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Butcher: Welcome To The Night

Nur wer wirklich true ist, wird es verstehen – für die anderen gilt: Finger weg
Wertung: 7/10
Genre: True Heavy Metal
Spielzeit: 57:11
Release: 10.11.2010
Label: Infernö Records

Bei der US-Band Butcher muss man zuerst ganz tief in die Old School-Kiste greifen und klären, wer sie denn so sind, denn die wenigsten dürften die Metaller aus Arizona überhaupt in der Peilung haben. Die ursprüngliche Idee für den Schlachter-Epos liegt in den Vorgänger-Combos Cover und Storm. 1991 formierte sich dann dieses Quartett – damals allerdings noch in anderer Besetzung – um dann geschlagene fünf Jahre später ihr Debut „Iron Tiger“ zu veröffentlichen. Nun denn, ein Erdbeben hatten sie damit nicht ausgelöst, ganz im Gegenteil, denn nur absolute Insider hatten damals von dieser Kapelle überhaupt Notiz genommen – häufig spielte da der Zufall eine große Rolle. Danach war dann nichts mehr aus dem Bandlager zu hören, kein Flüstern brachte Licht in die dunklen Schatten, und der Mantel der Vergessenheit bedeckte Butcher mit einer fetten Staubkruste.

Doch 2010 wurden wieder die Schlachtmesser gewetzt, und auf „Welcome To The Night“ vereinigt nun Butcher 14 blutige Happen für den wahren Stahlkrieger dieses Planenten. Halt – etwas verwirrt? Stehen nicht in der Tracklist 25 Songs? Die Lösung ist recht einfach – bei dem quasi Konzept-Album tauchen immer wieder Radiofrequenzen und Werbeparts auf, welche die Songs voneinander abschneiden. Doch gleich eines vorneweg: Bei der ersten drei Durchgängen sind diese Einsprengsel noch recht lustig, doch mehr und mehr gehen sie einem auf die truen Eier und werden sogar recht lästig – da ist es vorhersehbar, dass entweder die „Welcome To The Night“ im CD-Regal verschimmelt, oder aber die eine oder andere Sicherungskopie entsprechend um den Ballast gekürzt die CD-Player besiedeln wird. Vom ursprünglichen Charme bleibt dadurch immer weniger übrig.

Aber Butcher haben auch Musik auf die CD gebannt – und die ist richtig ordentlich ausgefallen. Aber Achtung – ein dringender Warnhinweis: Wie oben schon zu entnehmen ist, sollte man auf klassischen Stahl stehen und selbst vor Trueness nur so strotzen, die Kutte sollte als Dauerbekleidung den Körper umgarnen und obskure Bands aus der NWOBHM-Phase sowie kauziger US-Metal sollte schon zum Frühstück das Maß aller musikalischen Dinge sein. Werden diese Hinweise beherzigt, dann steht einem Hörgenuß nichts im Weg, wer dagegen nicht mit 200-prozentiger Sicherheit dahinter steht, sollte die Kohle lieber in die nächste Helmut Lotti-Kollektion investieren.

Mit ruhigem Grillenzirpen startet „Welcome To The Night“ und passt zuerst so gar nicht zu der blutverschmierten Nackten auf dem Cover. Ein Schrei – schon tönen die ersten Riffs und mit leicht kratziger Stimme besingt Lil Tang die Dunkelheit („The Dark“).

„King Of The Hill“ könnte glatt von den frühen Judas Priest abgekupfert sein und dürfte mindestens drei Viertel der Stammbesucher vom Keep It True Festival oder dem Headbangers Open Air in wahre Glückseligkeit stürzen – vor allem die ausgefeilten und fett old schooligen Gitarrensoli dürften einen großen Anteil an den Freudentränen haben.

Gerade die Soli sind ein großer Pluspunkt dieser Scheibe, und auch Lil Tang schafft es immer wieder mit ihrer abwechslungsreichen Stimme für Kurzweil zu sorgen. Dagegen ist ihr Pendant mit dem fehlenden Östrogen ein wenig plumper, aber nicht weniger stimmgewaltig. Butcher belegen bei „Battleaxe“ eindrucksvoll, dass mit einfachen Ideen und einem zündenden Riff Marke early Steeler auch heute noch tolle Tracks abgeliefert werden können.

Mit „Silence“ schlagen Butcher auch richtig ruhige Töne an – zart klimpert die Gitarre, Lil säuselt sachte daher – die Stille nach dem Atomschlag, die bedrückende Niedergeschlagenheit nach der Schockwelle. Zwar nimmt der Song nachher etwas mehr Fahrt auf, die Gitarre wird aber weiterhin nur gezupft, lediglich Lil krächzt kurz, um dann wieder säuselnd den Song weiterzuführen, bevor ein plötzliches Geschepper mit Elekrogitarren die Stille durchschneidet und schon nach wenigen Sekunden entkräftet dem Fallout zum Opfer fällt.

Fazit: Butcher und Kommerz sind genauso weit entfernt wie weiß und schwarz. Der Old-School-Metal ist dermaßen true, dass dem Fan schon schnell die Spandexbuchse zu eng wird. Wer sich eine Mischung aus Venom-artigen Steeler in Kombination mit Judas Priest-Flair und einer Würzmischung aus zehn Dutzend Achtziger-Kauzmetalbands vorstellen kann, sollte hier trotz der störenden Unterbrechungen zugreifen. Wer aber auch nur einen winzig kleinen Funken Misstrauen bei der eigenen Trueness nicht ausschließen kann, sollte sich erst die nächsten zehn Jahre mit den bewährten Alttruppen intensiv beschäftigen, bevor er/sie sich auf den „Welcome To The Night“-Trip begibt. Kauzig, urig – das sind die wohl passendsten Begriffe für Butcher. Definitiv origineller und ganz sicher truer als alle Moneywars dieser Welt – hundertpro. Für die Musik sind eindeutig neun Punkte fällig, doch in der B-Note müssen einige Abzüge her.

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