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Bury Tomorrow: Runes

Nichts erwartet, alles bekommen
Wertung: 10/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 49:15
Release: 30.05.2014
Label: Nuclear Blast Records

Alle Jahre wieder ist es endlich so weit: Die Briten Bury Tomorrow bringen eine neue Scheibe auf den Markt. Zu „Portraits“-Zeiten noch völlig unbekannt, haben sich die Jungs mittlerweile einen stabilen Status als tragfähige Metalcoreband erspielt und konnten sowohl mit dem Debüt als auch mit dem im Sommer 2012 erschienenen Nachfolger „The Union Of Crowns“ jeweils 9,5 Punkte bei The-Pit.de einfahren, wodurch sie nur knapp an der Höchstbewertung vorbeischrammten.

Traurige Nachrichten gibt es aber wie üblich zu vermelden: Gitarrist Mehdi ist nicht mehr dabei, der sympathische Musiker wurde durch einen Herrn namens Kristan Dawson ersetzt. Schade ist das allemal, der Neue scheint sich aber zumindest technisch nicht allzu sehr von seinem Vorgänger zu unterscheiden – man bleibt auf erfreulich hohem Niveau. Der Rest der Band, allen voran das Brüdergespann Dani und Davyd Winter Bates bleibt uns aber erhalten und seien wir ehrlich: Ohne den kleinen Schreihals und seinen nicht ganz so quirligen Bruder am Bass wären Bury Tomorrow nicht mehr Bury Tomorrow.

Schon das letzte Album überzeugte mit deftigen und trotzdem abwechslungsreichen Songs, was unter anderem den beiden Sängern zu verdanken ist, aber Drummer Adam Jackson sticht als technisch höchst versiert ebenfalls heraus – auch beim neuen Album „Runes“, das erst Ende Mai erscheinen wird, aber schon heißer als frische Brötchen gehandelt wird, hat der Mann an den Fellen kein Erbarmen und drischt taktvoll und auf den Punkt drauflos. Dank dem Labelriesen Nuclear Blast kann man sich Produzenten wie Mike Curtis und Mischer wie Will Putney leisten, der unter anderem schon bei Miss May I und Thy Art Is Murder die Platten veredelte – man ist also in jeder Hinsicht hochkarätig besetzt.

Nach wenigen Songs hat man natürlich einen ersten Eindruck und der ist recht überraschend: Die Briten sind eine ganze Spur härter geworden. Klar, Jasons  cleane Vocals sind nicht unter den Tisch gefallen, nehmen sich aber zwischen den Brülltiraden seines Kollegen zunehmend exotisch aus, zumal sich der Klarsänger eine etwas weitere Stimmbandbreite als zuvor erarbeitet zu haben scheint.

Das ist aber nicht die einzige Überraschung auf „Runes“ – mit „Man On Fire“ wird die Scheibe zwar mit einem sehr bandtypischen Song eingeleitet, schon der Refrain hat aber ordentlich in Epik gebadet und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Dani tatsächlich noch um einiges angepisster klingt als noch vor zwei Jahren. Es ist einfach immer wieder Wahnsinn, was aus dem Kerl alles an Tönen rauskommt. Richtig schockierend startet dann „Watcher“ mit unwahrscheinlich rasanten Gitarren, die spätestens jetzt beweisen, dass auch der Rest der Truppe technisch sehr begabt ist. Durch Jasons Gesang wird das Tempo ein bisschen herausgenommen, die Strophen werden aber ganz und gar von Dani niedergemetzelt – hier zeigt der Brite die mit Abstand heftigste Gesangsleistung der gesamten Bandgeschichte. Ehrfürchtiges Erstarren ist hier das Mindeste.

Hat man sich einigermaßen von der Bombe namens „Watcher“ erholt, holen die Jungs mit „Another Journey“ bereits zum vernichtenden Zweitangriff aus: Von Anfang an poltert der Song richtig heftig los, hier hätte es nicht mal unbedingt den Refrain gebraucht (obgleich dieser natürlich wieder kristallklar und engelsgleich durch das Chaos schneidet), auch so wird hier alles in Grund und Boden gestampft. Und das Schöne ist: Bury Tomorrow vertonen nicht die üblichen Klischees. Hier summen die Gitarren wie wütende Bienen beim deftigen „Under The Sun“, „Year Of The Harvest“ bricht mit unglaublich mächtigem Geschrei durch die Wand, das man so trotz der Genregängigkeit überall wiedererkennt, und gerade bei einem eigentlich recht massiven Song wie „Garden Of Thorns“ kommt Jasons warme Stimme sehr schön zum Tragen.

Der Überraschungen sind aber noch nicht genug: „Divine Breath“ kommt als anderthalbminütiges Intermezzo daher, das allein von Jasons klarem Gesang lebt und mit ein bisschen Hall und sehr ruhigen Gitarren ausgestattet ist. Die brachiale Gewalt des folgenden „Of Glory“ hätte man da fast erwarten können, aber im ersten Moment schockiert sie dann doch. Im Refrain bietet der Track dann absolute Gänsehautmomente – viel besser kann die Platte nun wirklich nicht mehr werden.

Und tatsächlich, am Ende steht dann die volle Punktzahl auf dem Blatt. Man überlegt, tippt „9,5“ ein und macht es dann doch wieder rückgängig. Man hätte es nach zwei wirklich sehr guten Platten nicht für möglich gehalten, hatte schon befürchtet, die Band hätte sich komplett verheizt, aber Bury Tomorrow haben mit „Runes“ das absolute Bandalbum geschaffen. Und sollte die nächste Platte noch geiler werden, muss eben ein neues Punktesystem erfunden werden.

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