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Buzz Dees Icke

Buzz Dees: Icke

Eigensinnig, absorbierend und manchmal auch kindisch
Wertung: 8,5/10
Genre: Rock
Spielzeit: 48:07
Release: 04.10.2013
Label: Sholly Records

Drei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Buzz Dees mit ihrem Debütalbum „Mitkomm!“ sich als eine der wohl ältesten Newcomer in die Rockgeschichte eintrugen. Dass die vier Herren schon ein paar Jährchen in den verschiedensten musikalischen Dschungeln unterwegs waren, ließ sich auf Grund der gebotenen Leistung durchaus erkennen. So war eigentlich nur zu hoffen, dass die Symbiose aus Knatter-Charme, teils etwas derben Humor und kräftiger Rockmusik endlich seine Fortsetzung findet. Mit „Icke“ ist dies nun vollbracht und die lange Zeit des Wartens amtlich beendet.

„Icke“ ist zugleich auch der erste Song und zeichnet ein Bild der mannigfaltigen Icke’s der Band. Icke pfeift auf dem letzten Loch, hat sich den Verstand mit Chili weggebrannt, hat einen Bieröffner an der Tür, riecht verboten jut und pflegt vor allem einen astreinen Berliner Dialekt. Wer noch mehr über Icke erfahren will, hat hier schon den ersten Grund, zumindest einmal in die CD reinzuhören und kann hierbei auch feststellen, dass die lange Übungszeit in diversen Kapellen wie Knorkator, In Extremo oder Bell, Book & Candle sich auch handwerklich bestens zu Buche schlägt.

Bis dahin könnte sich „Tawarisch Putin Kamerad“ dieser Meinung sicher auch vorbehaltlos anschließen, um nach dem nach ihm benannten Song dann doch gnadenlos mit Sibirien zu drohen. Hier wird eine Mischung aus russischen Phrasen, Floskeln und Namen, die man auch mit geringen russischen Kenntnissen ganz gut versteht, mit ein paar deutschsprachigen Sätzen vermischt, dies mit einem Schuss russischer Folklore gewürzt und damit ist auch der nächste Leckerbissen für den Hörer bereit gestellt. Zum roten Telefon braucht man zwar nicht zwangsläufig greifen, sollte aber dafür das „Universal Telefon“ unbedingt mal anhören. Sarkastisch wird all den wundervollen Neuerungen der mobilen Welt gedacht, die man unbedingt braucht, und sei es dafür, um ein Ei zu braten. Musikalisch geht es dafür etwas rückwärts und so bekommt man mit jeder Sekunde, die das Stück weiter andauert, einen Blues, der nach der Zeit schreit, als Telefone einzig und allein noch dem Zweck des Telefonierens dienten.

Aber wie schlecht wäre man informiert, wenn es all diese Mobiltelefone mit den angebotenen App’s nicht gebe. Vielleicht gibt es ja auch eine, die einen „Alarm in Berlin“ sofort signalisiert. Als Klingelton wird dann sicher die bittersüße Liebeserklärung der Buzz Dees eingesetzt, die eine so zynische klingende Ode an die Hauptstadt ist, dass man sie einfach nur lieben muss. Sollte man diesen Song aus einem nicht nachvollziehbaren Grund doch wieder vergessen, wird er einen nach dem Versuch, die Stadt mit dem Auto zu durchfahren, einem Spaziergang am Potsdamer Platz oder den ersten Tritt in einen der zahlreichen Hundehaufen im Prenzlauer Berg, sofort wieder bewusst. Genauso wie man sich im Klaren ist, dass sich irgendwo ein Plätzchen findet, an dem man nur noch ein Verrückter unter Vielen ist, was das Wohlbefinden durchaus steigert.

„Rhababermost“ wird dort sicher nicht ausgeschenkt, denn der scheint eindeutig aus sächsischen Gefilden zu stammen. Glücklicher Weise steht der Sachse mittlerweile über die ständigen Witzeleien zum ansässigen Dialekt, aber wenn es aus einer Region kommt, die nicht mal anständig konjugieren kann, tut es doch etwas weh. Der dargebrachte „Tee“ hilft an dieser Stelle auch noch nicht ganz, um endlich wieder high zu werden, aber mit „High And Low“ sind auch die letzten Eitelkeiten wieder in der Besenkammer verschwunden. Wenn man den Text anhört, findet man einen Text, der sich ausschließlich aus Songtiteln oder deren Fragmenten zusammensetzt, um am Ende doch einen Sinn zu ergeben. Außerdem geht das Ganze auch noch verdammt gut ins Ohr. Dies gilt ebenso für die Coverversion des Tommy James-Titels „Dragging The Line“. Ganz am Ende steht „Tschang Song“, bei dem man nicht wirklich böse ist, dass er sich nur über eine Minute erstreckt.

Das Fazit dieser CD kann man getrost Buzz Dee selbst überlassen: „Die Zukunft des deutschen Rock’nRoll ist eigensinnig, absorbierend und kindisch – wie Icke!“ Jenau!

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