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But We Try It: Dead Lights

Ein Debütalbum wie man es sich wünscht
Wertung: 8.5/10
Genre: Deathcore, Metalcore, Thrashcore
Spielzeit: 40:27
Release: 28.01.2011
Label: Massacre Records

But We Try It sind sauer. Stinksauer, um genau zu sein. Zumindest klingen sie so, allen voran Sänger Jörn Preidt (liebe Freunde des gepflegten Core, streicht euch den Namen bitte rot an!), der sich gar nicht so recht entscheiden kann, ob er hysterisch loskreischen oder sein Gegenüber mit unmenschlichen Growls an die Wand nageln soll.

Wenn sich der ein oder andere jetzt fragt, was das soll: Die Rede ist vom Debütalbum der Wuppertaler Thrashcore-Formation. „Dead Lights“ heißt das gute Stück, und schon beim ersten Durchhören beginnt der Staub von der ohnehin geplagten Zimmerdecke zu rieseln. Gut, dass die Nachbarn Kummer gewöhnt sind, sonst stünde schon nach dem Intro die Polizei vor der Tür.

Dabei, und das ist das eigentlich Beeindruckende an der Sache, exisitiert das Quintett auf musikalischem Boden erst seit 2008. Rasch wurden mit der selbstbetitelten EP sechs Songs rausgehauen, die die Socken zum Qualmen bringen sollten – ob das geklappt hat, ist der Verfasserin dieser Zeilen nicht direkt bekannt, da die Combo aber inzwischen bei den einschlägigen Massacre Records unter Vertrag ist, scheint die bösartige Core-Saat auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Nun liegt uns also der Vollzeit-Erstling vor und meine Herren, was für ein Erstling das ist!

„Bloodritual“ lässt sich leicht theatralisch mit aufjammernden Gitarren an (sicherlich ein super Liveintro), bevor Jörn völlig gestört loskreischt. Dynamik, dein Name ist But We Try It. Man kann sich kaum vorstellen, dass bei einer Livepräsentation des Songs auch nur ein Mensch nicht im Mosh zu finden ist. Abwechselnd wird gegrowlt und geschrien, alles untermalt von dem rasanten Drumming von Schlagwerker Mark und den schrammelnden Gitarren der beiden Saitenhexer Dominik und Tim. Klar, das hat es alles schon mal gegeben, aber schon lange hat Core nicht mehr so viel Spaß gemacht.

Unwillkürlich massiert man sich den Hals, wenn man sich Jörns Beitrag zu „The Gift And The Curse“ anhört – der Mann hat ein Organ, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Der Song ist schon jetzt der unausgesprochene Höhepunkt der Platte: Allein wie sich die heftigen Vocals im Refrain kurzzeitig in klaren Gesang verwandeln, ist es wert, die Repeattaste inflationär zu benutzen, zumal auch die cleanen Vocals hier voll und ganz überzeugen können und nicht wie bei vielen anderen Metalcorebands als unsägliches Gequäke daherkommen. Erst jetzt fällt einem auf, dass das Ganze vielleicht mit einem dominanteren Bass sogar noch ein bisschen mehr Druck bekommen hätte, aber vielleicht glückt es uns ja, Tieftöner Stefan im Verlauf der nächsten Songs noch zu entdecken.

„Remember Me“ bringt ganz deutlich ein paar Hardcore-Wurzeln ans Licht und groovt vor allem zu Beginn wie Sau. Intelligentes Songwriting par excellence, ohne Frage. Überraschend werden die tiefen Growls von leicht bedrohlich wirkenden Gitarren abgelöst, bevor Jörn sich wieder die Lunge aus dem Leib keift. Hier ist der todesmetallische Anteil definitiv stärker vertreten als bei den restlichen Songs, deswegen gilt hier: Weg vom Mosh und Matte kreisen lassen. Den viel zu schnell herangerückten Abschluss der Scheibe bildet das dynamische Duo „Dead Lights I“ und „Deadlights II“. Ersteres, untertitelt mit „The Rising“ kann mit nicht ganz drei Minuten und einer sehr schönen Klaviermelodie vielleicht noch am ehesten als Ouvertüre zu Nummer zwei durchgehen, obwohl auch hier nicht mit Gitarren gegeizt wird – allerdings geht man ordentlich vom Gaspedal und präsentiert eher ein Old School-mäßiges, leicht an Power Metal angelehntes Instrumental. „Dead Lights II – The Path To New“ ist da erwartungsgemäß ein ganz anderes Kaliber, wartet es doch mit flirrenden Gitarrenspuren und gewohnt derben Vocals auf. Vor lauter Epik kann man die Gänsehaut kaum unterdrücken, wenn verzweifelt geschrien wird „I see dead lights in the sky“ und man kann sich nur ausmalen, wie genial der Track live zum Abschluss eines schweißtreibenden Konzerts daherkommen muss. Natürlich darf auch ein Gitarrensolo nicht fehlen, das hier aber keineswegs wie Griffwichserei rüberkommt, sondern stimmig in den Song eingebettet wurde und ihn erst abrundet.

Fazit: But We Try It haben mit „Dead Lights“ ein derartig wunderbares Debüt geschaffen, dass es eigentlich nicht mehr vieler Worte bedarf. Einzig am druckvollen Sound sollte noch ein wenig gearbeitet werden, hier könnte Bassist Stefan noch ein wenig mehr in den Vordergrund treten. Hier liegt die CD einer Band vor, die zwar altes Terrain beschreitet, es sich aber nicht nehmen lässt, neue Gedanken mit einfließen zu lassen. Eine feine Sache für jeden Metalcore-, Deathcore- oder Thrashcore-Fan und alle, die auf den gewissen epischen Unterton stehen.

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