bekannte Gesichter auf. Gegründet wurde die Truppe 2010 von Gitarrist Dennis „Blaze“ Baron (auch Final Depravity), Stefan Meyerhoff (Vocals, ex-Braindead) und Jörg Kuchenbecker (Bass, ebenfalls ex-Braindead). War noch bei der Demo Schlagzeuger Torturer (Bethlehem, Belphegor) mit an Bord, so verdrischt nun TJ Anger ex-Sober Truth hier die Kessel.

In dieser Besetzung wurde dann auch letztes Jahr vorliegendes Debüt eingetrümmert, welches sich laut Bandinfo den Old-School-Death-Metal vorknüpft. Thematisch greifen sie den bei der Armee zur Killermaschine gezüchteten Soldaten auf, der allerdings mit dem Geschehenen nicht zurechtkommt, nachdem er einmal mehr nach seiner Rückkehr alles im Leben verloren hat, was ihn dann in den Suizid treibt. Diese Rambo-mäßige Splatterstory wurde sicherlich schon so oder ähnlich unzählige Male aufgegriffen, doch auch die Metallergemeinschaft findet immer wieder Gefallen an dem „lost hero“, der auch noch gestrandet ist, weil sich einfach viele dort wieder erkennen (wollen) – die Gefühlsbasis ist klar.

Und da das Thema auch in sich genug Stoff für schaurig-schöne Geschichten in sich birgt, so werden diese natürlich auch dementsprechend mit einem Riffmassaker ausgemalt. Wobei sich Cadaver Disposal gar nicht so gerne musikalisch festsetzen lassen, sind doch nicht nur Einflüsse aus der US-Todeszene der Marke Six Feet Under oder Massacre und Co. zu finden, sondern auch diverse Skandinavien-Sounds bis hin zu leichten Leihgaben bei Dimmu Borgir oder Asphyx auszumachen. Dabei setzen die Duisburger nicht auf das ganz große Geprügel. Eher viel Midtempo mit Wucht wie ein Vierzigtonner donnern Cadaver Disposal durch die annähernd vierzig Minuten. Schon der Opener „Desert Storm (Go To War)“ legt die deathigen Trademarks frei. Ein paar kurze Bass-Seitenhiebe, eine fies aufkreischende Leadgitarre und schon hämmert die Doublebass den Sand aus der Tarnbuchse.

Der Titeltrack mit seiner immer wieder aufkommenden Asphyx-Färbung kann mal alles, was ein Death-Song so mitzubringen hat. Beginnend mit dem einleitenden Sirenengeheul, den doomig-schleppenden Todesriffen fies wie Treibsand, dem zwischenzeitlich machineheadschen Leadgitarrenaufkreischen, sowie den mächtig rumpelnden Doublebassläufen – einfach Killer. „Mental Disorder“ wirkt nicht ganz so aufgeräumt wie die üblichen Tracks. Geschickt, wie die Duisburger Deather das Chaos des Storyhelden vertonen und so wirklich ein bisschen Chaos hervorrufen. Fies einfach, wie das Gitarrensolo die Verzweiflung vertont und pure Disharmonie hervorruft. „Adipocere“ setzt mit einem Knall dem Leben des Soldaten ein Ende. Das anschließende „Hymn To The Remains“ lässt die eben schon erwähnten Schwarzwurzel-Dimmu Borgir-Einflüsse erkennen. Punkten können sie dazu noch mit einer sehr wuchtigen Produktion und dem blutrünstigem Coverartwork, welches genretypisch das Gesamtwerk veredelt, das dann aber sicher im Vinylformat einmal mehr besser zur Geltung kommen würde.

Natürlich sind Cadaver Disposal genauso nicht die Heilsbringer der Death-Metal-Szene wie Legionen anderer Bands auch, doch „May All Be Dead“ atmet einen schön ranzigen Todesodem, den man nicht ignorieren kann – Szenekenner sollten sich also das derbe Gebräu näher anhören, wovon ein Großteil sich sicher dafür entscheidet, der Band auch auf der heimischen Anlage eine Chance zu geben – übrigens ein Beweis dafür, dass es in der heimischen Death-Landschaft nach wie vor heftig brodelt.

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Das ist halt auch der Ruhrpott, da geht es gerade heraus, was Sache ist

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